Verliebt in einen Mann

Schwule Kurzgeschichten

Welch Ruhe um mich herum. Ich hatte wirklich alles um mich herum vergessen und schwelgte in Fantasien, als plötzlich mein Messi bimmelte und sich ein neuer Nickname meldete. Es war Leviathan. Ich konnte mit dem Namen noch nichts anfangen. Ich las mir erst einmal das Profil des Typen durch. Er war vier Jahre jünger als ich und kam von der Insel Fehmarn. Ein Insulaner? Das fand ich irgendwie witzig, denn ich als Lübecker kam ja direkt von der Ostseeküste.

Zum Besseren Verständnis muss ich sagen, dass ich über sechs jahre lang verheiratet war. Ich habe eine Tochter im Alter von vier Jahren, wohne aber jetzt alleine. Ich konnte nie richtig treu sein, denn mein ausgeprägtes Interesse an Männern holte mich alle halbe Jahr wieder ein und ich machte mich auf die Suche nach einem neuen Stecher. Als ich mich von meiner Frau trennte, purzelte ich Hals über Kopf in eine neue Beziehung. Aber auch diese war nur von kurzer Dauer.

Letztendlich machte ich das einzig Vernünftige und blieb allein. Die Abende vertrieb ich mir mit sehnsüchtigen und heißen Chats, wohl gemerkt Gay-Chats. Leviathan las wohl auch mein Profil und fing vorsichtig mit einem „Hi, wie alt bist du und was suchst du?“ an, mich vollzuquatschen. Ich hatte schon den Finger auf dem roten Kreuz, da kam die nächste Nachricht: „Sorry, so eine abgedroschene Wichse will keiner lesen. Also, du bist schwul?“

Na also, ging doch. Wir klärten zunächst die Standpunkte. Leviathan, er nannte sich kurz Levi, war Mitte 20 und bisexuell. Er wohnte in einer Zwei-Mann-WG und war Single. In seiner Profil-Überschrift stand zwar, dass er auf der Suche nach Sex war, aber er sagte noch nichts davon. Das war wahrscheinlich der Grund, warum ich ihn nicht sofort ignorierte. Der klassische Sex, welcher gewöhnlich unter Schwulen ablief, war nicht so mein Ding. Sicherlich hatte ich Erfahrungen, auch schöne Erfahrungen, aber sich blind mit Jemand zu treffen, um dann zu ficken, war definitiv nichts für mich. Ich hatte keine Angst vor Analverkehr oder so, aber zum Sex gehörten für mich mehr, als nur ein großer Schwanz und eine schnelle Nummer.

Ich quatschte mich mit Levi fest und wir tauschten nebenbei ein paar E-Mails mit Hardcorebildern aus. Plötzlich meinte er, dass er einen Ständer hätte. Ich meine, wer hätte das vor dem Rechner denn nicht, wenn er an Sex denkt? Dafür waren wir eben Männer. Auch mir kribbelte es mächtig in der Leistengegend. Levi war total nett. Immer wieder sah ich auf das Foto, welches er in seinem Profil hatte. Er hatte ganz kurze Haare, fast Glatze, hatte einen irre süßen Blick und war einfach tierisch nett.

Wir flacksten ein bisschen herum und kamen immer wieder auf das Thema Sex zu sprechen. Wir schrieben uns die schlimmsten, aber auch die schönsten Sexerlebnisse. Es war ein mehrstündiger Chat, indem wir wohl alles Mögliche beredeten. Zum Schluss war es so lustig, dass ich mich vor Lachen nicht mehr halten konnte. Ich konterte mit frechen, aber witzigen Sprüchen, ohne zu merken, dass ich mitten im heftigsten Flirt meines Lebens steckte. So ungezwungen, wie er mit dem Thema Sex umging, konnten von meiner Seite nur eindeutige Antworten kommen. Alles in Allem war es ein richtig heißer Abend. Irgendwann fiel dann von ihm der Spruch: „Ich finde dich total süß!“

Hallo? Ein Mann, der mich süß fand? Ich wusste zwar, dass mein Marktwert nicht so schlecht war, aber immerhin suchte Levi etwas fürs Bett und nicht so, wie ich, etwas für eine Beziehung. Aber süß fand ich ihn trotzdem. Wir quatschten weiter und er meinte, er würde mich in der nächsten Woche besuchen kommen. Natürlich würde er das. Er wollte schließlich ficken. Aber ich hätte mich nie von einem Typen einfach so besteigen lassen, also konterte ich mit leicht zickigen Gegensprüchen. Zum Schluß war er der meinung, dass er alles bekommen würde und das ständig. Es lag also an mir, ihm klar zu machen, dass er unmöglich an alles herankommen konnte.

Nichts desto trotz hatte er nun meine E-Mailadresse und ich seine. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann er sich melden würde. Dazu kam ja, dass gerade in unserer Gegend der schwule Markt etwas tot war. Ihm blieb also nicht viel übrig, wenn er ernsthaft daran glaubte, mich herum zu bekommen. Ich hörte drei Tage lang nichts von ihm. Dann auf einem Dienstag meldete sich mein Schwarm. Ich war ganz aufgeregt und schickte ihm sofort meine Telefonnummer. Doch dann war er wieder offline und meldete sich nicht mehr.

Ich ging um zehn Uhr ins Bett. Meine Schicht als Brötchenfahrer für eine Travemünder Bäckerei begann ja bereits um halb fünf. Ich hatte mich gerade noch einmal umgedreht, da klingelte mein Handy. Ich wollte aufstehen und den Wecker ausmachen, aber es war ein Anruf. Leicht müde seufzte ich ein leises „ja“ in das Telefon.
„Brrrr. Da bekomme ich ja richtig Gänsehaut. Da kann ich aber nicht mehr schlafen, wenn du mir so ins Ohr hauchst!“, hörte ich eine nette total süße Stimme. Verdammt, wer ist das denn, dachte ich. Doch er quasselte fröhlich weiter. „Na, liegst du schon im Bett und denkst an was Schönes?“ Das war tatsächlich Levi aus dem Chat. „Du lagst also schon in den Träumen? Nein, ist das süß!“, lachte er leise. „Was hast du denn gerade geträumt?“, wollte er wissen. Ich war noch garnicht wach und sagte leicht patzig: „Von dir … man. Levi, ich schlaf doch noch fast!“

Ich hörte ihn leise kichern. Anscheinend fand er das ziemlich lustig und meinte dann: „Nein, mal im Ernst. Wann darf ich Freitag bei dir sein?“
Der meinte das wirklich Ernst. Ich sagte, dass er gegen späten Nachmittag bei mir sein könne. „Okay, Süßer! Schlaf ruhig weiter und träum was Süßes!“ Dann machte es Klack und er hatte aufgelegt. So ein Fiesling. Ich konnte seit dem Moment wirklich nicht mehr schlafen. Ich wollte auf den Freitag warten. Ich hörte auch die ganzen Tage Nichts von ihm. Allerdings musste er auch arbeiten.

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