Im Bunker

Schwule Kurzgeschichten

Es war Nacht geworden und die beiden Soldaten Martin Renner und Andi Heinze kniffen die Augen zusammen um etwas in der ferne zu erkennen. Granateneinschläge waren weit im Hintergrund zu hören und durch helle Lichtblitze zu sehen. Dennoch schien der Vormarsch der Russen scheinbar gestoppt, denn es waren nur noch vereinzelt Gewehrschüsse zu hören. Es regnete heftig und trotz das die beiden jungen Soldaten unter dem mit einer Plane überzogenen Beobachtungspunkt des kleinen Bunkers standen, waren sie inzwischen Klitschnass, da ein steife Briese ihnen die großen, kalten Tropfen immer wieder entgegen sprühte.

„Und? Was neues?“ fragte Martin seinen Kameraden mit dem er die letzten 3 Wochen hier in diesem Bunker die Nachhut der 6 Infanterie bildete. Sie hatten vom Oberst Stahlmann den eindringlichen Befehl bekommen unter keinen Umständen den provisorischen Bunker zu verlassen. Sie sollten aufpassen das die feindlichen Russen nicht plötzlich hinter den feindlichen Linien auftauchten und der Infanterie in den Rücken zu fallen. Das hatte bisher zwar den Vorteil das sie bisher in keine Kampfhandlungen verwickelt waren, aber auch das sie nichts weiter taten als rum zu sitzen.

„Nichts“, antwortete Andi der seit mehreren Stunden versuchte Funkkontakt zu ihrer Einheit aufzunehmen.
Der Einmarsch in Russland war bisher gar nicht so verlaufen wie Hitler es sich gewünscht hatte. Alleine ihre Einheit hatte unzählige Männer verloren und nun schien auch der letzte Gefechtsgraben gefallen zu sein. Beide hatten den ganzen Tag die Einschläge verfolgen können, die über den Schützengräben der Kameraden eingingen. Beide waren schon eine Weile bei der Armee dabei um zu wissen das dabei keiner eine Chance hatte.
„Und nun? Was machen wir jetzt?“ Martin wischte sich den Regen aus den Augen. Seine Stimme zitterte. Wenn die Russen heute Nacht eine Pause machen würde, würde sie trotz allem spätestens in 9-10 Stunden ihren Standpunkt erreicht haben.

„Hauen wir ab?“
Andi guckte seinen Kameraden, der inzwischen auch ein sehr guter Freund geworden war, aus traurigen Augen an. Er zuckte mit den Schultern. „Wir haben den Befehl die Stellung so lange wie möglich zu halten und notfalls weiter Bericht zu erstatten. Das werden wir tun.“
Martin blickte auf den matschigen Boden. „Natürlich. Befehl ist Befehl.“
Am Horizont blitzte und knallte es nur noch selten. Die Russen hatten die Stellung der Deutschen eingenommen, da waren sich beide sicher.

„Wie werden hier sterben, nicht wahr?“ Martin schaute wieder sein Gegenüber an.
Andi nickte nur. Er schien das alles, wie immer, wesentlich gefasster aufzunehmen. „Ich werde jetzt an die Zentrale Bericht erstatten und dann sehen wir weiter. Heute Nacht werden wir sicherlich Ruhe haben. Was sollten wir auch sonst tun? Fliehen? Die verdammten Russen würden uns erwischen bevor wir auch nur eine Einheit von uns treffen würde.“ Damit schien alles gesagt und Andi Heinze stampfte durch den Schlamm den schmalen Gang zum Bunker herab, der nicht mehr war als ein stabilisiertes Erdloch. Ausgestattet mit 2 Matratzen, einen Funkgerät, einen Waschplatz und etwas Nahrung, welche normalerweise in 3 Tagen wieder hätte aufgefüllt werden sollte. Um ihre Geschäfte zu erledigen gingen sie in den Wald hinter dem kleinen Bunker. So waren sie einigermaßen vor Ungeziefer und Ratten sicher.
Einen Augenblick später folgte Martin seinen Kameraden und hörte nur noch wie Andi in den Kopfhörer mit Mikrofon sagte: “Ja, Major. Verstanden. Ja, wir haben genug Munition. Wir werden tun was wir können. Danke. Heil Hitler.“ Er legte den Kopfhörer auf den kleinen Tisch auf dem das Funkgerät stand ab und wandte sich an Martin.
„Wir sollen die Stellung halten. Auch sie haben den Kontakt verloren und wir sollen morgen Vorstoßen und schauen was passiert ist.“

„Na klar.“ Martin stellte das Gewehr gegen die Erdige Wand und begann seine nasse Uniform abzulegen. Dabei ging er zum Waschtrog hinüber und spülte sich den Staub des Tages ab.
„Ich werde die erste Wache halten.“ Damit schnappte sich Andi seine Waffe und ging wieder nach oben. Martin hörte das Schmatzen der Stiefel und das prasseln des Regens. Nur noch selten wurde die Erde erschüttert. Da selbst seine Unterhosen durchnässt waren legte er sich Nackt unter die Decke und war kurze Zeit später schon eingeschlafen.

Er wachte auf als er eine Bewegung neben sich spürte. Andi legte sich gerade neben ihn auf die Matratze. Sein Gewehr lag wie immer Griffbereit neben der Doppelmatratze die sie beide in den letzten Wochen zum unruhigen Schlaf genutzt hatten.
Martin wollte sich gerade Hochdrücken, als Andi ihm eine Hand auf die Brust legte.
„Bleib liegen. Es ist alles ruhig draußen. Bei dem starken Regen werden die Russen sich hüten vorzurücken. Wir sollten beide soviel Schlaf wie möglich bekommen. Vielleicht haben wir dann eine Chance.“
Martin sah aber im faden Schein der dicken Kerze, die neben dem Funkgerät stand, das auch Andi bereits aufgegeben hatte. Keiner sagte es, aber beide wussten dass sie den morgigen Tag vermutlich nicht überleben würden.
So blieben sie beide nebeneinander liegen und lauschten den Regen der nach und nach den modrigen Gang hinuntertröpfelte.

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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