Jod

Jod bei Männern | © airborne77 - stock.adobe.com

Zur Gesunderhaltung braucht unser Körper winzige Mengen Jod, die wir normalerweise mit der Nahrung aufnehmen. In Form von Tinkturen wird Jod auch zur Desinfizierung der Haut vor Operationen verwendet. Die im Körper gespeicherte Jodmenge beträgt etwa 50 Milligramm (1 mg = 1000 K). Ungefähr ein Drittel davon befindet sich in der Schilddrüse (Thyreoidea). Denn dort wird es bei der Bildung der beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin gebraucht. Diese Botenstoffe sind für das Wachstum und die körperliche Entwicklung wichtig und steuern unter anderem die lebenserhaltenden Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechselprozesse.

Schilddrüsenhormone

Jod wird sehr leicht im Dünndarm resorbiert, daher in die Blutbahn übernommen. Die im vorderen, unteren Halsbereich gelegene Schilddrüse entzieht es dann dem Blut, das das Drüsengewebe durchströmt, und speichert es. Danach baut die Schilddrüse das Jod in die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin ein. Gesteuert wird der Schilddrüsenhaushalt durch ein anderes Hormon, das TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) aus der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) . Bei niedrigem Schilddrüsenhormonspiegel im Blut setzt die Hypophyse TSH frei. Dies führt zu einer gesteigerten Ausschüttung von Thyroxin und Trijodthyronin, und das wiederum hemmt die weitere TSH-Produktion in der Hypophyse. Die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone verringert sich. der Hormonspiegel pendelt sich ein. Befindet sich der Schilddrüsenhormonhaushalt im Gleichgewicht, laufen auch die von ihm abhängigen Stoffwechselprozesse korrekt ab. Die Schilddrüsenhormone steuern nämlich Tempo und Ablauf dieser Vorgänge; sie ähneln in ihrer Wirkung dem Gaspedal in einem Auto.

Bei einem Zuviel an Schilddrüsenhormonen ist dem Betroffenen heiß, er ist nervös, fahrig und läuft sehr leicht rot an. Außerdem befindet er sich ständig in Bewegung, verliert an Gewicht und kann sogar einen seelischen Zusammenbruch erleiden. Dieser Zustand wird als Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bezeichnet. Eine andere Bezeichnung lautet Basedowsche Krankheit und geht auf den Arzt Basedow zurück, der Anfang des 19. Jahrhunderts im Bodenseegebiet arbeitete und die Symptome zum ersten Mal beschrieb. Bei einem zu Wenig an Schilddrüsenhormonen (Hypothyreose) fühlt sich der Betroffene schlapp und müde. Er wird träge im Denken und ist körperlich aufgedunsen, was von den Ärzten als Myxödem bezeichnet wird. Die Ursache des Mangelzustands kann eine Schilddrüsenentzündung sein, aber auch in der Ernährung liegen. Steht nicht genügend Jod für die Hormonproduktion zur Verfügung, versucht die Schilddrüse das Defizit selbst auszugleichen und bildet mehr Gewebe (um Jod besser speichern zu können). Die Folge ist eine Schilddrüsenvergrößerung, die als Kropf am Hals sichtbar wird.

Enthält die Nahrung jedoch noch geringe Jodmengen, werden zumindest geringe Mengen Schilddrüsenhormone gebildet. In einem solchen Fall bleibt der Patient dann zwar nicht vom Kropf verschont, aber meist vom Myxödem. Fehlt es der Kost vollständig an Jod, entwickelt sich auch das Myxödem. Der Betroffene zeigt dann sämtliche für den Zustand der Schilddrüsenunterfunktion typische Symptome: Gewichtszunahme, Schwäche und geistige Verlangsamung.

Jodlieferanten

Meerwasser enthält Jod, und deshalb befindet es sich in allen Meerestieren sowie in Seetang. Jodhaltig ist auch der Boden in vielen Regionen, insbesondere das Ackerland der Tiefebenen. Die auf solchem Boden angebauten Feldfrüchte enthalten sehr viel Jod. Allgemeingültige Angaben über den Jodgehalt von Lebensmitteln wie etwa Gemüse sind allerdings nicht möglich, weil der Jodgehalt je nach Region und Boden sehr unterschiedlich ist. Wird mit Seetang oder Fischmehl gedüngt, haben die Pflanzen beträchtliche Jodmengen gespeichert. Viele Wasseradern enthalten ebenfalls Jod. Es gibt Regionen auf der Welt, deren Boden und Wasser kaum oder gar kein Jod enthalten. In der Folge leidet häufig die Bevölkerung des ganzen Gebiets unter Jodmangel und zeigt die entsprechenden Symptome, insbesondere Kropfbildung. In einem solchen Fall sprechen Mediziner auch vom endemischen Kropf – was nichts anderes heißt, als dass diese Erscheinung in einem bestimmten Gebiet gehäuft auftritt. Fast alle für endemischen Kropf bekannten Regionen sind gebirgig und weit vom Meer entfernt, die Alpenländer zum Beispiel. Man schätzt, dass weltweit 200 Millionen Menschen an endemischem Kropf leiden.

Auswirkungen von Jodmangel

Ständiger Jod- bzw. Schilddrüsenhormonmangel kann nicht nur für Erwachsene schwerwiegende Folgen haben, sondern auch für Kinder. Bei ihnen kann es zu Kretinismus kommen, daher sie sind schon bei der Geburt in der Entwicklung zurückgeblieben. Eigentliche Ursache dafür ist der Schilddrüsenhormonmangel der werdenden Mutter, der das Wachstum des Embryos hemmt. Bei der Schwangeren kann sich auf Grund des erhöhten Bedarfs an Schilddrüsenhormon der Kropf vergrößern . Der als Kretinismus bezeichnete Zustand des Kindes geht mit groben Gesichtszügen, derber Haut und dünnem Haarwuchs einher. Wird er nicht umgehend mit Gaben von Schilddrüsenhormonen behandelt, verstärken sich alle Symptome.

Jodzusätze

In dem Bemühen, den endemischen Kropf einzudämmen oder zu verhindern, reichert man Nahrungsmittel mit Jod an. Mitunter fügt man es dem Mehl zu, häufiger aber dem Tafelsalz. Jodiertes Salz ist heute in vielen Teilen der Welt ohne weiteres erhältlich. In Regionen, in denen der endemische Kropf nach wie vor ein ernsthaftes Problem darstellt, wird das Trinkwasser mit Jod versetzt.

Jod als Antiseptikum

Jod als Antiseptikum (Wundinfektion verhinderndes Mittel) ist preisgünstig und wirksam: Es tötet Bakterien innerhalb einer Minute und wird deshalb zur Vorbeugung gegen Infektionen vor chirurgischen Eingriffen auf die Haut des Patienten gestrichen. Üblicherweise wird Jodtinktur verwendet, die sich aus Jod, Jodid und 50prozentigem Alkohol zusammensetzt. Die Nachteile solcher Tinkturen sind Gewebsreizungen, Überempfindlichkeitsreaktionen und Gelbfärbung der Haut. Es ist mittlerweile auch erwiesen, dass Blut die antiseptische Wirkung von Jod verringert. Es wird deshalb nicht mehr – wie noch vor 20 bis 25 Jahren durchaus üblich – zum Desinfizieren von Wunden eingesetzt.

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