Diaphragma – Teil 4

Schwule Kurzgeschichten

Stillstand

Dienstag wieder Schule. Und Mittwoch. Und Donnerstag. Und die ganze Woche. Und die nächste. Und die Übernächste. Und immer morgens mit dem Bus hin und mittags mit dem Bus zurück. Und alle immer mehr oder weniger zur gleichen Zeit, weswegen die Busse immer proppenvoll waren. Selbst Marian und Tim nahmen nicht täglich „ihre“ Autos, wobei nur Tims Wagen sein Eigen war und Marians Auto real sponsored war und er ihn nur einmal die Woche, nämlich wenn wir nachmittags Sport hatten, bekam – nur dienstlich sozusagen, wie Marians Vater zu sagen pflegte – aber immerhin hatte seine Familie zwei Autos, meine hingegen nur eines, welches ich aber bestimmt trotzdem häufiger werde fahren dürfen als Marian sein Geliehenes jetzt. Meine Prüfung stand allerdings noch aus, hatte aber auch als einziger zweie zu bestreiten, nämlich 1 und 3 aller guten Dinge = 4??; geil, Motorradlappen; Mit dem Bus fuhren Joshua und ich eh mit einer anderen Linie als Marian und Tim und Joshua und ich gingen eh lieber ein oder zwei Stationen, also drei =4, in die Stadt vor, um einen leereren, bestenfalls grade eingesetzten Bus zu bekommen.

Unsere Schule lag in einem ganzen Schulkomplex etwas außerhalb der Stadtmitte und genau am dia-me-tral-en Punkt des gedachten Kreises; „diametral, was?“, dachte ich, ausklammern, Distributivgesetz – wieso hatte ich Marek bisher immer ausgeklammert, aufgeflammt nur als quasi nie zu erreichendes Ideal oder als peinliche Initiation. Dass Marek selbst an mehr als peinlicher Initiation gelegen sein könnte, zeigte doch eigentlich seine Attacke auf Josh – wenn dieser nicht wieder unendlich dick auftrug und Marek ihn nicht nur nur nicht kneifen gezeigt hatte…aber mehr…viel mehr? – wünschenswert mehr; daran hatte ich im Zusammenhang mit Marek nie gedacht, immer nur das Eine nie zu Erreichende…aber warum nicht? Und warum Marian und nicht Marek – auch alles eine Frage der Erreichbarkeit. Und ein Gang auf dem Balkon sollte doch eigentlich reichen. Wie Mareks Zimmer wohl aussah? Boa – seit sechs Jahren in einer Klasse und noch nie überlegt zwei minus drei und eine Station? = 6 Der Gong erlöste mich von der Mathestunde – aller guten Dinge… „diametral was??“, dachte ich noch oder schon wieder ?, aber Joshua stand schon gestiefelt und gespornt schnell auf und machte sich auf dem Weg zum Bahnhof – ich selbst wartete auf Marian.

Heute war Sport und Marian und ich hatten mit anderen Jungs Schwimmen gewählt und fuhren vorher noch immer kurz in den Supermarkt, er eine Erdbeermilch, ich eine Buttermilch kaufend und uns stärkend; bisweilen schafften wir es noch auf die oberste Etage des lokalen Parkdecks zu fahren und dort kurz die Augen zuzumachen. Nach dem letzten donnerkrachenden Wochenende war es diesen Montag ungewöhnlich heiß, so dass wir, nachdem wir das Parkdeck oben geprüft hatten, uns entschlossen, lieber in der mittleren und schattigen Etage unsere Getränke zu uns zu nehmen. „Da oben kocht die Buttermilch über“, sagte ich und Marian erwiderte nur knapp: „Ja, klar“. Ich lehnte mich zurück und dachte an den morgigen Tag. Scheiß Dienstage! Aber heute erst mal Sport. Und morgen vor einer Woche waren er und Joshua wenigstens, herrje. Nur einen Tag nach dem flotten Dreier – Montag war nur Vorstellung des neuen Kurssystems, erstes Treffen in den Tutorkursen, Ausgabe der Bücher und Stundenpläne und BlaBla gewesen, waren er und Joshua im Bahnhofsklo, herrje! Der wollte es aber auch ganz wissen. Eigentlich wollten sie nur die üblichen drei Stationen bis zum Bahnhof vorlaufen, um den leereren Bus und vielleicht noch ein Wassereis am Kiosk zu bekommen. Aber dort angekommen merkte ich, dass ich dringendst musste und deswegen dieses alte verdreckte Bahnhofsklo mit den gelben Fliesen, wohl deshalb gelb, dass man den Urin nicht so sah, den man aber dennoch und um so bissiger roch, aufsuchen wollte. Was Joshua wohl als Einladung verstand, wobei er mir später mal sagte, dass das lange stielförmige und von ihm so oft am Kiosk gekaufte Wassereis immer als Einladung gemeint war und der sich wunderte, warum ich nie drauf ansprang. Bis zum Heißßaßssa-Dreier-Abend und er endlich entdeckte, dass ich was brauche. Oder brauchte.

Schön, dass er es jetzt auch schon merkte und schön, dass er mir aufs Klo folgte. Blöd nur, dass ich wirklich musste und deswegen eine aufkeimende Erektion hatte, die Joshua natürlich nicht nur sah, sondern als erneute Einladung nahm: „Du geile Sau“ – zischte er, als ich den Reißverschluss meiner engen Röhrenjeans endlich aufgefummelt hatte und machte sich über meinen Halbsteifen her. „Magst es wohl in ’nem versifften Klo einen gewienert zu bekommen, was??“ Ein leichtes Stöhnen kam aus mir raus. „Boah, Josh! – Kuck mal wenigstens kurz ums Eck, dass hier keiner drin ist und…“ – „Ja und“, zischte mir Joshua ins Gesicht „was willste tun?“ – „Nur mal eben kucken und …“ – Im Abwiegeln durch jahrelange Mobbingerfahrung gut geübt, hätte das fast zum Abbruch geführt, was ich, überrascht – übertölpelt gar wie ich war – nun auch nicht wollte, weswegen ich rasch ergänzte: „…pinkeln.“ – „Kucken werde ich“, sagte Joshua im dominanten Tonfall „und halten werde ich ihn Dir auch, während Du Dich…hmmmm?…erleichterst? würde ich mal sagen…“ Und so schiffte ich durch Joshuas röhrig gespannte Hand in die alte Pissrinne des Bahnhofsklos, während er halb hinter mir und wohl auch halb stand. Mit der anderen Hand nahm Joshua meine Schultasche und schubste sie einerseits so geschickt über den Boden, dass sie die Eingangstür, wenn nicht blockierte, so doch wenigstens etwas absicherte, so dass wir Zeit gehabt hätten …. einfach nur weiterzupinkeln. Einfach nur zwei Jungs auf’m Klo… Aber andererseits verschabte dabei ein wenig mein mühsam angefertiges Marillion-Logo auf dem Deckel der Tasche… Statt nach dem Piss durch seine Hand – geiler Widerstand! – meinen Penis loszulassen, zog er mich daran vorsichtig um die Ecke in eine Einzelzelle, schloss die Tür, schloss ab, ließ nicht los und fing an zu reiben. „Na, Miststück? – Etwas mehr Erleichterung??“ – „Hmmmm.“ Bejahte ich wortlos. „Na, dann komm mal her.“ Kein schüchternes wer zuerst und trallala und willste auch und hin und her wie mit dem Cousin, nur um sich dann doch nicht gegenseitig mal so richtig einzuseifen, sondern nur * herrje!

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