Wenn Vater wüsste

Schwule Kurzgeschichten

Es war am Dienstag beim Abendbrot, als meine Eltern sich über die Firma meines Vaters unterhielten. Gespräche übers Geschäft waren an unserem Tisch vollkommen ungewöhnlich, aber an diesem Abend gab es auch einen merkwürdigen Grund. Dieser Grund war schon einmal beim Abendbrot Thema gewesen. Da hatte mein Vater erzählt, dass einer seiner Angestellten, ein ehemaliger Azubi, der gerade seine Prüfung bestanden hatte und übernommen worden war, schwul wäre. Und er hatte tatsächlich daran gedacht ihn nur deswegen keinen weiteren Arbeitsvertrag zu geben. Aber da hatte mein Vater bei meiner Mutter völlig falsch gelegen. Sie hatte vehement dafür plädiert, dass dieser Thomas, so hieß er, weiter in der Firma blieb. Nun war, wie gesagt, dieser Thomas wieder Thema und allem Anschein nach hatte er wohl versucht mit einem anderen Angestellten anzubändeln. Derjenige war aber nicht so veranlagt und dann war es anschließend zu einem gehörigen Streit gekommen. Wieder war es meine Mutter, die diesen Thomas in Schutz nahm, obwohl sie ihn gar nicht kannte. Erst als mein Bruder sich in die Diskussion einschaltete und fragte, wie sie denn reagieren würde, wenn dieser Thomas eine Frau angebaggert hätte, wurde meine Mutter nachdenklich. Und so endete diese Diskussion damit, dass mein Vater diesem Thomas eine Abmahnung geben würde. Ich kannte diesen Thomas auch nicht, aber meine Neugier war geweckt und so beschloss ich, dass ich ihn mir einmal anschauen wollte.

Am nächsten Tag ging ich dann von der Schule nicht nach Hause, sondern zu meinem Vater in die Firma. Als ich dort ankam verließ er gerade sein Büro, weil er unser Auto aus der Werkstatt holen wollte. Er war so in Eile, dass er mir nur auftrug im Büro auf ihn zu warten. Dort langweilte ich mich erst, bis dann einer der Meister meines Vaters ins Büro kam. Der war ganz schön geladen, denn irgendetwas lief nicht so wie es sollte. Er fragte nach meinem Vater und ich konnte ihm nur antworten, dass er gleich wieder da sein würde. Dann fragte er, was ich denn unter gleich verstehen würde. Da hatte ich eine Idee und sagte ihm, dass ich wüsste wo er wäre. Sofort wollte er, dass ich in anrief. Ich suchte kurz im Telefonverzeichnis meines Vaters, fand die Telefonnummer der Werkstatt und rief die an. Dort fragte ich nach meinem Vater und der war gerade dabei das reparierte Auto zu begutachten. Ach ja, damals gab es so etwas wie Handy nicht, deshalb war es auch so kompliziert. Aber sie holten meinen Vater ans Telefon und ich übergab den Hörer an den Meister meines Vaters. Da erst bekam ich mit, dass für die Fertigung einige Materialien nicht da waren. Es ging dann etwas hin und her und dann hatte ich den Hörer wieder in der Hand und mein Vater begann mir Aufträge zu geben. Alles in Allem sollte ich dafür sorgen, dass wenn er wieder in seinem Büro war, einige seiner Angestellten auch da sein sollten. Zusammen mit dem Meister schaffte ich auch alle zu informieren. Als dann mein Vater eintraf, waren alle Personen versammelt. Zuerst lobte er mich wegen all dem und dann erinnerte er sich, dass ich ja etwas von ihm wollte. Schnell hatte ich die Ausrede parat und sagte, dass ich für die Schule ein Referat über moderne Versandmethoden erarbeiten sollte. Er nickte als ich sagte, dass in seiner Firma doch wohl so etwas vorhanden sein würde. Er erklärte mir, wo der Versand wäre und das ich die Erlaubnis hätte, dort zu recherchieren. Natürlich arbeitete dieser Thomas dort und ich machte mich schleunigst auf den Weg.

Ich hatte sowieso gewusst wo das war, aber mit der Erlaubnis meines Vaters konnte ich mich nun auch dort umsehen und mit den Leuten reden. Ich kannte auch nicht nur seinen Vornamen und so war es einfach ihn zu finden. Mein Vater hasste Großraumbüros und so hatten alle kleine Büros. Das machte es mir absolut einfach ihn zu finden und ungestört mit ihm zu reden. Als ich sein Büro betrat saß er hinter einem Schreibtisch und so konnte ich den interessanten Teil des Mannes gar nicht sehen. Er schaute auf, sah mich fragend an und so sagte ich, als mir klar wurde, dass er nicht anfangen würde: „Ich weiß nicht ob sie wissen wer ich bin, aber …!“

Weiter kam ich nicht, denn er unterbrach mich und sagte: „Der kleine Sohn vom Chef. Doch ich weiß wer Sie sind. Dieses Jahr auf dem Frühlingsfest waren Sie zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Mutter beim Angrillen.“
Ich nickte und sagte dann: „Sie beobachten gut.“
Er zuckte die Schultern, als er sagte: „Personen die mir gefallen beobachte ich gerne.“
Ich dachte bei mir: ‚Das ist ja einfach.‘ fragte dann aber: „Und wen haben sie beobachtet, meine Eltern, meinen Bruder oder mich?“
Sein Lächeln wurde breit, als er mir erwiderte: „Ihr Vater ist in Ordnung, mit ihrer Mutter kann ich nichts anfangen, sie werden noch vom Gesetzt geschützt, wenn ich richtig informiert bin und so bleibt wohl nur ihr Bruder übrig!“
Mit einer solchen Antwort hatte ich nicht gerechnet und das war ihm wohl klar, denn jetzt fing er sogar an leise zu lachen. Dann aber fragte er: „Aber leider schickt sie nicht ihr Bruder, sondern sie kommen aus eigenem Antrieb hier her?“
Ich konnte nur nicken und er lachte wieder. Sein Lachen gefiel mir, alles an ihm gefiel mir. Sein Gesicht war offen und ehrlich, sein Mund vielleicht etwas zu breit und über allem thronte eine viel zu große, schmale Nase. Seine Augen waren braun und seine dunkelblonden Haare so kurz geschnitten und dünn, dass ich seine Kopfhaut erkennen konnte. Seine Schultern waren breit und auch seine Hände ziemlich groß. Ich schätzte ihn auf Anfang 20 und allem Anschein nach hatte meine Betrachtung zu lange gedauert, denn nun stellte er fest: „Und ich gefalle dem jüngsten Spross meines Chefs wohl ziemlich gut!“

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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