Diaphragma – Teil 5

Schwule Kurzgeschichten

Marian hatte seine Erdbeermilch fast ausgetrunken und ich fast etwas von meiner Buttermilch auf mich verkleckert, als ich aus dem Minuten- oder waren es nur Sekunden?-schlaf im Auto auf dem Parkdeck im Schatten erwachte. „Huch“, sagte ich, „war ich etwa laut?“, fragte ich wohl etwas zu hoffnungsvoll. „Nö“, sagte Marian nur und ich hatte den Eindruck, dass er lügen würde. „Lass uns mal los, sonst kommen wir zu spät“ fuhr er fort und los, ich wagte einen letzten Anlauf: „Mach mal langsamer, sonst klecker ich noch…“. Keine Reaktion. Vor allem nicht die erwartete oder erwünschte. „Mann, Mann, Mann,“ dachte ich, „wie soll ich ihm nur von Joshua und mir, aber das muss er ja gar nicht wissen, aber er muss wissen, oder nochmehr wissen sollen, wissen wollen sollen, wie er – hä? Philo…, Philan…, an Man, „Mar … Marian“, setzte ich an. Wollte doch nur erklären; und es gab nix zu Wischen oder zu verteilenmehr, wollte Erklären, dass mein Herz? „Wir sind da, weiß mich mal ein“, beendete Marian und er bugsierte umständlich den kleinen Kombi in die Parklücke direkt am Schwimmbad, auf die ich wies.
Dienstag und Joshua war krank bis zum Ende der Woche. Scheiß-Dienstage: War das probeweise eingeführte Kurssystem auch mehr als gnädig im Sport, Englisch-Diff. war nach wie vor eine Qual; und keine Aussicht auf einen Walk and Talk mit Josh. Und die Hauptquälgeister waren auch noch die ehemaligen oder vermutlich noch immer oder schon wieder Fußballkollegen von Marek, der selbst aber so weise gewesen war Englisch bereits abzuwählen. Beim Karate hatte ich ihn auf jeden nicht mehr gesehen. Oder hatte er Englisch Aufbau? Und Marian … Marian besuchte Joshua am Mittwoch Nachmittag mit dem Auto „dafür is‘ auch o.k.“ sagte sein Vater noch generös, „obwohl wir unsere Kumpels damals mit dem Rad besucht haben, wenn sie krank waren.“ Versuchte er noch für ein härteres Leben zu plädieren. Nun…aus Krankheitsgründen besuchen wir die Kumpels nicht mit dem Rad, Herr Müller! – Maaaaann! Hätte Marian nicht bitte schön ein Wort sagen können? Oder was lief da nun schon wieder?? Joshua hatte wohl Grippalen Infekt oder so. Oder Onanitis. JaJa…mit Marian stich Aber so konnte ich mich wenigstens einigermaßen unauffällig mit Marian zum Solo am Samstag verabreden, einen kranken Josh wollte niemand… Zwar weit entfernt vom Walk and Talk, sowohl zeitlich als auch leiderschnief* emotional, aber hej! – Wenn der Herr Kommander so rangeht, und wie ich Marian beim Herrn Kommander machen sah und so oder so! Stich! Herr Kommander….“

Samstag nachmittag war Tim noch dabei, aber er musste alsbald mit seinem Auto nach Hause, um mit dem elterlichen Auto diese dann von wo auch immer abzuholen. Marian und ich waren darauf eingestellt und hatten genug Zeugs dabei, um anschließend noch „ein wenig in der Kneipe zu versacken“, wie Marian charmant zu sagen pflegte. Tim sollte dort wieder auf uns stoßen und mit ein paar Runden Skat kloppen, leider. Marian war in Höchstform. Nachdem er am Baggerloch seine weiße und naß halb-durchscheinende Adidas-Short gegen eine black-stonewashed-Jeans ausgetauscht und ein schlichtes weißes T-Shirt über seine Jungsbrust gestreift hatte, fuhren wir mit unseren, also ich mal wieder mit dem meiner Mutter, aber NUR, weil es einen soooo praktischen Fahrradkorb vorne hatte, Rädern zur Kneipe, sozusagen am kranken Joshua vorbei. „Grippaler Infekt“… murmelte ich und Marian erwiderte sehr zu meiner Freude oder auch Unfreude: „Oder Onanitis.“

Wir tranken nicht schlecht und Marians Blick wurde immer glasiger und verträumter, aber er erzählte nichts von seinem Krankenbesuch bei Joshua; trotzdem schien er mitunter … förmlich nachdenklich …nach dem vierten Bier und nach dem fünften Bier brachte ich endlich den Mumm auf, das Gespräch auf den Samstag vor zwei Wochen zu bringen, da kam Tim in die Kneipe „Hä?“ wollte Marian grade in dem lauten und übervollen Raum nachfragen, da musste ich schon „Hi Tim“ sagen. „Sorry, Leute; bin nur schnell mit dem Auto hier; war schon zu spät mit dem Bike.“ – „Biiiiiiike!!!“ Wieherte Marian los und Tim schaute ratlos wie oftmals drein, wenn er einen Witz nicht gleich verstand. „Na, wollte eh auch gleich wieder los und halt nur Bescheid sagen. Ich nix Skat heute.“ – Wirklich süß! – Tim hatte nicht nur in der Kneipe versucht anzurufen, sondern war dann, als der Wirt aus offensichtlichen Gründen nicht ranging, sogar noch vorbeigekommen; nur damit wir uns keine Sorgen machen. Bei dem gefährlichen Samstag-Abend-10 Uhr-Verkehr… Wirklich süß. Wäre Tim nicht nur so ungeil… „Is‘ eh zu laut“ – Sagte Marian. „Lass uns ma‘ raus, Tobias wollte auch noch was sagen…“ – Ich schluckte, konnte aber nicht sagen, dass das Thema, also unangemessen, wenn Tim dabei und so, weil Marian, der Dreier, konnte Tim nichts erklären …ich wollte nur stammeln: dass ich mehr will, dass ich von Joshua mehr bekam, wie schrecklich schön mehr, wie anmaßend, hemmungslos, hach Marek er werden konnte und wußte, dass Marian sagen würde oder sagen sollte oder sagen wollen sollte, bei ihm auch, und dass er dann Marian so gerne das zurückgeben wollte, was er am Samstag vor zwei Wochen von ihm…, dass er, Marian, ihn doch eigentlich -willentlich? – DAS wollte er ihn fragen, entjungfert habe, dass er, Tobias, doch den Marian … und schon standen wir vor dem Ausgang.

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