Durchblutungsstörungen

Ein Leitsatz in der Medizin lautet: „Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße“. Durchblutungsstörungen treten im allgemeinen bei älteren Menschen auf. Eine vernünftige Lebensweise kann jedoch oft zu einer Besserung führen und chirurgische Eingriffe unnötig machen.

Die häufigste Ursache von Durchblutungsstörungen ist die Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Dabei bilden sich im Inneren der Arterien Ablagerungen, die im ungünstigsten Fall zu einer vollständigen Verstopfung der Arterien führen. Bei Arteriosklerose können einige Arterien stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als andere.

So sind Abgangs- und Verzweigungsstellen von Arterien eher betroffen. Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen, die den Herzmuskel mit Blut versorgen, kann zu Herzanfällen (Angina pectoris) und in letzter Konsequenz zum Herzinfarkt führen. Arteriosklerose in den Halsschlagadern kann eine Minderdurchblutung des Gehirns und einen Schlaganfall auslösen.

Ursachen

Die eigentliche Ursache der Arteriosklerose ist noch nicht erforscht, aber es gibt eine Reihe von Faktoren, die wahrscheinlich an der Auslösung dieser Erkrankung beteiligt sind. Die Ablagerungen in den Arterien bauen sich im Laufe von Jahren und Jahrzehnten ganz allmählich auf und bestehen aus Blutfetten, aus kristallisierten Cholesterinen und kleinen Blutgerinnseln, die in die „Plaque“, also die Ablagerungen, eingebaut werden. Dieser Prozess kann schon im dritten Lebensjahrzehnt beginnen.

In manchen Familien wird die Neigung zu Arteriosklerose vererbt, besonders bei Familien, in denen Fettstoffwechselstörungen vorgekommen sind. Diabetes (Zuckerkrankheit) ist ebenfalls ein Faktor, der das Risiko einer Arterienverkalkung erhöhen kann.

Rauchen

Daneben gibt es jedoch auch in der persönlichen Lebensweise begründete Faktoren, die die Entstehung einer Arteriosklerose begünstigen und zu einer koronaren Herzerkrankung, zu Durchblutungsstörungen in den Beinen oder zu Schlaganfällen führen können. Der bedeutendste Faktor ist das Zigarettenrauchen. Ein Raucher hat ein mehrfach höheres Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken als ein Nichtraucher. Zu den weiteren Risikofaktoren gehören Bluthochdruck und ein zu hoher Cholesterinspiegel im Blut. Beide Befunde können durch Übergewicht verstärkt werden; der Cholesterinspiegel kann auch dadurch steigen, dass der Betreffende viel tierische Fette zu sich nimmt.

Eine seltenere Ursache von Durchblutungsstörungen ist die Winiwarter-Buerger-Krankheit. Dabei entzündet sich die Innenwand der Blutgefäße und verdickt ich so stark, dass der Blutfluss behindert wird. Von dieser Erkrankung sind vorwiegend Männer von 30 bis 40 Jahren betroffen. Man fand heraus, dass zu dieser Erkrankungsgruppe fast ausnahmslos starke Raucher gehören. Starke Raucher können schon in den Zwanzigern davon befallen werden, während ansonsten Durchblutungsstörungen infolge von Arteriosklerose nur selten vor dem 40. Lebensjahr auftreten. Die genaue Ursache ist noch nicht ermittelt, doch scheint es, dass Chemikalien im Zigarettenrauch zumindest an der Auslösung der Krankheit beteiligt sind.

Symptome

Das erste Anzeichen von Durchblutungsstörungen in den Beinen ist im allgemeinen ein krampfartiger Schmerz in den Waden, der sich beim Gehen einstellt. Als Folge dieser Schmerzen beginnt der Patient zu hinken, die Ärzte sprechen von intermittierendem Hinken, der „Claudicatio intermittens“. Anfangs kann der Patient oft noch recht weit gehen, bevor der Schmerz auftritt. Wenn die Blockierung der Arterie zunimmt, kann der Schmerz jedoch schon nach wenigen Gehminuten auftreten. Bleibt der Patient stehen, verschwindet der Schmerz nach ein bis zwei Minuten.

Schaufensterkrankheit

Die Besserung nach kurzem Stehen bleiben ist so charakteristisch, dass auch von der „Schaufensterkrankheit“ gesprochen wird. Der Patient bleibt so lange stehen, bis sich die Durchblutungssituation gebessert hat. In sehr schweren Fällen kann es auch im Ruhezustand – entweder im Bett oder auch beim Sitzen auf einem Stuhl – zu Schmerzen kommen. Die Haut ist kühl und blass bis weißlich, und über dem betroffenen Bereich hört der Haarwuchs auf.

Bei Schmerzen im Ruhestand besteht ein beträchtliches Risiko, dass es zu Gangrän (Gewebstod) kommt. Besonders sind die Zehen und der Vorfuß gefährdet. Bei Hautverletzungen kommt es leicht zu Infektionen. Befindet sich die arteriosklerotische Blockade in der Aorta (der Hauptschlagader in Brust und Bauch), können Schmerzen im Gesäß und in den Oberschenkeln auftreten. Diese Schmerzen können zur Fehldiagnose „Ischias“ führen. Manchmal ist diese Erkrankung bei Männern auch von Impotenz begleitet.

Der erste und wichtigste Behandlungsschritt besteht darin, dass ein Raucher umgehend aufhört zu rauchen. Das Risiko einer weiteren Schädigung wird dadurch erheblich verringert. Raucht der Patient weiter, verschlechtert sich sein Zustand unweigerlich, und das kann im schlimmsten Fall mit einer Amputation der betroffenen Gliedmaße enden.

Behandlung

Der Patient muss sorgsam auf seine Füße achten, um eine Hautinfektion zu vermeiden. Das bedeutet, Füße sauber und trocken halten, am besten einen Fußpfleger aufsuchen, kein zu enges Schuhwerk tragen und Gehtraining ausüben. Gerade das Gehtraining beeinflusst die Durchblutung äußerst positiv, indem mit der Zeit Umgehungskreisläufe gebildet werden, die die Durchblutung wieder gewährleisten.

Natürlich kann diese Maßnahme nur helfen, wenn die Durchblutungsstörungen noch nicht zu weit fortgeschritten sind. Gefäßerweiternde Mittel (Vasodilatatoren) können ebenfalls dazu beitragen, die Durchblutung zu verbessern. Diese Medikamente sind jedoch keine Heilmittel.

Wenn die Durchblutungsstörungen sich in den schweren Stadien befindet, muss ein operativer Eingriff erwogen werden. Oft wird der Chirurg eine Blockade durch einen Bypass, also eine Umleitung über eine künstliche Arterie, umgehen können; manchmal wird dafür ein Stück Vene aus dem Unterschenkel des Patienten entnommen. Gelegentlich besteht die Möglichkeit, die befallenen Arterien zu öffnen und die Ablagerungen zu entfernen, ein Verfahren, das als Endarteriektomie oder Desobliteration bezeichnet wird.