Valerio suchte einen Vater

Schwule Kurzgeschichten

Als ich Valerio zum ersten Mal in einem Sexkino traf, war er – wie ich auch – sehr traurig. Er hatte drei Monate zuvor seinen fast 20 Jahre älteren Freund und Mentor verloren, und ich meine geliebte Spanierin Juanita. Wir suchten beide Trost und fanden ihn in gegenseitigem Sex – ich ging zum ersten Mal mit einem Mann ins Bett! Bis dahin war ich mit Männern nie in ihrem Schlafzimmer.

Wie sich bald heraus stellte, suchte Valerio zwar schon einen Sexpartner, aber noch mehr einen neuen Vater. Mit achtzehn Jahren schickte der Lehrmeister von Brescia in der Lombardei seinen aufgeweckten Lehrling nach bestandener Prüfung als Maschinenzeichner in die Schweiz, um sich zum Techniker oder Ingenieur weiter ausbilden zu lassen. Valerio erhielt nichts Weiteres auf den Weg als ein knapp bemessenes Stipendium. Deshalb fühlte er sich sehr alleine gelassen, umso mehr als seine Deutschkenntnisse sehr mangelhaft waren.

Zu seinem „einmaligen Glück“, wie Valerio es nennt, fand er bald in einem Sprachlehrer einen ebenso einfühlsamen wie väterlichen Freund. Er führte ihn in jeder Beziehung, als Einwohner unserer Stadt, als Berater beim Studium (Valerio wollte wegen sprachlicher Schwierigkeiten mehrmals aussteigen), als persönlicher Deutschlehrer und schliesslich auch als Liebespartner durch viele Jahre. Da der Freund verheiratet, allerdings kinderlos war, blieb die Beziehung streng vertraulich; die beiden trafen sich stets in Valerios Zimmer und später in dessen Wohnung. Erst als der Freund an Krebs erkrankte – die Ehefrau war kurz vorher gestorben – bezogen die beiden schliesslich eine gemeinsame Wohnung in einem Miethaus, das der Freund seit langem besass. Dort starb der Freund, nachdem er das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen hatte, denn auch in Valerios Armen. Auch heute, viele Jahre nach diesem traumatischen Erlebnis, erzählt Valerio noch immer davon und zieht manchmal ein Erinnerungsstück hervor. Das wertvollste ist natürlich das grosse Miethaus, das Valerio von seinem Freund geerbt hatte.

„Willst Du mein neuer Vater sein?“ fragte mich Valerio nach unserer ersten Begegnung in einem Sex-Kino. „Ich will es versuchen“, antwortete ich. Dieser Versuch war für Valerio vermutlich nicht sehr befriedigend, da wir uns höchstens einmal pro Woche für wenige Stunden trafen, und weil sich später Juanita wieder bei mir meldete, hielt dies nur etliche Jahr lang an. Valerio war dann allerdings nicht mehr auf intensive Hilfe angewiesen, denn er hatte seinen Schmerz überwunden. Zudem spricht er längst, obwohl er Italiener geblieben ist, fliessend unseren Dialekt und sass auf einer mittleren Kaderstelle bei einer Chemiefirma bei Basel. Die Ferien verbringt er meistens in seinem Elternhaus am Gardasee, das er mittlerweile auch geerbt hat, aber dort möchte er sich nicht als Homosexueller outen.

Nach meiner Rückkehr zu Juanita traf ich Valerio vorerst nur noch selten. Er nahm es nicht tragisch, da er in der Zwischenzeit einen neuen Vater in Weil am Rhein, wo auch Juanita wohnt, gefunden hatte: einen verheirateten Geschäftsmann, der heute 88 Jahre alt ist. Dieser stellte Valerio seiner Ehefrau vor, und die Drei treffen sich offiziell in Weil und in den Ferien am Gardasee. Mittlerweile ist diese Frau ebenfalls verstorben und Valerio pensioniert. Seither besucht er diesen Freund fast täglich, um für ihn zu sorgen. „Aber Sex haben wir nicht mehr“, klagt mir Valerio, wenn ich ihn von Zeit zu Zeit wieder einmal anrufe. „Deshalb bin ich so glücklich, dass Du wieder zu mir zurück gefunden hast.“ Somit kehrte ich hin und wieder zu ihm zurück.

Seither geniesse ich wieder sein Vertrauen und seinen eindrücklichen Penis. Dieser wird zwar nie steinhart, zeichnet sich aber durch eine reich geäderte sehr zarte Vorhaut aus. Es ist eine Freude, daran zu lutschen und dabei Valerios leises Winseln zu hören. Seinen wahrlich gut gefüllten Hodensack habe ich noch nie frei hängend gesehen, da Valerio in meiner Gegenwart meist mehr oder weniger erregt ist. Umso deutlicher zeichnen sich an seinem Sack die dicken Hoden und die Naht ab, die bei seinem Anus beginnt und sich bis zum Bändchen an seiner Eichel hoch zieht. Das Spiel mit seiner violett glänzenden liebt Valerio sehr, solange er seinen Orgasmus zurück halten kann. Denn – ich weiss nicht aus welchem Grund – will er immer erst mich in den Himmel der Wollust befördern, bevor ich ihn beglücken darf. Dann aber wünscht er sich, dass ich seine Eichelkrone mit den Zähnen reize, und kurz bevor er den Gipfel erreicht, dass ich mit den Fingern seine beiden Brustwarzen kneife. Dann verfällt er in eine Art Agonie wie ich zuvor, nur nicht so laut wie ich.

Nach unserer „Liebesstunde“ duschen wir uns jeweils gegenseitig, spülen den Mund und kleiden uns an, um noch eine Stunde oder länger Gespräche zu führen. Manchmal trinken wir dazu einen italienischen Wein, ausser wenn Valerio danach mit dem Auto (ein kleiner Strassenkreuzer) zu seinem Freund in Deutschland wegfahren muss, weil dieser oft ungeduldig anruft, wenn wir die Zeit überziehen. So hat Valerio nun zwei Väter, einen den er fast täglich liebevoll umsorgt, und einen, mit dem er von Zeit zu Zeit die sexuellen Bedürfnisse befriedigt.

Nachtrag:
Im September 2014 starb Valerio etwa mit 70 Jahren plötzlich. Ich war eine Zeit lang sehr traurig, umso mehr als ich mich von ihm nicht verabschieden konnte. Seither habe ich keinen neuen Freund mehr gesucht ausser virtuell im Internet.

von oldhansi

 

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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