Der falsche Priester 05

Schwule Kurzgeschichten

Als wir in der Reichenbachstraße die Tram verließen, lächelte Thomas und sagte „hier war ich schon einmal. Ich bin vom Marienplatz über den Viktualienmarkt zum Gärtnerplatz Theater gelaufen. Da bin ich hier vorbeigekommen.“

„Dann kennst du die Sauna?“, möchte ich von ihm wissen und schaue ihn fragend an.
Wenn mich mein Gefühl nicht täuscht, dann war er noch nie in einer Gay Sauna. Ob ich recht hatte, würde sich gleich zeigen. Entweder er bejahte meine Frage oder er würde spätestens an der Zutrittstür beim Anblick des Schildes ‚Men only‘ wissen was ihn erwartete.

„Wo ist hier eine Sauna? Nein, eine Sauna habe ich hier noch nie besucht!“

„Na dann komm‘ mit, hier geht es rein“, sage ich zu ihm und dränge ihn in den Eingang des Hotels.
Links geht es ins Restaurant, geradeaus zur Rezeption und dahinter befindet sich der Zugang zur Sauna.
Als er das ‚Men only‘ Schild sieht, ist es bereits zu spät, längst habe ich geläutet und der Summer zeigt an, dass die Tür entriegelt ist.
Bevor ich dir Tür ganz aufdrücke, frage ich ihn aber anstandshalber ob das für ihn ok sei, was er mir mit einem Nicken bestätigt.

Ich ordere zwei Spinde und nachdem wir mit Handtüchern und Badelatschen ausgestattet sind, begeben wir uns in Richtung Umkleiden.
Es ist noch sehr ruhig um diese Zeit, lediglich einige Herren, meist älteren Semesters, sind wochentags hier anzutreffen.
In der Umkleide sind wir fast alleine, ein anderer Gast zieht sich bereits wieder an, ein schneller Mittagsfick denke ich, ein Weiterer schält sich gerade aus seiner Unterhose und sieht uns taxierend an.

Während wir uns umziehen werfe ich einen verstohlenen Blick auf Thomas Körper. Er hat eine sportliche Figur, einen wohlgeformten Hintern und sein Familienschmuck ist auch recht ansehnlich. Ein dichter schwarzer Pelz überzieht Arme, Brust und Beine. Lediglich die Blässe deutet daraufhin, dass er seinen Körper zu wenig der Sonne aussetzt.

„Da du zum ersten Mal hier bist, werde ich dir erst mal zeigen, wo du was findest“, sage ich zu ihm und beginne die Führung durch die Örtlichkeiten.
„Hier rechts ist der Ruheraum, der sich über drei Etagen erstreckt, da schauen wir später rein.“
Wir steigen die Treppe hoch, kommen an der Toilette vorbei und erreichen den vorderen Bereich der Sauna, mit den beiden Saunen und dem großen Whirlpool, in dem sich gerade zwei Pärchen sehr intensiv miteinander beschäftigen.
„Hier links geht es ins Dampfbad“, erkläre ich und schon stehen wir im Bereich der großen Dusche.
„Hier geht es ebenfalls ins Dampfbad, und durch diese Tür kommst du in das hintere Treppenhaus. Die Treppe hoch geht es zum Rauchersalon und zur Dachterrasse, das sehen wir uns später an“.
Ich halte ihm die Tür auf und deute mit dem Kopf in Richtung abwärts.

„Was ist da unten?“ will Thomas wissen.
„Auf halber Höhe, im Erdgeschoss sozusagen, ein Zugang zum Restaurant und der Rezeption, Umkleiden etc., da wo wir unseren Inspektionsgang begonnen haben.“
Wir steigen hintereinander die Treppe hinab und setzen unseren Rundgang im Keller fort. Wir laufen gegen den Uhrzeiger, kommen an den unteren Toiletten, Wirtschaftsräumen und den ersten Kabinen vorbei, bevor wir im Kino landen.
Dort lässt sich gerade ein muskulöser Farbiger seinen gewaltigen Riemen von einem hageren Grauhaarigen blasen.
Unser Weg führt uns weiter durch die Katakomben. Die meisten Kabinen sind leer, nur in zweien warten Herren in unterschiedlichste Posen auf Besucher, mit denen die Chemie für den Augenblick übereinstimmt, und man sich dem kurzen Vergnügen hingeben kann.

„Bow, ist das dunkel hier“, sagt Thomas als wir den Darkroom im Bereich mit den Glory Holes betreten und die ersten Minikabinen umrunden.
„Du musst aufpassen, hier gibt es Stufen, diese hier ist kaum zu sehen, da hat es mich auch schon mal fast hingehauen“, sage ich zu ihm und zeige auf den Zugang zum großen Glory Hole Bereich, in dem sich niemand befindet.
Wir umrunden diesen Bereich und gelangen in den großen Raum mit den offenen Kabinen der kleinen Spielwiese und der Großen, in der es immer schwer zur Sache geht und Rudelbumsen angesagt ist.
Bei der Beleuchtung kann man kaum etwas erkennen.
Nachdem ich ihm noch das kleine Kino, was ja nur aus vier Sesseln und einem kleinen Monitor besteht, gezeigt habe, beenden wir unseren Infogang nach einem Besuch des Sling Bereichs mit der Badewanne, im Restaurant.

„Ich würde vorschlagen, wir trinken erst mal etwas, mein Magen signalisiert mir, dass es Zeit für das Mittagessen ist, was meinst du?“, frage ich ihn und ziehe bereits zwei Sessel von einem Tisch zurück.

„Sehr gerne, ich muss das, was ich gesehen habe, erst mal sacken lassen“, Thomas lächelt mich an und nimmt Platz.

Fortsetzung folgt

 

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Über Lothar du Mont Jacques 8 Artikel
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