Der Löwenmann

Schwule Kurzgeschichten

Fromm nähert sich der gerundete Mund des Löwenmannes von unten dem elastischen Ring aus Muskeln in Philipps Arsch. Er setzt am Darm an wie bei einem Waldhorn, das er zu spielen gedenkt. Aus dem weißen Höschen gestiegen, offenbart der Fremde einen zwar sehr langen, aber auch irgendwie zerbrechlichen Schwanz, gebogen, dünn, schrundig und nur halb versteift. Er streift das T-Shirt eilig von den Schultern und hantiert weiter an seinem Schwanz, der steifer zu verbleiben hätte, als er bis jetzt geworden ist. Der Körper ist fest und wie geschmiedet. Unter seiner dünnen und haarlosen Haut ziehen sich harte Stränge. Philipp starrt auf das Haupt eines Löwen, der die platte Vorderseite dieses harten Körpers eingenommen hat. Eine gewaltige einfarbige Tätowierung, bei Licht könnte sie verblasst dunkelbraun erscheinen, die so riesig und detailliert ausgeführt worden ist, dass Philipp die Spitzen der Mähne unter seinen Ärmeln und an den Oberarmen, die fallenden Speichelfäden an oder besser zwischen den Schenkel hätte sehen müssen. Aber da hat er auf den aus einer Hand ragenden Schwanz geblickt. Philipp, der es auf so eine Art noch nie gemacht hat, dem es noch nie zuvor so gemacht wurde, versucht sich auf die winzigsten Erregungen einzustellen, sie zu benennen, damit er sie später noch weiß. Doch es geht nicht. Philipp ist jetzt nicht hektisch und gierig, wie wenn der Wuschelmopp vor ihm kauern und di Eichel belecken würde. Er kann nicht feststellen, was sich hinten, unten jetzt alles zuträgt. Dort ist ein warmes, grenzenlösendes Gefühl. Zu gerne würde er erfahren, wie zentimeterlang die Zunge vom Löwenmensch in seinem Anus steckt. Aber der Anus kann nur noch feuchtsanftes Puddinggefühl melden, wozu die nassen Schlabbergeräusche passen, die in der tiefen Stille zu hören sind.

Der Fremde, den Philipp nie gesehen hatte und den er nur heute noch sehen wird, trägt eine unbändige Haartracht, ein Masse langer, sich hellbraun verschlingender Strähnen. Die sind nicht so hart verstruppt wie ein Afro, aber vergleichbar raumgreifend und ausladend. Wie eine Bärenfellmütze aus Schafswolle umgibt das diesen spröden Schädel mit seinen Augen, die auf Zutritt verboten gestellt wurden. Philipp ist besorgt, denn er kann den Mann sozial nicht zuordnen. Der ist natürlich zudringlich und gierig, waghalsig, ausgeschlafen und sich seiner Gerissenheit bewusst, darüber hinaus aber kann Philipp immer noch nicht entscheiden, ob dieser Wuschel vielleicht auch intelligent ist, ob der sogar Geist und Humor hätte, ob er vielleicht mal ein Schulversager war und in heillosen Schulden steckt oder doch, trotz aller Wildheit, vierzig Stunden die Woche an Tischen in klimatisierten Innenräumen tätig ist und in einer Kantine sein Essen erhält.

Löwenmann bläst seine Backen auf und probiert einen sauberen Ansatz, bei dem keine Gasbläschen von dem guten Stück entwischen. Philipp hört, wie er empört abrutscht und wieder und möglichst noch mehr Luft ansaugt. Hatte der Löwenmensch den Eindruck erweckt, als habe er fest in Kontrolle, was er treibt, lächelt Philipp jetzt über diese Kindlichkeit, wie er zu glauben scheint, ihm gelinge es, den übers stählerne Gattertor kauernden Fremden vom Hintereingang her aufzublasen und ihm dann beim Abheben vom Erdboden zuzusehen.

Zum wiederholten Mal bereut Philipp, dass er sich mit den Sitten und Moden der Drogenkonsumenten nicht auskennt. Da gibt es Tabletten und Schnüffelflüssigkeiten in Phiolen, gibt es explodierende Chemikalien aus Folien und Glaskolben, aber Philipp weiß nicht, was hierbei was ist und was wie einfährt. Der Löwentätowierte riecht von innen her, vor allem aus seinem Haarwust herb weihrauchartig, etwas bitter, auch nach angesengtem Autoreifen. Es hat etwas zu bedeuten, wahrscheinlich, dass er bis obenhin zugekifft ist. Aber vielleicht denkt Philipp so nur, weil er von dieser Sache mal gehört hat, von anderen nie.

Der Fremde ist nicht typisch männlich, nicht trainiert und untersetzt oder haarig, sondern eher ein wenig verhungert und unfruchtbar, wie nicht ganz fertig geworden, dafür mit Abwehrmechanismen versorgt, denen man nicht in die Quere kommen darf. Philipp versteht die Nachlässigkeit nicht, mit der er sich von ihm, kaum hatte er, wie er das gleich anfangs macht, damit man keine Schwierigkeiten bekommt, seine Hose geöffnet und heruntergestreift, hat umdrehen und gegen dieses stählerne Tor drücken lassen. „Nur küssen, nur küssen hinten“, verspricht der Fremde. Philipp scheint alles zu glauben, wobei der Löwenmensch, wenn er ihn pfählen wollte, und vielleicht auf dieses Ziel hin auch hart würde, die Zähigkeit gewiss besäße, ihn einzuquetschen und auf ihn einzunageln.

Philipps Hinterbacken sind weit offen. Nase und Mund des Mannes versinken. Jetzt blasen die Luftwolken von draußen Philipps inneren Gang auf und während seine Zunge nachrückt, was bei Philipp als ein Fischlein im Bauch ankommt, strömen, wo Gase sich sonst lagerten und in Kugeln bald nach außen bollerten, Dämpfe aus dem Leib des Löwenmanns in Philipp ein. Mit diesen Dämpfen haben wir die Schwelle geschafft und reisen weiter hinein in die dunkelrote Öffnung.

Er hört das Betteln. „Ach bitte, bitte, sei nicht so! Gib mir doch ein kleines Geschenk!“ Philipp empfindet die Lust nicht. Jedoch will er dem Fremden seinen Spaß lassen. Er schürft in sich und weiß nicht, ob dort was ist, doch drückt er es weg und ins Maul des Perversen.

Wir sind auf einer Wanderung vom Löwen zu Philipp, in seine vitalen Funktionen. Wir füllen Philipps vorwärtsstürzenden Heimwegsucherblick. Da fällt uns eine Ratte auf, die aus dem Spalt hinter einem Kasten, der vor einem alten Bunker steht, mit Stolz den Weg zu den Abfallkübeln einschlägt. Als Gewohnheitstier ergreift sie vor dem Mensch nicht mehr die Flucht. Wir Löwen blicken auf sie, werfen uns auf sie und schlagen Philipps Gebiss tief in das Fell. Wir beißen das Untier tot, dass es nur so spritzt.

 

Weitere schwule Kurzgeschichten:

Übersicht der schwulen Kurzgeschichten ...

Liste mit allen schwulen Kurzgeschichten ...

Hier kannst du deine Gay Geschichte einsenden ...

Über Mattiesklaus 1 Artikel
Älterer, dicker Autor. Seit eh und je interessiert an Jünglingen, Mädchenhaften, Ungeschickten, Dienern, Labilen, Versagern, Dünnen. Nicht interessiert an Älteren, Dickeren, Bärtigen, Behaarten, Lederleuten. Routinierter intellektueller Babbler. Nicht interessiert an Intellektuellen. (Stille Handwerker-Bisexuelle sind gut.) (Keine Versatiles, keine Orgien, keine Poppers und andere Rauschmittel! Es wird nicht mal auf dem Balkon geraucht.)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen