Ein Überfall mit Folgen

Schwule Kurzgeschichten

Andreas verabschiedete sich von seiner Mutter.
„Tschüss, Mutti, ich geh´ jetzt!“ Der junge Mann steht bereits an der Wohnungstür und wollte diese eilig verlassen. Seine Mutter kam jedoch noch schneller aus der Küche in den Flur gelaufen, mit einem Geschirrtuch in der Hand.
„Aber Junge, wo gehst Du denn jetzt noch hin?“ fragte die Mutter mit besorgter Stimme, während sie kurz auf ihre Armbanduhr schaute.
„Och Mutti, es ist ja nicht einmal neun Uhr. Ich treffe mich noch mit Kumpels am See“, gibt Andreas etwas genervt zurück. Gemeint war der naheliegende Baggersee, zehn Autominuten von der Wohnung entfernt.
„Aber Andi, denke daran, Du musst morgen arbeiten, es ist noch kein Wochenende.“ Der junge Mann rollte mit den Augen. Seine Mutter konnte dies jedoch nicht sehen, weil er ihr bereits zum Hinausgehen den Rücken gekehrt hatte.
„Jaja, ich bleib nicht so lange. Spätestens um zwölf bin ich wieder da, Mutti“, gab der Junge abschließend zur Antwort.

Und bevor seine Mutter darauf noch etwas entgegnen konnte, schlüpfte der junge Mann eiligst durch die Türe und zog diese von außen hinter sich zu. Andi atmete erleichtert auf. Er liebte ja seine Mutter wirklich sehr, aber manchmal ging ihm die übertriebene Fürsorge gehörig auf die Nerven.

Bei Andreas handelte es sich um einen hübschen jungen Mann von gerade einmal 21 Jahren. Mit seinen knapp 1,73 m war er zwar nicht der Größte unter den Männern allgemein, und muskulös war er auch nicht gerade. Und doch hatte er mit seinen noch so jungen Jahren eine ganz besondere Ausstrahlung, irgendwie ruhig, freundlich, zurückhaltend, sehr angenehm eben. Seine schlanke Statur und seine leuchtend wasserblauen Augen mit aufrichtigem Blick, und sein glattes sympathisches Gesicht ließen sämtlichen Mädchenherzen bei der Ausbildungsstelle bzw. Berufsschule, aber eigentlich überall, wo er auftauchte, höherschlagen. Andreas glich mit seiner modischen blonden Frisur, einem männlichen Modell und hätte bei den gleichaltrigen Mädchen alle erdenklichen Chancen. Doch diesbezüglich hielt sich Andreas sehr bedeckt. Denn er trug ein Geheimnis mit sich herum – ein großes intimes Geheimnis sogar, welches er bisher nicht einmal seiner Mutter anzuvertrauen gewagt hatte, obwohl er ein sehr enges vertrauensvolles Verhältnis zu ihr pflegte.

Andreas, dieser hübsche junge Mann ist schwul! Und keiner in seinem Umfeld wusste darüber bescheid, weder seine Mutter noch all seine Kumpels und enge Freunde in seinem Umfeld. Dazu kam noch, dass Andreas einen besondere Neigung, einen Fetisch hatte. Er liebte den Stoff Satin in allen Variationen und Glanznylonstoffe sehr. Dies wiederum machte sich automatisch auch in seiner täglichen Kleiderwahl bemerkbar. Dies stieß in seinem Umfeld, bei der Arbeit, bei Freunden und der Familie schon auf Verwunderung. Dennoch wurde es von allen akzeptiert, weil sie es nicht anders von dem Jungen kannten. Denn schon jahrelang trug Andreas neben diversen College-Jacken aus glänzendem Nylon auch Herrenhemden aus weichen und glänzendem Satin in allen Formen und Farben. Gleichzeitig hatte er sein gesamtes Unterwäschesortiment auf Satinboxershorts umgestellt. Nachts zum Schlafen trug er immer Satinglanzpyjamas.

Inzwischen auf der Straße angekommen, stieg Andreas in seinen alten klapprigen dunkelblauen schon stark verbeulten Ford Fiesta. Den hatte er einst von seinem verstorbenen Vater übernommen. Sogleich schaltete Andi das Autoradio ein und summte die moderne Popmusik nach, die aus den Lautsprechern schallte. Nach gut zehn Minuten Fahrt kam Andreas am besagten Baggersee an. Am Parkplatz, der trotz dem sonnigen warmen Juniabend, außer drei noch parkenden Autos, fast menschenleer war, stellte er seinen Wagen ab. Es waren nur noch rund zwanzig Meter bis zum See.

An dieser Stelle des Sees befand sich ein ca. hundert Meter langer und fünfzehn Meter breiter künstlich geschaffener Sandstrand, der wiederum in eine zwanzig Meter breite gemähte Wiese überging. Der Strand war menschenleer und auch auf der besagten Wiese befand sich niemand mehr, kein Badegast vom Tage war mehr zu sehen. Auch die Kumpels, mit denen sich Andi verabredet hatte, waren noch nicht zu sehen. Das wiederum überraschte Andreas nicht, denn diese Unpünktlichkeit kannte er schon lange bei seinen Freunden, das war für ihn nichts Neues mehr. Deshalb entschied er sich erst einmal auf die Wiese zu setzen und zu warten. Da die Sonne im Juni um diese Uhrzeit noch relativ stark schien und verhältnismäßig hoch am Himmel stand, wurde es Andi ins einer College-Jacke warm und entschloss sich kurzerhand diese auszuziehen und neben sich auf die wiese zu legen. Das nun zum Vorschein kommende hellblaue Satinhemd, das vorzüglich zu seiner ebenso hellblauen Jeanshose und den schneeweißen Turnschuhen passte, glänzte herrlich in der kraftvollen Abendsonne. Andi schaute sehr angetan an seinem Oberkörper hinunter und strich sachte über seine satinbedeckten Arme. Dabei fiel sein Blick auf die Armbanduhr und runzelte die Stirn. Inzwischen war es schon halb zehn und weit und breit nichts von seinen Kumpels zu sehen. Wo bleiben sie nur, dachte sich Andi und schaute sich suchend in der Umgebung um.

Über marvin 1338 Artikel
Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen