Kropf

Unter einem Kropf versteht man eine Vergrößerung der Schilddrüse. Diese Erkrankung wurde schon vor 2.500 Jahren erwähnt. Sie lässt sich heute durch Medikamente oder Operation gut behandeln.

Ein Kropf oder Struma kann sowohl bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse als auch bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) auftreten. Am häufigsten aber, nämlich in 90 Prozent der Fälle, liegt eine normale Schilddrüsenfunktion (Euthyreose) vor. Diese Kropfform, die weder durch Über- noch durch Unterfunktion gekennzeichnet ist, wird als blande Struma bezeichnet.

Vorkommen

Sind über zehn Prozent der Bevölkerung einer Region von einer blanden Struma betroffen, spricht man von endemischem Kropfvorkommen; unter dem Begriff endemisch versteht man das ständige Auftreten von bestimmten Krankheiten in bestimmten Gebieten. Besonders die AIpenländer gehörten bisher mit einem Kropfvorkommen von 30 Prozent zu diesen Endemiegebieten, während im Norden lediglich fünf Prozent der Bevölkerung betroffen waren.

Kommt Kropf in einer Region vergleichsweise selten vor, sprechen die Ärzte von sporadischem (gelegentlichem) Kropfvorkommen.

Die blande Struma

Die bei weitem häufigste Kropfform, die blande Struma, ist die Folge von Jodmangel. Die Schilddrüse benötigt Jod, um bestimmte Hormone bilden zu können. Sinkt die tägliche Jodzufuhr zu stark ab, so kann die Schilddrüse nur noch unzureichend Jod aus dem Blut aufnehmen. Die Folge ist, dass weniger Schilddrüsenhormon produziert wird und die Schilddrüsenhormon-Konzentration im Blut sinkt. Nun wird die Hormonkonzentration im Blut ständig durch die Hirnanhangdrüse kontrolliert. Bei einer Abweichung von der normalen Schilddrüsenhormon- Konzentration dem Sollwert des Schilddrüsenhormons – beginnt sie mit Kompensationsmechanismen.

Die Hirnanhangdrüse versucht, durch vermehrte Ausschüttung des die Schilddrüse stimulierenden Hormons TSH der erniedrigten Hormonkonzentration entgegenzusteuern. Die Ausschüttung großer Mengen von TSH übt einen starken Wachstumsreiz auf die Schilddrüse aus. Eine vergrößerte Schilddrüse kann mehr Jod aufnehmen und mehr Schilddrüsenhormon ausschütten, so dass trotz des Jodmangels die Hormonsituation bei der blanden Struma ausgeglichen ist. Hyper- und Hypothyreose können ebenfalls zur Kropfbildung führen.

Nur in zehn Prozent der Fälle ist der Kropf, also die Vermehrung des Schilddrüsengewebes, durch Über- und Unteraktivität der Schilddrüse verursacht. Die Überfunktion, die Hyperthyreose, hat sehr oft einen Kropf zur Folge. Die unkontrollierte Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen ins Blut führt außer dem zu Symptomen wie Hitzeempfindlichkeit; Gewichtsabnahme, Zittern und Durchfall. Hyperthyreose liegt auch bei der bekannten Basedow-Krankheit vor. Charakteristisch für die Basedowg Krankheit ist die sogenannte Merseburger Trias: Kropf, Hervortreten der Augen (Exophthalmus) und Herzjagen (Tachykardie).

Die Schilddrüsenunterfunktion, die Hypothyreose, führt nur dann häufig zu einer Kropfbildung, wenn diese Störung angeboren ist. Bei einer erworbenen Unterfunktion ist ein Kropf sehr selten. Die angeborene Schilddrüsenunterfunktion war vor Einführung der Vorbeugung mit Hilfe von jodiertem Salz in den Gebieten mit endemischem Kropf sehr häufig, denn die Ursache liegt in der Jodunterversorgung der Mutter während der Schwangerschaft.

Kretinismus

Diese durch Schilddrüsenhormon-Mangel ausgelöste Erkrankung wird als Kretinismus bezeichnet. Schwere Entwicklungsstörungen und -verzögerungen des Kindes, massive Intelligenzdefekte, Schwerhörigkeit, eine derbe, trockene Haut, struppige Haare, plumpe Gliedmaße und eine sattelförmige Nase prägen das Krankheitsbild.

Die Anwesenheit von bestimmten Substanzen, den strumigenen Faktoren, im Trinkwasser oder der Ernährung kann ebenfalls zur Kropfbildung führen. In der Tschechoslowakei, in Australien und Finnland wird der endemische Kropf auf strumigene Faktoren zurückgeführt. Sie sind zum Beispiel in manchen Kohlarten enthalten.

Jugendliche können zeitweise eine Vergrößerung der Schilddrüse aufweisen. Sie ist die Folge eines Missverhältnisses zwischen Schilddrüsenhormon Bedarf und -Produktion durch Störungen des Hormontransportes im Blut. Die Ärzte sprechen bei dieser vorübergehenden Form von einer juvenilen Struma.

Nicht selten führen Medikamente zu einem Kropf. Ein Beispiel ist die Behandlung mit Lithium (einem Psychopharmakon) bei einer manisch-depressiven Erkrankung. Lithium hemmt die Schilddrüsenhormon- Produktion. Aber auch eine überhöhte Jodzufuhr kann zu einer Struma führen.

Beschwerden durch den Kropf

Viele Menschen mit einem Kropfverspüren keine Beschwerden. Dies gilt allerdings nur dann, wenn eine blande Struma – also eine ausgeglichene Hormonsituation – vorliegt. Lediglich die vordere Partie des Halses ist verdickt. Es kommt aber auch vor, dass ein Kropf solche Ausmaße annimmt, dass die Atmung, das Schlucken und die Blutversorgung beeinträchtigt sind. Zu dieser Problematik kommt es besonders, wenn der Kropf in den Brustraum hineinwächst.

Diagnose

Im Vordergrund der Schilddrüsendiagnostik steht die Laboruntersuchung der Schilddrüsenhormone. Sehr differenzierte Tests können über eine Unter- und Überfunktion Auskunft geben. Eine einfache Untersuchung besteht im regelmäßigen Messen des Halsumfanges sowie im Anlegen des Stethoskops. Hierdurch kann unter Umständen eine verstärkte Durchblutung der Schilddrüse diagnostiziert werden. Auch gehört heute die Ultraschalluntersuchung zur Routine. Auch gewisse Röntgenverfahren werden eingesetzt, insbesondere zur Abklärung bösartiger Prozesse.

Behandlung

Ist der Kropf durch eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse verursacht, kann durch eine entsprechende medikamentöse Therapie eine ausgeglichene Hormonsituation erreicht werden. Bei der Behandlung der Hyperthyreose werden antithyreoidale Medikamente eingesetzt; das sind Medikamente, die auf verschiedene Weise die vermehrte Hormonbildung blockieren. Im Rahmen dieser Behandlung werden meist auch Medikamente mit beruhigender Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System gegeben. Bei größeren Kröpfen führt eine Operation am schnellsten zu einem therapeutischen Erfolg.

Hormongabe

Für die Behandlung von blanden Strumen hat sich heute die Schilddrüsenhormon- Gabe durchgesetzt. Hierdurch wird die Hormonproduktion der Schilddrüse teilweise ersetzt und die Aktivität der Hirnanhangdrüse, TSH auszuschütten, weitgehend gehemmt. Diese Schilddrüsenhormon- Medikation muss in der Regel lebenslang beibehalten werden, weil die alleinige Gabe von Jod sich nicht als genügend wirksam erwiesen hat. Ist der Kropf so groß, dass er zu Beschwerden führt, sollte sich der Patient auch bei der blanden Struma zu einer baldigen Operation entschließen.

In endemischen Kropfgebieten spielt die Vorbeugung eine enorme Rolle. Um dem Jodmangel abzuhelfen, wird hier jodiertes Salz gegeben (Jodsalz). Eine wirksame Maßnahme ist auch die Trinkwasser- Jodierung, die in vielen Ländern gesetzlich verankert ist.

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)