Stricher wider Willen

Schwule Kurzgeschichten

Gedankenverloren schlendere ich der Hauptstrasse entlang, Richtung Innenstadt. Dann und wann fahren Personenwagen im Schleichtempo neben mir her. Wie einer Prostituierten pfeifen sie meiner aufreizenden Gestalt nach und machen mir unzüchtige Angebote, bevor sie wieder aufs Gas treten. In der Regel sind es alte, schmuddelige Kerle, welche von meinem androgynen Äusseren dazu animiert werden. Ich weiss: Nur zu gerne nähmen sie den feingliedrigen Jüngling zu sich ins Auto. Auf einem einsamen Rastplatz, hinten im Fond, würden die sich dann über meinen entkleideten Körper hermachen. Mir dieser Gefahr absolut bewusst, gucke ich mit scheinbarem Desinteresse in eine andere Richtung. Dabei glätte ich eine freche Falte, die ich auf meiner neuen College-Jacke entdecke. Oder ein übermütiges Staubkörnchen wird umgehend von den Stiefeln gewischt. Auf einen Spiegel bin ich nicht angewiesen. Ich weiss auch so, dass ich der schönste im Land bin. In ‚Downtown‘ angekommen, lehne ich mich mit angewinkeltem Knie an eine Hausmauer und lasse die geschäftige Menschenmasse teilnahmslos an mir vorüber eilen. Drei männliche Rentner, mich intensiv musternd, bleiben für einen Moment stehen. „Wartet der auf Kundschaft?“ Fragt dabei einer. Ein anderer: „Kannst ihn ja mitnehmen!“ Ein weiterer, sein künstliches Gebiss dabei herausnehmend, lispelt: „Jedenfallf präfentiert er fich alf der ideale Luftknabe!“ Heiteres Gelächter und Schulterklopfen. Aus der Ferne ihre Köpfe ein letztes Mal nach mir umdrehend, gehen sie dann die Treppe der nahe gelegenen Herrentoilette hinunter. Dort den soeben bestaunten, schönen Knaben, gedanklich als Wixvorlage benützend. Was ich anfangs noch nicht weiss: Diese Ansammlung dekadenter Konsumtempel im Stadtzentrum, ist auch ein beliebtes Jagdrevier älterer Homosexueller. Dass ich mich mit meinem metrosexuellen Habitus unfreiwillig zu deren Lustobjekt mache, ist mir zuerst gar nicht so richtig bewusst. Erst als sich die frivolen Angebote älterer Herren häufen und schmierige Typen, in der Anonymität der Menge, ihre harten Beulen an mir reiben, halte ich sie nicht mehr für blosse ‚Einzelfälle‘ oder ‚Missverständnisse‘.

Was für ein herrlicher Spätfrühlingstag heute. Mitten in der belebten Shoppingmeile lasse ich mich für eine kleine Rast auf der Bordsteinkante nieder. Mit gespreizten Beinen blicke ich verträumt in die Wasserlache dazwischen. Das geschäftige Treiben um mich herum, lässt mich dabei völlig gleichgültig. Kein Babyweinen, Teenagergekreische oder Hausfrauenschwatzen bringt mich aus der Ruhe. Verträumt sitze ich da und schaue den sanften, dunkelhaarigen Jüngling an, der mir ebenso gedankenverloren aus der Pfütze entgegenblickt. Sanft streichle ich mir dabei durch das schulterlange, gewellte Haar. Mein gehätscheltes Markenzeichen. Täglich wasche und striegle ich es mit Hingabe. Neider nennen mich deswegen spöttisch ‚Pony-Stute‘ oder ‚Ballerina‘. Phh! – Ignoranten! Tatsächlich bin ich mit meinen achtzehn Jahren, ein ziemlich ‚auffälliger‘ Typ: Eins achtzig gross und sehr schlank. Mein ovales Gesicht wird von zwei grossen, himmelblauen Augen und einer süssen Stupsnase geziert. Meine vollen, rosigen Lippen sehen aus wie von einem antiken Künstler modelliert. Zu einem blendenden Aussehen gehört natürlich auch ein sexy Outfit: Rot/weisse College-Jacke mit einem grossen ‚B‘ auf der linken Brustseite. – ‚B‘ wie ‚Bitch‘? – Rätselte ich bei ihrem Kauf. Dazu meine brandneue, hautenge ‚501‘-Markenjeans. Die bringt meine Kurven so richtig zur Geltung. Vorne wie hinten. Unterhosen trage ich aus Prinzip nicht. Dünken mich uncool. Socken hingegen müssen sein. Blütenweisse Tennissocken sind meine Favoriten. Auch wenn sie längstens ‚out‘ sind. Ein Hingucker sind natürlich meine spitzen, hochhackigen Cowboystiefel aus schwarzem Glanzleder. Mit Metallspitze, Lederriemchen und Kettchen. Mit ihren extra hohen, abgeschrägten Absätzen, machen die mich um glatte acht Zentimeter grösser. Die Beine der Röhrenjeans natürlich stets IN den Stiefeln. Sieht unheimlich sexy aus. So zeige ich mich der Öffentlichkeit und geniesse deren Aufmerksamkeit.

Während ich mit der einen Stiefelspitze gedankenverloren im Strassenkot herumscharre, bemerke ich zunächst nicht, wie mich ein übergewichtiger Rentner mit schütterem Haarkranz und Sonnenbrille dabei beobachtet. Schon eine ganze Weile auf der Sitzbank der gegenüberliegenden Strassenseite harrend, guckt er fasziniert zu, wie ich immer noch in die Pfütze starrend, mir mit meinem Kamm durch das üppige Jünglingshaar fahre. Dabei fasst er sich mit der linken Hand unter den hellen, schmuddeligen Trenchcoat. Plötzlich steht er auf, schlendert gemächlich zu mir hin und mustert mich von oben mit lüsternem Blick. „Möchtest du dir auf die Schnelle etwas Geld verdienen, du hübsches Mädchen?“ Mit geöffneten Lippen schaue ich blinzelnd nach oben. Da er genau im grellen Sonnenlicht steht, habe ich etwas Mühe ihn zu erkennen. Schamlos knöpft er vor mir den beigen Regenmantel auf und streckt meinem verwunderten Gesicht sein zuckendes Glied entgegen. „Fass ihn ruhig an.“ Fordert er mich im erregten Flüsterton auf. „Ich weiss doch, dass ihr schönen Jungs, harte, feuchte Schwänze mögt.“ Erst jetzt bemerke ich, dass er unter dem Trenchcoat völlig nackt ist. Ein fast unbehaarter, ballonartiger Bauch streckt sich mir entgegen. Verstört schaue ich in sein unrasiertes, feistes Gesicht. Irgendwie kapiere ich noch gar nicht richtig, was der von mir will. Allmählich nähert sich das lange, mit grünen Adern durchzogene Geschlechtsteil meinem Mund. Als die feuchte Eichel schliesslich meine Lippen berührt, will ich angewidert nach dem harten Teil greifen und es von meinem Gesicht wegstossen. Wie gelähmt sitze ich aber da und lasse es geschehen: Das glitschige, salzig schmeckende Ding, schiebt sich mir langsam in den Mund hinein. Dabei fährt er stöhnend zusammen. „Aaaaah!!! – Du bist so ein geiles Stück! — Komm, lutsch ihn mir!“ Wie bei einer aufblasbaren Sexpuppe beginnt er mit sanften Stössen, mein Maul zu ficken. Vor allen Leuten?! Nein, das geht zu weit! Empört speie ich den schleimigen Wurm wieder aus und wende mich pikiert von ihm ab. Rasch um sich blickend, ob es jemand gesehen hat, schliesst er wieder den Mantel. „Komm mit mir, mein bildschöner Knabe. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen, wo wir ungestört sind. Wenn du dort ein bisschen lieb zu mir bist, bekommst du zweihundert Mäuse. Bar auf die Hand.“ Ich weiss nicht, was mich dazu antreibt, mit dem alten Lustmolch mitzugehen: Meine jugendliche Naivität, oder die Aussicht auf zwei Hunderter. Vermutlich beides. „Einverstanden! Aber Vorkasse, bitte!“ Antworte ich ihm entschieden. Etwas zögerlich drückt er mir das Geld in die Hand. Zufrieden stosse ich den Liebeslohn in den Schaft meines linken Stiefels. Dort ist er sicher. Während ich aufstehe, wischt mir der Alte noch den Strassenstaub von meinem Hintern. Ich danke freundlich.

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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