Diaphragma – Teil 2

Schwule Kurzgeschichten

Heute Abend, als sie auseinandergingen, ein letztes „Tschö Tim!“ – „Jou, Tschö!“ vor der Tür, nachdem Marian und Joshua bereits wieder drinnen verschwunden waren, auf jeden Fall noch nicht. Da war es noch die mitternachtsblaue Baumwollturnhose gewesen. Ob Marian wohl auch immer brav eine Unterhose darunter trug, stellte er sich vor und Maria trat ihm vors geistige Auge. Was, wenn sie und – Gott bewahre! – Fred bereits zurück waren? Was, wenn Marians zusammengestückeltes Erklären deswegen so zögerlich war? Weil es spontan WAR und seine Eltern SICHER nicht vor morgen zurück sein würden und Joshua so unauffällig-auffällig drängelte und ihm langsam die Erklärungen knapp wurden so wie mir die Ideen, was an dem Abend noch zu tun sei, knapp wurden? Und was, wenn Marian nur aus rein erotischen Gründen, nur um Joshua zu gefallen, seine weiße Adidas-Shorts unter der unscheinbaren aber auch schon eindeutige Signale aussendende – war doch so, oder wie erklären wir uns den oftmals beobachteten und – drapierte er ihn nicht einige Male zurecht – kleinen Hügel? – Der trug nix drunter! auf seiner doch? … – Turnhose, trug? – Und er fuhr auf jeden Fall zurück.

Dass Joshua das gefallen könnte, eine weiße 80er-Jahre-Ballonseidenturnhose, stand für mich damals noch gar nicht so fest. Aber dass hier eindeutige Signale heute Abend geflossen, gar geströmt waren, damals, für Übergangszeiten wie zwischen Kindheit und Jugend misplaced, gehört mis-a-build childhood, ewig lange Zeiten nach dem ersten Rumgezucke mit dem Cousin aus der Nachbarschaft, diesem schwarzhaarigen großen Jungen mit dem nicht zu verleugnendem – da konnte man sowohl seinen Vor- als auch seinen Nachnamen noch so oft deutsch-englisch-märkisch unkorrekt aussprechen – indischen touch, das stand doch fest. Klar, er fuhr zurück, aber doch nur, um diesen blöden Hügel, den er schon dreiviertel hoch gewesen war, oder war es ganz …verdammt, wie viele Stopstraßen hatte er übersehen?? – doch noch zu umgehen. Ein Umweg zwar, aber vorher ging’s ja nochmal ordentlich bergab. Und er kam wieder etwas näher ans Ziel der Gelüste – weit weg zwar noch für eine sichtbare Entfernung dazu – aber immerhin gefühlte oder eingebildete Meilen näher dran. Dazwischen eigentlich nur noch die Angst und klar, deswegen fuhr er natürlich nicht ganz zurück: ein weiterer Anstieg, auf dessen Steilheit er sich berief, als er ihn auch schon rechts neben sich liegen ließ und gradeaus weiterfuhr. Nicht aus Angst! Das konnte man ja schon daran erkennen, dass der jetzt gewählte Weg ja der zwar flachere, aber durchaus gefährlichere war. Und er musste an die Körperfresser denken und an diesen wunderschönen Fernsehabend mit Marian – und ich wendete ohne windige Not und fuhr erneut zurück und im Gedanken vor, diesmal nicht vor dem kläffenden Hund oder dem Wind flüchtend, kein Marek hach, Marek! und kein Richard im Zelt, sondern fuhr um windstill zu stehen, mit Rückenwind den letzten Berg hoch, enterte das Garagendach und schlich auf den Balkon, niedrig geduckt im Schatten Schatten? und was er da sah war … ein Lichtkegel. Verdammt!!

Als er auf dem Garagendach war, war das Licht in Marians Zimmer noch an. Hätte er das von der Garageneinfahrt, in der er das Fahrrad seiner Mutter abgestellt hatte, aus sehen können, wäre er erst gar nicht hochgeentert. So aber verteufelte er seinen Entschluss: Keine Chance auf das Garagendach zu kommen, da konnte man sich das zurechtrücken, wie man wollte. Von der technischen Umsetzbarkeit mal ganz abgesehen. Wie sollte man ungesehen vom im Schlagschatten liegenden Garagendach auf den Balkon kommen, …als das Licht in dem Moment überraschend ausging. Anscheinend hatte ich lange genug überlegt. Gefahren! Zurechtgestückelt Er duckte sich vorsichtig in den fallenden Schatten, erklomm den Balkon, versteckte sich tiefer in den Schatten zwischen einem Korbstuhl und dem dazugehörigen Tisch und spähte in das Jugendzimmer, das nunmehr nur noch von der kleinen Schreibtischlampe erhellt wurde, über die ein Stofftaschentuch drapiert war, das das Licht diffus und orange und verschwommen werden ließ. Im Gegensatz dazu war seine Wahrnehmung hellwach und alarmiert; denn das, was er da sah, war wohl kaum für seine Augen bestimmt, aber viel zu aufgeregt und …alarmiert, um ein allzu gründlich erlerntes und eigentlich automatisiertes „Schlechtes Gewissen“ zu haben, starrte ich mit halboffenen Mund auf Marian, wie er Joshua, so wie er ebenfalls mit nacktem Oberkörper, gegen die Zimmertür rechts vom Schreibtisch stieß, so dass die Schreibtischlampe auf ihm wackelte und drohte abzuschmieren Mehr Licht ihn mit der einen Hand an der Schulter festhielt, während seine andere Hand zielstrebig mit geöffneter Fläche seine Brust hinabstrich, seinen Bauch berührte und dabei die Finger, Handfläche noch immer auf den Bauch, nach unten drehte und in seinen Schritt fuhr. Hemmungslos! Auf jeden hemmungsloser, und er wiederholte im Kopf – deutlich, deutlich hemmungsloser, als damals während der ersten Klassenfahrt in der Oberschule. Damals lagen sie in Dreisamkeit und größtem Komfort in einem Sechsbett-JuHe-Zimmer, mit klar: sechs Schränken, sechs Stühlen, zwei Tischen, Waschbecken und eben sechs Betten, je drei Doppelstockbetten, wovon ich das unterste zuvorderst an der Tür, Joshua das fußendig grade dazu oben und Marian das senkrecht am Kopfende dazustehende bewohnte. Ebenfalls oben. Damals war ich noch nicht so weit, aber Joshua klöppelte schon fleißig, wenn auch verschüchtert, an sich herum und Marian, ja Marian …trieb es nach eigenem Dafürhalten wohl zu weit, als er ebenfalls ganz verschüchtert mehr murmelte als sagte: „Mist – zu viel, ich glaube mir kommt gleich was.“ Und Joshua fast erbost erwiderte: „Das könnte mir nie passieren, ich höre immer vorher auf.“ – Was er damit meinte war mir damals unklar, kannte ich doch noch nichts vom Kommen und Joshua nur erst von der Schule.

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