Der falsche Priester 04

Schwule Kurzgeschichten

Der Hochsommer war in der letzten Nacht mit einem schweren Gewitter zu Ende gegangen, einem Tag mit über dreißig Grad war ein verregneter Tag mit geraden mal knappen achtzehn Grad gefolgt.

Nicht gerade die ideale Voraussetzung für einen ausgedehnten Spaziergang im Nymphenburger Schlosspark. In Jeans und wetterfester Jacke verließ ich das Haus, bewaffnet mit einem Familienschirm in Regenbogenfarben.

Thomas wartete bereits an der Kasse, ebenfalls in Jeans und Regenjacke.
Auf die zivile Kleidung hatten wir uns noch in der Kirche verständigt, sie war unauffälliger und zwei Männer, die zusammen ins Gespräch vertieft, durch den Schlosspark laufen, sind dort nichts außergewöhnliches.

Jetzt hatte ich endlich die Gelegenheit, ihn auch mal bei Tageslicht zu sehen und mir ein Bild zu machen.
Ein Blick in die intelligenten, braunen Augen, die er hinter einer randlosen Brille verbarg, genügte, um ein Kribbeln im Bauch zu spüren.
Hoppla, war ich im Begriff mich zu verlieben?

Wir beschlossen, angesichts des miserablen Wetters, uns erst einmal das Schloss anzusehen. Ich kannte es bereits von früheren Besuchen, Thomas gestand, noch nie dagewesen zu sein.
In der Galerie zeigte ich ihm das Gemälde von Lola Montez und erzählte ihm die Geschichte dazu. Vom lebenslustigen Opa, der keiner Frau widerstehen konnte, bis zum schwulen Enkel Ludwig II, war es nicht weit und schon waren wir im Thema.

„Warum bist du Priester geworden?“ fragte ich Thomas, nachdem wie das Schloss verlassen hatten und unter meinem Regenbogenschirm durch den menschenleeren Park spazierten.

„Ich stamme aus dem Berchtesgadener Land, meine Familia hat dort einen Bauernhof“, begann Thomas zu erzählen. „Ich habe noch zwei ältere und einen jüngeren Bruder.“
„Da war bestimmt allerhand Leben bei euch?“, wollte ich wissen.
„Ja, es war manchmal sehr turbulent. Aber wir mussten auch alle im Stall und auf dem Feld mithelfen, da kannten meine Eltern kein Pardon. Aber geschadet hat es uns nicht,“
„Wie alt sind deine Eltern und deine Geschwister?“, der Regen hatte an Stärke zugenommen, dazu war ein heftiger, böiger Wind aufgekommen.
„Mein Vater ist sechzig, meiner Mutter zweiundsechzig. Sepp ist zweiunddreißig, Hannes ist dreißig und Michael, unser Nesthäckchen ist zweiundzwanzig.“

„Da ist er ja bestenfalls zwei Jahre jünger wie du“, schmeichele ich ihm und entlocke ihm damit ein spöttisches Lächeln, was sich aber sofort wieder in einen ernsten Gesichtsausdruck verwandelt, als er weiterspricht.

„Ich bin neunundzwanzig, habe gerade erst meine Weihen erhalten und glaube, alles falsch gemacht zu haben!“.

Ich spüre, dass das eine längere Geschichte wird, die er mir da erzählen will.
Das Wetter wird als ungemütlicher, wir müssen sehen, das wir ins Trockne kommen. Aber wohin? Zu mir nach Hause kann ich ihn nicht einladen, dann merkt er sofort, dass ich kein Priester bin. Die Wohnung ist zwar aufgeräumt aber die männlichen Torsos im Bad und Schlafzimmer geben alleine schon mehr als nötig von meiner sexuellen Neigung preis, da braucht er den Kalender mit den nackten Jungs im Schlafzimmer erst gar nicht zu sehen.
In mir reift eine Idee.

„Wir müssen zusehen, dass wir ins Trockne kommen, sonst sind wir in Kürze durchweicht. Wie lange hast du denn heute Zeit? Ich würde das Gespräch gerne weiterführen, denn ich denke, es tut dir gut, dir mal alles von der Seele zu reden.“

„Ich habe den ganzen Tag Zeit, ich habe mich krankschreiben lassen. Aber ich kann dich doch nicht den ganzen Tag mit Beschlag belegen.“

„Nun, ich wollte heute Nachmittag in die Sauna. Was hältst du davon mitzukommen? Wir können dort entspannen, auch etwas essen und vor allem in Ruhe reden.“

Das hört sich gut an, ich müsste nur kurz bei mir vorbei, um mir Handtücher, Seife, halt alles was man so braucht, zu holen.

„Brauchst du nicht, da wo wir hingehen bekommt man alles an der Rezeption. Wir würden sonst zu viel Zeit verlieren. Ich habe ja auch nichts dabei.“

Er fragt gar nicht, in welche Sauna ich mit ihm will, er nickt nur zustimmend mit dem Kopf.

Eine gute Viertelstunde später sitzen wir in der Tram, die uns in die Innenstadt bringt und wo wir sie am Reichenbachplatz verlassen werden.

Fortsetzung folgt


 

Weitere schwule Kurzgeschichten:

Übersicht der schwulen Kurzgeschichten ...

Liste mit allen schwulen Kurzgeschichten ...

Hier kannst du deine Gay Geschichte einsenden ...

Über Lothar du Mont Jacques 8 Artikel
Suche immer interessante Gesprächspartner. Ich schreibe Kurzgeschichten und Bücher, mit Szene-Hintergrund.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen