Sommergewitter

Schwule Kurzgeschichten

Als ich meinen Blick vom Bildschirm zur Uhr hebe dauert es ein wenig bis ich realisiere wie spät es schon ist und ich erschrecke. „Shit!“ rufe ich laut und schnappe meine Tasche ohne den Spielstand abzuspeichern. Ich knalle die Wohnungstür hinter mir zu. Auf dem Weg in den Keller, immer zwei Stufen überspringend, denke ich daran welche Strafe ich wohl diesmal bekommen würde, wenn ich schon wieder zu spät zum Training komme. Schnell das Fahrrad abgeschlossen und das Schloss nicht wie üblich am Bike befestigt sondern einfach in die Tasche geschmissen, fahre ich wie angestochen um die Hausecke wo mir Frau Hanke entgegen kommt. Ich kann nur noch im letzten Moment ausweichen und streife mit dem Lenker ihren Wäschekorb den sie voll beladen unter dem linken Arm trägt.

„Felix…“ schreit Sie im schrillen Ton, „…wie oft haben wir Dir gesagt du sollst nicht so schnell über den Hof…“ den Rest verstehe ich nicht mehr. Hatte ich aber schon oft genug gehört und war eh immer dasselbe. „Tschuldigung!“ rufe ich, in der Hoffnung Sie würde es noch hören.

In den Sommerferien haben wir zweimal die Woche vormittags Training und einmal Abends. Was bei den Temperaturen auch Sinn macht. Trotzdem kann ich mich nicht dran gewöhnen, in den Ferien läuft die Zeit irgendwie anders. Wie ich so nach Ausreden für Herrn Erdmann suche, komme ich auf den Gedanken, dass wenn Mutti mir erlaubt hätte den Moped-Führerschein zu machen, ich jetzt gar nicht in dieser misslichen Lage wäre die knapp 10 Kilometer mit dem Fahrrad zurück legen zu müssen. Ich würde mit meiner Enduro über die Hügel der Feldwege sausen und pünktlich, entspannt und mit Stil am Fußballplatz ankommen.

Das Verbot meiner Mutter würde Herrn Erdmann nur wenig interessieren. Er selbst fährt eine 500er der neuesten Baureihe, trägt oft eine braune Lederjacke, hat ordentlich Mukkis und ist überhaupt ein sehr cooler Typ. Er hat immer so einen gewissen Gesichtsausdruck der einem Lächeln ähnelt, nur ganz selten sieht man ihm auch an wie streng er eigentlich ist. Er genießt den Respekt aller Jugend-Spieler, auch in der A. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemand mal wagte ihm zu widersprechen. Aber am meisten fasziniert mich sein dunkelbrauner Schnauzbart, so gepflegt und gleichmäßig. Manchmal stelle ich mir vor er sei aus ganz winzigen Lego- Steinen zusammengesetzt.

Auf dem Weg
Schon schweißnass fahre ich ohne einen Blick den altbekannten Weg versunken in meinen Gedanken und bemerke erst an der alten Scheune neben dem Wald, dass ich die Hälfte schon hinter mir hab. Cool, dann schaffe ich es ja vielleicht doch noch rechtzeitig. In dieser Scheune hatte ich schon mal onaniert fiel mir wieder ein. Dieser Nervenkitzel machte mich geil, viel geiler als zu hause. Hier vergewisserte ich mich zwar auch, dass niemand da war, aber diese fremde Umgebung und die Möglichkeit vielleicht doch gesehen zu werden ist irgendwie anziehend. Ich beschloss auf dem Heimweg hier kurz anzuhalten. Von dem langen, asphaltierten Zuweg zum Vereinsgelände sehe ich schon die Ersten auf den Platz laufen. Wird knapp! Fahrrad in den Ständer, rein in den Flur und mit kurzem „Hallo!“ an fünf Leuten vorbei. Marcel der sich schon seine Schuhe schnürt raunzt mich an wie sonst nur mein Vater.

„Mensch Felix, biste schon wieder zu spät!“
„Ja und?“ entgegne ich und springe blitzschnell aus meinen Sachen und hinein ins Trikot. Als ich für einen Moment nur in Unterhose neben Marcel stehe, bemerke ich wie sein Blick an meiner Beule kleben bleibt. Er sieht mir darauf in die Augen, wird ein wenig rot und grinst. Ich grinse zurück. Als er aufsteht treibt er mich mit den Worten „Komm beweg Dich Dicker!“ an wobei er mir sanft in die Schulter kneift. So dick bin ich gar nicht, denke ich und bin froh so einen guten Freund wie Marcel im Team zu haben.

Über Redneck77 1 Artikel
Offen und ehrlich, für manche etwas zu direkt. Mal verspielter Kindskopf, mal in ernste Gedanken versunken, aber immer zur Stelle wenn Hilfe gebraucht wird und diese auch verdient ist, denn eine Hand wäscht stets die andere und beide das Gesicht. Handwerklich, sportlich, allgemein gebildet, nicht eingebildet. Schichtarbeit gibt gutes Geld, läßt aber wenig Zeit für Zweisamkeit. Du interessierst mich, wenn Du mit dieser Art von Freiheit umgehen kannst. Partnerschaft bedeutet für mich eine innige und treue Männerfreundschaft mit dem Plus an Zärtlichkeit und co.

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