Engadin

Schwule Kurzgeschichten

CH = Figgen = Ficken, Wixen = wichsen etc etc..

Es war wieder soweit. Carlo war wieder am Ende, körperlich müde, geistig ausgebrannt und im Kreativbereich war gar nichts mehr los. Carlo, knapp 50 Jahre alt, immer noch attraktiv, kein graues Haar in seinem vollen, dunkelbraunen Haar. Ein leichter Bauchansatz wies darauf hin, dass er nicht unbedingt dem Sport verfallen war. Allerdings fuhr er oft mit dem Bike durch die Gegend um Luzern, wo er in einer teuren, grossen Attikawohnung, am Ufer des Vierwaldstättersee’s wohnte. Auch wanderte er leidenschaftlich gerne, doch sein Beruf – Visual Marchendiser – liess ihn dieses Hobby nicht viel ausführen. Sein Zeitmanagement war eh nicht das Beste, er war eher ein chaotischer Typ, sein Leben war nicht unbedingt gut organisiert.
Carlo war eine Frohnatur. Jerdermann/frau liebte seinen unkomplizierten und offenen Charakter. Er hatte immer für alle ein freundliches Wort, ein kleiner Scherz oder ein Bonmot übrig. Er hängte sich in seinem Beruf total rein, viel Herzblut für seinen Job und die Firma für die er arbeitete. Natürlich hinterliess das auch seine Spuren.

Nun war er wirklich soweit, als dass er nicht mehr weiter machen konnte, er war mit seinen Kräften am Ende. Schon einige Monate spürte er eine Unruhe in sich, eine Unzufriedenheit, die er sich nicht erklären konnte. Er hatte Mühe am Morgen aufzustehen, er musste sich überwinden mit Freude und Leichtigkeit zur Arbeit zu fahren. Die Tage wurden lang, die Sitzungen unerträglich, seine Arbeitskollegen und Kolleginnen gingen ihm grundlos auf den Wecker, er konnte plötzlich mit Kritik nicht mehr umgehen, er war gereizt und unausstehlich. An einem schönen Morgen, er war wieder einmal sehr missmutig zur Arbeit erschienen, platzte einer Kollegin definitiv der Kragen und sie legte los. Sie warf ihm Unfähigkeit vor, sie sagte ihm, wie unausstehlich er geworden sei, wie er unsensibel auf Kritik reagiere und sie und ihre Kollegen wüssten endlich gerne, was mit ihm los sei, denn er hätte sich negativ verändert, eben, ein unausstehlicher Giftzwerg. Carlo wollte darauf explodieren, aber ohne sein aktives Zutun sank er in sich Zusammen und begann zu weinen oder präziser, er bekam einen richtigen Weinkrampf. Seine Bürokollegen reagierten betroffen und hilflos.

Da sass ihr grosser Carlo, ein Häufchen Elend und heulte wie ein Schlosshund. Einzig Sabina reagierte, sie rief sofort Frau Heimberg vom Firmeneigenen Sozialdienst an und schilderte kurz und präzis den Sachverhalt. Keine fünf Minuten später kniete die Sozialarbeiterin neben Carlo und versuchte ihn zu beruhigen. Zwanzig Minuten später war der Arzt vor Ort. Er gab Carlo ein beruhigendes Medikament und sie legten ihn auf den Boden. Noch etwas später fuhr das Krankenauto vor und Carlo wurde in die Psychiatrische Klinik von Luzern gefahren. Die Diagnose war happig; Nervenzusammenbruch, die Folge eines tiefen Burn out’s, der modernsten Krankheit der Gegenwart.

Einige Monate sollte Carlo weg vom Fenster sein. Drei Wochen Klinikaufenthalt und anschliessend mindestens drei Monate keine Arbeit. Er begab sich in eine Therapie, wo ihm gezeigt wurde, wie er seinen Körper und auch seinen Geist wieder auf Vordermann bringen konnte, mit Stress – gesundem Stress – umgehen lernte, wo er wieder zu seinem alten, fröhlichen Wesen zurückfinden sollte.

Als Krönung seiner Genesung wollte er für zwei Wochen ins Engadin, um sich noch den letzten Schliff seiner körperlichen und geistigen Stärkung zu geben. Er buchte eine kleine Wohnung in Cinuos-chel in einem ehemaligen alten Engadiner Hotel, dem „Palü“. Ruhig gelegen, mit Blick auf Wiesen und Matten, mit einem schönen Sitzplatz und dem herrlichen Panorama der umliegenden Berge.

Carlo fuhr am späten Nachmittag über den Julier und traf in Cinuos-chel ein, da dunkelte es schon ein und die ersten Sterne leuchteten am wolkenlosen Himmel. Er musste lange klingeln, bis der Sohn der Hausbesitzer seine Anwesenheit wahrnahm. Ein junger Mann, vielleicht um die sechsundzwanzig Jahre hiess Carlo willkommen und zeigte ihm die Wohnung. Blitzblank, die Küche in frischem Holz neu gemacht, das Wohn/Schlafzimmer in altem, schönem Arvenholz getäfelt. Ein grosses Doppelbett, ein alter, mit schönen Schnitzereien verzierter Kasten, eine kleine Sitzgruppe, ein TV Gerät und ein kleines altes Sideboard war die Einrichtung. In sich abgeschlossen waren in der rechten Ecke die Dusche und das WC eingebaut. Die Wohnung, sehr sympathisch und heimelig. Carlo war zufrieden. Der junge Mann, er stellte sich als Damian vor, freute sich sichtlich, dass es diesem Gast zu gefallen schien.
Er musterte Carlo heimlich von Kopf bis Fuss. Ein attraktiver Mann, gepflegt, stellte er fest, dunkle, offene Augen, dunkles, fülliges Haar und immer noch gut gebaut. Damian schätzte ihn zwischen vierzig und fünfundvierzig Jahre alt. Was mochte ein Mann, alleine in diesem wenig interessanten Dorf tun wollen, vierzehn Tage lang, fragte er sich? So als hätte Carlo seine Gedanken lesen können, antwortete er ihm, dass er rekonvaleszent sei und sich die Batterien, hier in diesem schönen Tal aufladen möchte, bevor er wieder in das Berufsleben zurückkehren dürfe. Er möchte die Zeit mit Lesen, biken und wandern verbringen, die herrliche Bergluft geniessen und hoffentlich auch den schönen, berühmten Engadiner Herbst. Damian versicherte ihm, dass die Prognosen gut wären und so wünschte er ihm eine gute Nacht und mit einem nochmaligen Willkommensgruss verabschiedete er sich von Carlo.
Carlo schlief gut, sehr gut sogar und sehr lange. Die Nacht war ruhig und da er die ganze Zeit über das Fenster offen liess, war es nun prickelnd frisch im Zimmer. Er schaute aus dem Fenster. Es war Herbst, was für ein Herbst. Die Lerchen und Laubbäume machten sich gegenseitig Konkurrenz im Leuchten der Farben. Der Himmel stahlblau und ein angenehm frischer Wind strich durch das Tal. Carlo war überzeugt, dass es schöne, gute zwei Wochen geben würde im Engadin.

Über marvin 1336 Artikel
Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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