Diego.

Schwule Kurzgeschichten

Ich war zu einem Kongress nach New York eingeladen, das erste Mal New York, Juni 1970. Eine internationale Gesellschaft stipendierte junge Wissenschaftler. Überwältigend natürlich die Skyline von Manhattan. Eine erste Ernüchterung, als für das Kongresshotel keine Einzelzimmer reserviert waren, sondern manche von uns ein Zimmer mit einem anderen europäischen Kollegen teilen musste. Mein Partner wurde ein portugiesischer Wissenschaftler, etwa gleich – alt, Diego Oliviera: ein sympathischer Mann, ganz schwarzhaarig, blasser Teint, Brille, schmaler schwarzer Kinnbart, salopp gekleidet. Wir machten uns an der Rezeption bekannt, verstanden auch glücklicherweise jeder etwas von dem Arbeitsgebiet des anderen.

Im relativ geräumigen Zimmer zwei Betten. Beide müde vom Transatlantikflug. Verstauen des Gepäcks, das für eine Kongresswoche zusammengestellt war, im Zimmer. Ich liess ihm den Vortritt ins Bad. Zurück kam er in Shorts. So ging er schnurstracks ins Bett, löschte seine Nachtisch – Lampe. Ich hatte inzwischen meinen Anzug verstaut, die gebrauchte Wäsche in einen Beutel gestopft, eine frische leichte Sommerhose herausgehängt und suchte das Bad nun meinerseits auf. Am nächsten Morgen sollte es um 9 Uhr beginnen. Ich wusch mich, duschte, putzte die Zähne und stellte dabei ärgerlich fest, dass ich meinen Elektrorasierer einzupacken vergessen hatte. Meinen Zimmernachbarn wollte ich nicht um seinen bitten, vielleicht rasierte er sich ja auch nass.

In Manhattan kann man rund um die Uhr einkaufen. Ich entschloss mich, zu versuchen, einen Elektrorasierer zu kaufen, umso mehr, als ich auch keinen amerikanischen Stecker gehabt hätte und meinen, wäre er dabei gewesen, ohnehin nicht hätte brauchen können. (Im Jahr 1970 war das noch so – europäisches System, insbesondere deutsches 220 Volt, amerikanisches: 110 Volt). Ich wollte den Einkauf so schnell als möglich hinter mich bringen. Also verzichtete ich darauf, mich nochmals wieder komplett anzuziehen. Mein Nachbar sollte auch nicht gestört werden. Ich schlüpfte in die vorbereitete Hose und in die Schuhe, sonst keine Unterwäsche, gerade nur Socken, ein weisses, relativ langes T-Shirt und die Schuhe. Nur kurz auf die Strasse: Park – Avenue zwischen 40. und 50.Strasse.
Ich fand einen Store, wurde fündig und konnte mit einem Remington-Trockenrasierer zurückkommen.

In unserem gemeinsamen Zimmer sass mein Nachbar auf der Bettkante, offenbar konnte er nicht schlafen. Hatte etwas aus der Minibar. Lud mich auf einen Drink.
Mit einer Geste forderte er mich auf, mich neben ihn zu setzen, goss mir ein, ungeeignete Gläser, aber ein guter Bourbon. Wir tranken und sprachen über unsere Arbeit. Er roch gut. Die ungewohnte Situation, übernächtig, New York zum ersten Mal, ein überraschend bei mir einquartierte Kollege: Ich hatte eine Erektion. Die dünne Hose verbarg sie nicht. Er bemerkte es, sah hin. Er selbst trug nur seine Shorts. Ich war verlegen.

Diego: „Don’t you wear anything beneath, never?“
Octavio: „O, very sorry. I was in a rush. Just bought a Remington, downstairs.
Forget my own thing and did not have the correct appliance. Do you have one?“
Diego: “ I am shaving with a knife, wet, you know. – Have you already done it with a man?“
Octavio:“ I do not understand?“
Diego: „I am asking you, if you ever had sexual experience with a man. Are you married, by the way?“
Octavio:“ Yes, I am married. But – to your inquiry: Yes, I already had, long time ago.
Diego: „Nice?“
Octavio: „Not bad“.
Diego:“Want to do it again?“
Octavio: „You are not serious?“
Diego:“ Yes, I am. Seeing your hard-on, I am turned on just by realizing your cock stiffening. See: My dick is reacting, too.“
Octavio: „Mhm.“
Diego:“ Yes or no?“
Octavio: „I don’t know. – – But, why not?“
Diego: „Then: Undress!“
Octavio:“ Your are sure we two should do it, here, to night?“
Diego: „Yes, silly, at least you blow me. I am hot as hell. I want your skin, your body, your dick. And I want my old spunk off. I will blow you too, if you like it. Any problems? Hurry!“

Ich fühlte mich angesprochen, erregt und er roch gut, ausserdem wirkte inzwischen der ungewohnte Bourbon pur, von dem wir noch zwei weitere kleine Fläschchen geköpft hatten. Das war ja was! Der war vielleicht direkt! Erfrischend direkt! Mein Schwanz war noch härter geworden als er mich zur Eile mahnte. Mein Körper schien es längst zu mögen, ein Abenteuer, so unerwartet wie kaum je, und ich mit dem Portugiesen allein im Zimmer – würde ich mich jetzt noch zieren, wäre das Nebeneinander mit ihm eine Qual. Ich müsste mir sehr bald vorkommen wie ein prüder provinzieller Esel. Weshalb sollte ich also nicht einwilligen? Er fragte nicht lange und es trieb mich ohnehin zu diesem fremden Körper hin. Wäre es nicht Diego, sondern ein hübsches, bereitwilliges Mädchen gewesen, mein Drang hätte damals nicht heftiger sein können. Und Diego war bereitwillig; mehr als das, er schien sogar dominant zu sein. Also zog ich mir Schuhe, Socken und Hose aus, behielt aber das T-Shirt an. Es reichte mir gerade soweit, dass es aussah, als hätte ich einen Minirock an (damals war Twiggy gerade en vogue). Dazu hatte ich mich umgedreht und die Hose auf mein Bett gelegt.

Er war nackt, als ich mich ihm wieder zuwandte. Ein schöner, nicht zu kräftiger, sondern eher schlanker, spitzer, unbeschnittener, aber ziemlich abstehender, steifer Schwanz, den er mir auffordernd entgegenhielt. Sein Bauch war flach, sein Busch pechschwarz und dicht. Er hatte eine ganz zarte, weiche, fast alabasterne Haut und ausser unten wenig Haare. Ich war deutlich brauner als er und hatte zwar unten wenig, dafür aber sonst überall flaumige Haare. Wir waren ein interessanter Kontrast, zumal unsere Körper sonst ähnlich waren, eher grazil und südeuropäisch klein. Wir würden uns also berühren, wichsen, blasen, vielleicht mehr?
Er sah mich an, forderte mich auf und heraus, drängte mich allein mit seinem lasziven, konzentrierten Blick.

Diego:“Take it. Lick it, blow me!“
Ich berührte ihn dort, küsste die Spitze, rieb ihn, machte ihn schnell hart, nahm ihn in den Mund, erst ein wenig, dann tiefer, schliesslich ganz; Ich war jetzt entschlossen, es selbst aufs Äusserste zu geniessen und ebenso ihm den Genuss zu verschaffen. Kein Kondom weit und breit. Wir dachten nicht einmal daran (1970!). Das T-Shirt zog ich aus. Kniete mich vor ihn hin auf den Boden. Ich blies ihn mit Ausdauer und Konzentration. Zwischendurch machten wir uns unsere Position bequemer und hockten eng nebeneinander auf sein Bett. Ich wollte, dass auch er mich berührte, ungeniert wichste, ihn mir herunterholte, egal, ob erniedrigend oder nicht: Ich wollte ihn fühlen und gleichzeitig auch seiner Lust unterworfen sein.

Wir umarmten uns, verwanden uns, wälzten uns. Und richtig: Es war wunderbar. Ich schluckte sogar seinen Saft, nicht alles, doch es war eine gehörige Ladung „Diego“. Meiner ging später in weiten Spurts auf sein weisses Bettzeug. Selige Erschöpfung war es, was ich empfand. Ganz hinten in meinem Bewusstsein, etwas wie schlechtes Gewissen. Aber betrog ich meine Frau wirklich? Kann man eine Frau mit einem Mann betrügen? Ich redete mir nur zu gern ein: Nein!
Viel mehr geschah nicht in dieser ersten Nacht. Aber wir verbrachten eine volle Woche in New York, hörten unsere gegenseitig Vorträge, obschon in verschiedenen Sitzungen zu verschiedenen Topics und blieben zusammen, auch als man uns anbot, dass nun jeder sein eigenes Zimmer bekommen könne, weil der Engpass überwunden wäre. Wir wollten uns in dem aufregenden New York entspannen. Und das gelang uns perfekt.

von Octavio M.

 

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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