Sommer in Vertus

Schwule Kurzgeschichten

Es war im Sommer vergangenen Jahres, dass mein Vater mich auf das Weingut unserer Familie schickte, um zu beobachten und zu lernen, wie er sich ausdrückte. Er erinnerte mich immer wieder gerne an die Verpflichtungen, denen ich als Abkömmling eines alten französischen Adelshauses, das seine Linie angeblich bis zu einem Seitenzweig der Bourbonen zurückverfolgen konnte, nachzukommen hatte.

An einem brütend heißen Tag im Juli erreichte ich unser Chateau bei Vertus, einer Weinbaugemeine in der Champagne, wo auch unser Gut liegt. Nach der Fahrt durch eine malerische Landschaft mit sanften Hügeln, an denen sich die Weinstöcke hinauf schlängelten, nahm ich zunächst eine erfrischende Dusche in einem herrlichen Badezimmer, ausgekleidet mit grünem Marmor und goldenen Wasserhähnen.

Nach der willkommenen Abkühlung und einem leichten Imbiss, traf ich den alten Jean-Pierre, der, bereits seit ich ein kleiner Junge war, unser Gutsverwalter in Vertus ist. Er erklärte mir, dass unser Chardonnay in diesem Jahr besonders gut werden würde. Danach entschuldigte er sich und versicherte mich der vollen Unterstützung seines Neffen Luc, falls ich noch irgendetwas brauchte. Luc war gerade dabei den Zustand der Reben oben auf den Hügeln zu kontrollieren, wie Jean-Pierre mir verriet. Da ich ohnehin beabsichtigt hatte auch den Hügeln, auf denen ich als Kind oft herumgetollt war, einen Besuch abzustatten, beschloss ich es sofort zu tun.

Da der Tag zwar weit vorangeschritten, aber noch immer sehr warm war, streifte ich mir nur ein leichtes, lila Seidenhemd über und trug meine dünne weiße Leinenhose. Ich folgte dem ausgetretenen Pfad zwischen zwei Reihen üppiger Weinstöcke hindurch. Der kleine Weg führte in einer Schlangenlinie nach oben und schwang sich nach einer Weile elegant nach rechts hinter den Hügel.

Ich nahm gerade diese Kurve, genoss dabei den herrlichen Ausblick und hing meinen Gedanken nach, als ich fast in jemanden hineingelaufen wäre. Der junge Mann Anfang Zwanzig, der vor mir kniete und gerade damit beschäftigt war, die Beschaffenheit der Erde um einen der Weinstöcke zu befühlen, war von ausnehmend gutem Körperbau. Da er mit dem Rücken zu mir hockte, konnte ich sein Gesicht nicht sehen. Aber er hatte etwa halblanges kräftiges, schwarzes Haar, breite, von der Arbeit ohne Hemd unter freiem Himmel, gebräunte Schultern, die über einen glatten Rücken in schmale Hüften mündeten. Sein knackiger Po und seine muskulösen Oberschenkel zeichneten sich deutlich unter seiner engen Hose ab. So anregend ich den Anblick auch empfand, wollte ich doch nicht einfach dastehen und ihn anstarren, also fragte ich schlicht: „Luc, nicht wahr?“

Er hielt inne und wandte sich im aufstehen zu mir um. Er hatte offene, freundlich blickende blaue Augen, eine gerade Nase und volle weiche Lippen. Sein schönes Gesicht hätte beinahe mädchenhaft gewirkt, doch hohe Wangenknochen und ein kräftiges Kinn gaben ihm einen sinnlich, männlichen Rahmen. Sein Hals war schlank und lief in eine völlig glatte trainierte Brust aus. Ich ließ meinen Blick kurz über seinen flachen muskulösen Bauch gleiten. Das einzige Haar an seinem statuengleichen makellosen Oberkörper war ein dünner Streifen schwarzen Haares, das von seinem Nabel wie eine Strickleiter nach unten führte und schließlich in seiner engen Hose verschwand.

„Ich bin Luc. Erfreut dich kennenzulernen“, antwortete er. Wir gaben uns die Hände und er zeigte mir nach einem kurzen Wortaustausch worauf man bei den Reben achten musste. Schließlich führte er mich auf der anderen Seite des Hügels hinunter, direkt zu einem kleinen Gebäude in dem, wie er mir erzählte, noch einige Flaschen des vergangenen Jahrganges lagerten. Auf rustikale Art und Weise war das Häuschen bezaubernd mit seiner weiß verputzten Fassade und seiner mit Messing beschlagenen Tür. Luc zog einen Schlüssel aus seiner Tasche und ließ mir den Vortritt. Ein gewaltiges Weinregal nahm eine ganze Wandseite ein. In einer Ecke befand sich eine Art Nische mit einem Waschbecken und einem Regal mit Weingläsern und in der Mitte des Raumes standen ein kleiner Tisch und zwei Stühle. Nachdem Luc eine Flasche Chardonnay geöffnet und mir und sich selbst ein Glas eingeschenkt hatte, nahmen wir die Stühle und setzten uns vor die Tür um das Farbenspiel des allmählich orange werdenden Himmels zu bewundern.

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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