Thrombose

Als Thrombose wird ein Blutgerinnsel bezeichnet, das an der Gefäßwand einer Vene oder Arterie anhaftet und die Blutzirkulation einschränkt oder blockiert. Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall können die Folge sein. Im Vordergrund für das Thrombosegeschehen stehen drei wichtige Faktoren: eine Gefäßwandläsion (Schädigung), eine verlangsamte Blutströmung und eine Erhöhung der Blutgerinnungsfaktoren im Blut.

Diese Faktoren werden nach dem deutschen Arzt und Naturforscher Rudolph V. Virchow (1829-1902) als Virchowsche Trias bezeichnet. Der beste Schutz gegen eine Thrombose ist eine intakte Gefäßinnenwand. Eine geschädigte Gefäßinnenwand spielt bei der Entwicklung einer Thrombose im arteriellen Blutgefäßsystem die Hauptrolle. Die Schädigung ist die Folge arteriosklerotischer Prozesse, die mit der Zeit zu einer Verhärtung und Brüchigkeit der Arterien führen. Die Gefäßinnenwand besitzt die biologische Eigenschaft, die Anhaftung bestimmter Blutgerinnungsfaktoren, wie von Blutplättchen, zu verhindern. Ist die Gefäßwand geschädigt, so ist dieser Mechanismus gestört, und in der Folge lagern sich Blutplättchen an.

Die thrombotische Ablagerung wird in diesem Stadium auch als Ablagerungsthrombus oder als weißer Thrombus bezeichnet. Durch kaskadenförmig ablaufende Gerinnungsprozesse werden rote Blutkörperchen eingeschlossen, und der Thrombus wird durch die Gerinnungssubstanz Fibrin vernetzt. Ein Thrombus kann durch diese Mechanismen eine rot-weiße Schichtung aufweisen.

Einsprießende Gefäße

Nach einiger Zeit sprießen Gefäße in die thrombotischen Ablagerungen ein, und es findet eine bindegewebige Umwandlung statt. Diese thrombotischen Ablagerungen werden auch als atheromatöse Plaques bezeichnet. Die Ablagerungen führen zur Beeinträchtigung der Durchblutung. Der Blutstrom muss ständig um dieses Hindernis fließen und wird so verlangsamt. Hieraus ergibt sich eine weitere Anlagerung von thrombotischem Material, und die Gefäßeinengung führt wiederum zu einer Beeinträchtigung der Blutversorgung. Zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild kann es kommen, wenn sich der Thrombus von der Gefäßwand löst und eine Embolie verursacht. Der verschleppte Thrombus verstopft dann eine Gefäßbahn, so dass die Blutversorgung unterbunden wird.

Verlangsamte Blutströmung

Bei den Thrombosen in den venösen Blutgefäßen spielt die verlangsamte Blutströmung die Hauptrolle. Bei gleichmäßiger Strömung ist die Strömungsgeschwindigkeit im Zentrum des Gefäßes am größten, während sie zur Gefäßwand hin abnimmt. In der Mitte des Gefäßes werden die großen und schweren Blutzellen transportiert – wie die roten Blutkörperchen – und am Rande die kleinen Blutbestandteile, wie die Blutplättchen. Je mehr ein Gefäß durch Arteriosklerose verengt ist, um so stärker werden die Blutplättchen randwärts gedrückt. Hat das Gefäß einen Innenwandschaden, können die Blutplättchen leicht an dieser Läsion hängen bleiben und eine Thrombose auslösen.

Ebenfalls werden durch erweiterte venöse Gefäße, wie Krampfadern, sehr häufig Thrombosen verursacht. Durch die Gefäßwandaussackungen der Krampfadern wird das Anhaften von Blutplättchen an der Gefäßwand gefördert. Besonders bei einer entzündlichen Veränderung der Venenwand (Phlebitis), wie sie häufig bei Krampfadern vorliegt, kann sich sehr leicht eine Thrombose entwickeln.

Erhöhte Gerinnungsfaktoren

Die Blutgerinnung wird durch aktivierende und hemmende Faktoren kontrolliert. Durch Krankheiten, wie Herzinfarkt, bösartige Tumore (besonders Magen- Darm- und Bauchspeicheldrüsen-Tumore) und bei Infektionen wird das Gleichgewicht von aktivierenden und hemmenden Gerinnungsfaktoren gestört. Ebenfalls sind während der Schwangerschaft und im Wochenbett die Gerinnungsfaktoren erhöht, so dass das Thromboserisiko steigt. Die Folgen einer Thrombose sind vielfältig. Im allgemeinen ist eine Thrombose im venösen Blutgefäßsystem harmloser als im arteriellen. Sie kann aber zu einer lebensbedrohlichen Situation führen, wenn ein Thrombus aus einer Becken- oder tiefen Beinvene in die Lunge verschleppt wird und dort eine Embolie auslöst. Diese kann trotz äußerst umfassender intensivmedizinischer Bemühungen tödlich verlaufen.

Gefahr einer Lungenembolie

Das Risiko einer Lungenembolie ist besonders hoch nach Operationen und langer Bettlägerigkeit. Bei den Thrombosen der äußeren Beinvenen ist die Gefahr einer Lungenembolie nicht gegeben, da der abgeschiedene Thrombus nicht in die großen zum Herzen führenden Venen gelangen kann. Mögliche Folgen eines thrombotischen Geschehens im arteriellen System sind der Herzinfarkt, der Schlaganfall und die arterielle Verschlusskrankheit.

Thrombotische Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen – besonders an den Verzweigungen – sind die häufigste Ursache eines Herzinfarkts. Wenn ein Thrombus eine Koronararterie weitgehend eingeengt oder blockiert hat, wird die Blutversorgung der Herzmuskulatur herabgesetzt oder sogar vollständig unterbunden. Dies führt zu einer Nekrose (Absterben) einer Herzmuskelregion. Ausgedehnte Nekrosen verursachen nicht selten Kammerflimmern. Dadurch gerät der Patient unter Umständen in akute Lebensgefahr.

Herzfehler und Schlaganfall

Für die Entwicklung eines thrombotischen Geschehens sind Herzfehler und Herzschwäche begünstigende Faktoren. Ein Verschluss einer Hirnarterie verursacht einen Schlaganfall (Apoplexie). Bakterielle Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) und ein frischer Herzinfarkt sind Risikofaktoren für eine Embolie, wobei der Thrombus aus dem linken Vorhof stammt. Beim Schlaganfall ist vorwiegend die mittlere Hirnarterie betroffen, die die großen zum Rückenmark führenden Nervenbahnen – die Pyramidenbahn – versorgt. Bei einer Schädigung der rechten Pyramidenbahn ist eine Lähmung der linken Körperhälfte zu erwarten, deren Ausmaß vom Ort und von der Schwere der Schädigung abhängt. Bei der arteriellen Verschlusskrankheit kann durch eine Thrombose oder eine Embolie die Blutversorgung eines Armes oder Beines gefährdet werden. Erfolgt nicht umgehend eine klinische Behandlung, führt die Erkrankung zur Nekrose, und das Bein oder der Arm muss amputiert werden.

Behandlung

Thrombosen erfordern in vielen Fällen eine intensivmedizinische Behandlung. Neben allgemeinen Maßnahmen zur Stabilisierung des Kranken wird heute auch weitgehend versucht, den Thrombus zu entfernen. In manchen Fällen lässt sich der Thrombus durch eine spezielle Therapie – die Fibrinolyse – auflösen. Diese Behandlung kann jedoch nur dann Erfolg haben, wenn sie rechtzeitig eingeleitet wird, also wenn der Thrombus sozusagen noch „frisch“ ist. Die Fibrinolyse kann bei tiefen Beinvenenthrombosen, bei Lungenembolie, Herzinfarkt und akuten arteriellen Gefäßverschlüssen versucht werden. Beim Schlaganfall ist dieses Verfahren nicht angezeigt.

Die Fibrinolyse erfolgt durch eine Infusion mit bestimmten Substanzen (Urokinase oder Streptokinase); die körpereigene Prozesse zum Abbau von Blutgerinnseln aktivieren. Diese Methode ist mit recht vielen Nebenwirkungen belastet, aber die Notsituation rechtfertigt den Einsatz. Bei der akuten arteriellen Verschlusskrankheit sowie bei tiefen Beckenvenenthrombosen kann mit einem speziellen Katheter, dem Fogarty-Katheter, versucht werden, den Thrombus herauszuziehen. Außerdem stehen noch andere chirurgische Verfahren zur Verfügung.

Vorbeugung in der Klinik

Um das Thromboserisiko bei frisch Operierten und bettlägerigen Patienten zu reduzieren, wird heute routinemäßig eine Thromboseprophylaxe (Vorbeugung) vorgenommen. Es wird Heparin in hoher und niedriger Dosierung injiziert. Heparin ist eine Substanz mit gerinnungshemmender Wirkung. Während der Heparin- Medikation muss ständig die Blutgerinnung (Quick-Wert) kontrolliert werden, damit es zu keiner Komplikation durch eine Blutung kommt. Um das Thromboserisiko zu senken, werden auch „Anti-Thrombosestrümpfe“ verordnet, die konsequent getragen werden sollten, selbst wenn sie manchmal als unbequem empfunden werden. Auch krankengymnastische Übungen senken bis zu einem gewissen Grad die Gefahr einer Thrombose.

Risikofaktoren

Bei den Risikofaktoren unterscheidet man die beeinflussbaren von den nicht beeinflussbaren Faktoren. So kann eine familiäre Disposition (Veranlagung) die Thromboseneigung begünstigen. Die Bildung von thrombotischen Plaques ist eine vielfache Komplikation beim Diabetes (Zuckerkrankheit). Eine sehr präzise Insulin-Einstellung und eine strenge Diät können das Risiko von Gefäßerkrankungen reduzieren. Es gibt Gefäßerkrankungen, bei denen ein Veranlagungsfaktor eine erhebliche Rolle spielt, so bei der Winiwarter-Bürger- Krankheit. Bei dieser Krankheit, die vorwiegend bei jungen Männern auftritt, kommt es zu einer Verquellung der Gefäßinnenwände mit Thrombenbildung. Ebenfalls gibt es einige Erkrankungen des Fettstoffwechsels, die mit einem hohen Thromboserisiko einhergehen.

Übergewicht und Rauchen

Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören: Übergewicht und fettreiche Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel, langes Stehen, ständige physische und psychische Belastungssituationen. Diese Risikofaktoren sind verantwortlich für viele Zivilisationserkrankungen, von denen der Bluthochdruck an erster Stelle steht. Bluthochdruck und zu hohe Blutfett- und Cholesterinwerte sind die Hauptfaktoren für die Entwicklung einer mehr oder minder ausgeprägten Arteriosklerose, aus der sich dann eine Thrombose entwickeln kann.