Der Junge am See

Schwule Kurzgeschichten

Es war eine dieser tropischen Nächte im Norden. Ich übernachtete am See bei den Boberger Dünen

im Süd-Osten Hamburgs und genoss die Ruhe und den heraufdämmernden Tag.

Außer mir war so früh noch niemand hier und die ersten Sonnenstrahlen lockten mich aus meinem Schlafsack. Ich konnte nicht widerstehen, zog mich ganz aus und tauchte in den erfrischenden, klaren See ein. Ich ließ mich auf dem Rücken treiben, betrachtete die Wolken und die ersten Segelflieger vom benachbarten Segelflugplatz und hing meinen Gedanken nach. Gedanken an all die schönen Momente, die ich hier am See schon erleben durfte. Ich war ganz bei mir, ganz entspannt und ganz ohne „Wollen und Müssen“…

Nach ein paar Runden schwamm ich wieder zum Ufer, wo meine Sachen lagen und musste feststellen, daß nur ein paar Meter weiter gerade jemand seine Decke ausbreitete. Alles was ich nicht wollte, war die Gesellschaft irgendeines mitteilungsbedürftigen Mitmenschen. Und dann noch so ein kleiner Mann, dachte ich, als ich beim Näherkommen realisierte, daß „der kleine Mann“ ein recht hübscher Junge war. Ich schätzte ihn auf 13 oder 14 Jahre.

Oh man, was nun? Treibe ich ihn eventuell in die Flucht, wenn ich splitterfasernackt dem See entsteige und dann in seine Richtung gehe? Sein Platz war vielleicht 5 Meter von meinem entfernt…

Doch ich verwarf meine Bedenken.

Schließlich war ich ja zuerst da und es war allgemein bekannt, daß an diesem Uferabschnitt gerne die Nackten liegen.

Ich war noch ganz im Wasser, als der Junge mich bemerkte. Er lächelte, als er mir freundlich zuwinkte.

Mein Gott, umso näher ich kam, umso klarer konnte ich erkennen, wie hübsch dieser Junge war.

„Nordisch by nature“ kam mir in den Sinn…

Er hatte dichtes, strohblondes Haar, einen lustigen Wirbel über der Stirn, der dort seine Haare steil nach oben stehen ließ und sein ganzer Körper schien mit zarten Goldfäden bedeckt zu sein, die die Morgenröte einfingen und reflektierten. Am meisten faszinierten mich seine kleinen, leichten Segelohren, die sein freches Jungengesicht einrahmten.

Ich war wie vom Donner gerührt und hoffte inständig, jetzt keine Latte zu bekommen.

Doch er verhielt sich völlig unverkrampft, als ich aus dem Wasser stieg und auf ihn zu und zu meinen Sachen ging. Ich fühlte mich plötzlich wieder wie damals mit 12 Jahren, als ich in den Jungen aus der Parallelklasse verliebt war und in dessen Gegenwart nie einen Ton heraus bekam.

Aber die Jugend von heute scheint da schon weiter zu sein. „Cool, ich hatte schon angst, sie könnten was gegen Nacktbaden haben“ sagte er und entledigte sich sofort seiner Shorts um mit Anlauf im See zu verschwinden.

Ich muß schon einen lustigen Anblick abgegeben haben, so unsicher und verschämt ich mich diesem hübschen Jungen gegenüber verhielt. Aber entweder bemerkte er das alles nicht oder es war ihm egal.

Während er laut und vergnügt seine Runden drehte, trocknete ich mich erstmal ab, zog meine Shorts an und versuchte, meine Fassung wieder zu erlangen.

Immerhin war ich ein erwachsener Mann und er noch fast ein Kind.

Aber er gab mir gar keine Chance, lange verlegen zu bleiben. Er hatte eine so umwerfende charmante und offene Art als er ans Ufer zurück kam, zu seinen Sachen ging und sie zusammen raffte und zu mir kam mit der halb Frage/halb Feststellung auf den Lippen „Sie haben doch sicher nichts dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze?“

Wie hätte ich das je ablehnen können?!

Also breitete er seine Decke neben meiner aus und streckte sich darauf aus um sich von der Sonne trocknen zu lassen. Oh Aurora, Göttin der Morgenröte, ist Dein Geschenk Fluch oder Segen?

Ich habe Jungen schon immer faszinierend gefunden. Aber noch nie war einer so frei und natürlich und dazu ganz nackt in meiner Gegenwart.

Da lag er mit geschlossenen Augen die Sonne genießend, während ich meine Augen nicht von seinem schönen Körper lassen konnte.

Ich war so hin und weg, daß ich nicht bemerkte, daß auch er mich durch seine langen Wimpern heimlich musterte.

Dann sagte er unvermittelt „Sie würden sich bestimmt gut mit meinem schwulen Onkel verstehen. Der schaut mich auch oft so an wie Sie jetzt, wenn ich mit ihm hier zum Baden komme.“

Mir blieb vor Überraschung die Luft weg und ich spürte, wie ich im Gesicht knallrot anlief…

„Das ist aber völlig ok“, sagte er, „das passiert mir hier öfter und wenn es mich stören würde, wäre ich nicht hier.“

Mir fielen die 10 Gebote ein: „und führe mich nicht in Versuchung…“

So ein freier Junge ist mir noch nie begegnet. Ich war ihm jetzt schon hilflos ausgeliefert.

Er setzte sich abrupt auf, streckte mir ganz oldschool seine Hand entgegen und sagte „Ich bin Paul. Sie sind zwar etwas schüchtern aber sympathisch. Kommen Sie öfter hierher?“

Er hatte das Eis gebrochen. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile sehr angeregt. Er stellte mir viele Fragen. Besonders dazu, wie es ist, wenn man als Erwachsener Jungen mag. Der Bengel war echt plietsch. Ich war total beeindruckt. Und verwirrt. Und verliebt.

Irgendwann brach er auf, drehte sich nochmal zu mir um und sagte „Ich bin übrigens an diesem Wochentag bei gutem Wetter immer hier. Früh morgens wenn noch keiner da ist. Aber wenn Sie nächstes Mal wieder hier sind, würde ich mich sehr freuen…“

„Paul, ich werde hier sein. Und die Freude ist ganz meinerseits.“

Wir warfen uns noch gleichzeitig einen Kussmund zu und mussten dabei grinsen…

Das Leben ist schön.

 

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Über Cute_Mo 1 Artikel
Die vom anderen Ufer behaupten, ich wäre vom anderen Ufer ?

1 Kommentar

  1. So eine natürlich schöne Story habe ich selten gelesen. Einfach wunderbar einfach geschildert! Muss auch nicht weitergehen, alles ist gesag! Daran erinnert man sich, wünschen wir doch alle unverkrampfte Natürlichkeit in den wesentliichen Dingen des Lebens.

    Dorian

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