Schwulenparty à la carte

Schwule Kurzgeschichten

Pierrot und ich bilden ein aufgestelltes Schwulenpaar und haben uns in gut bezahlte Positionen hochgearbeitet, sodass wir ein geräumiges Haus erwerben und ganz für unsere Bedürfnisse einrichten konnten. Um möglichst wenig Zeit für Hausarbeit zu verschwenden, haben wir die Infrastruktur voll automatisiert und für die Pflege der Wohn- und Schlafräume, der Küche, Toiletten, Keller- und Estrichräume sowie für die Besorgung der Wäsche eine Putzfrau angestellt. Die Spezialräume dagegen bleiben ihr aus Diskretionsgründen verschlossen; wir halten sie selbst in Ordnung. Dies betrifft eine geräumige Nasszelle mit einem Sprudelbad, eine Folterkammer, eine Spielwiese und ein Herrenzimmer. Tagsüber geht jeder seiner Beschäftigung nach, und auch in den Ausgang begeben wir uns meistens getrennt. Wir sind also kein Liebespaar, das nach Außen eine Pseudoehe demonstriert. Umso intensiver pflegen wir abends und an Wochenenden unser gemeinsames Intimleben.

Nach der Arbeit entspannen wir uns erst eine Weile im Sprudelbad, wo wir uns gegenseitig kneten, massieren und schließlich trocken rubbeln. Jeden zweiten Tag rasieren wir nach dem Bad den Intimbereich des Partners und zwar so, wie es sich der Liebhaber und nicht der Träger des Pelzes wünscht. Ich schabe Pierrots Schamzone stets weitgehend kahl, weil mich beim zärtlichen Lecken seiner Hoden und seines Phallus struppige Haare stören würden. Nur auf dem Damm und dem Venusberg lasse ich einen schmalen Streifen seiner Locken stehen, da es mein Freund liebt, wenn ich beim Schmusen zwischendurch daran zupfe. Auch um seine Brustwarzen mähe ich ein kreisrundes Feld frei, womit sie sich mir noch einladender präsentieren. Dagegen lasse ich unter den Achseln alles stehen; denn ich stecke gerne meine Nase in diese beiden rötlich behaarten Nischen, um, ehe wir ins Bad steigen, den Duft seines Alltagsschweisses und – bei abklingender Wollust – das Parfum seiner orgastischen Transpiration genüsslich einzuatmen. Pierrot kürzt mein Schamhaar nur so weit, dass es sich nicht in meiner Vorhaut verfängt und epiliert die Haare an meinem Beutel bis auf wenige, damit er mit den Lippen an meinen verbliebenen “Tasthaaren” spielen kann.

Hierauf setzen wir uns meist nur im Bademantel für ein leichtes, aber würziges Essen und zwei Gläser eines perlenden Landweins an den Tisch und erzählen uns dabei die Siege und Niederlagen des Tages oder planen unser Wochenende oder gar die nächsten Ferientage. Ob wir gleich oder erst später der Lust frönen, hängt von allfälligen Abendpflichten und vom Fernsehprogramm ab. Wir sind uns aber so zugetan, dass wir uns meistens sofort für unser Liebesspiel vorbereiten, das heißt Zähne, Mund und Intimbereich spülen. Je nach Lust und Laune begeben wir uns dann in eines der Schlafzimmer, ins Herrenzimmer, auf die mit Spiegeln reichlich ausgestattete Spielwiese, seltener in die Folterkammer oder gar, um einen feuchten Abend zu erleben, zurück ins Sprudelbad der Nasszelle.

Wir legen uns meist eine der Stimmung entsprechende Musik auf und schalten eine entsprechende Beleuchtung ein. Dann aber folgen wir ganz den spontanen Einfällen und Gefühlen. Meistens nehmen wir schon das Entkleiden zum Anlass, den Körper des geliebten Partners zu bewundern, zu streicheln, zu küssen und zu reizen. Fast jedes Mal verweilen wir stundenlang spielend, knutschend und schmatzend im Garten Eros’, ehe wir gemeinsam oder nacheinander in den Himmel der Wollust aufsteigen. Denn auch nach Jahren hat sich bei uns noch keine Routine eingestellt; wir essen noch immer von den “verbotenen Früchten des Baumes der Erkenntnis” à la carte und kennen dabei fast keine Tabus. An den Wochenenden empfangen wir gerne zwei drei Gäste und alle paar Monate organisieren wir für alle unsere Freunde eine ausschweifende Orgie.

In der Folterkammer findet sich die übliche Kollektion von Geräten für Sado-Maso-Spiele wie Andreaskreuz, Gynäkologen Stuhl, Strafbock, Streckbett und Aufzugskran. Wir besuchen sie zu zweit meistens nur kurz, um neue Einfälle und Wünsche auszuprobieren. Das Herrenzimmer, in dem viele erotisch anregende Bilder – gemalte und fotografierte – hängen, ist mit verschiedenen Leder bezogenen Couches, Sofas und Sesseln ausgestattet, die es erlauben, seinem Partner in fast jeder erdenklichen Stellung bequem zu begegnen. Außerdem haben wir dort zwei Videokameras mit Recorder und einen Fernseher installiert, was erlaubt, die Liebesszenen aufzunehmen und nachher zu bewundern. Wenn wir nur zu zweit sind, wählen wir diesen Raum selten, weil ihm die Intimität fehlt.

Attraktiver ist die Spielwiese, die auf der einen Seite mit Wasserbettmatratzen belegt ist und dank den Spiegeln auch das in jedem Mann angelegte Voyeur Bedürfnis zu befriedigen vermag. Dieser große Raum eignet sich vor allem für Homosexspiele in Gruppen. Mit Pierrot suche ich am liebsten mein eigenes zwei Meter breites Bett auf, wo manchmal Traum und Wirklichkeit ineinander übergehen. „Pierrot, heute möchte ich Romantik pur erleben”, sagte ich neulich. Wir suchten Hand in Hand mein Zimmer auf, wo ich zwei Duftkerzen anzündete, eine CD mit lauter Adagio Sätzen auflegte. Wir entkleideten uns unter vielen Streicheleien vollständig. Dann bettete ich Pierrot mit verbundenen Augen in die Kissen. Erst folgte ich nur mit einem Hauch von Berührung den Konturen seines Gesichts, zeichnete mit den Fingerspitzen seine Ohrmuscheln und mit der Zungenspitze seine Lippen nach, bis sich sein Mund einladend öffnete. Unsere Lippen legten sich aufeinander, die Zungen umkreisten sich beglückt und unser reichlich fließender Speichel floss von Mund zu Mund, als ob es Champagner wäre. Nun glitt meine offene Hand über seinen Hals zu seiner Brust, wo ich ohne seine Haut zu berühren nur über die aufgestellten Haare fuhr. Dann überraschte ich Pierrot mit einem raschen Griff nach seinen Brustwarzen und zwirbelte sie kräftig. Sein Penis erhielt die Meldung prompt und begann, sich sichtbar zu regen. Nun war es wohl Zeit, dass auch Pierrot zuschauen und aktiv mitwirken konnte.

Über marvin 1338 Artikel
Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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