Der erste Homo

Schwule Kurzgeschichten

Es war die Zeit, wo ein junger Mann die ersten Gehversuche mit der Sexualität hinter sich bringt. Es ist auch der Lebensabschnitt, wo sich der Trieb so richtig stark bemerkbar macht. Wenn man ein Teil dieser Energie für das spätere Alter konservieren könnte, hätte die Firma Pfizer kein Erfolg mit Viagra erreichen können. Auch ist alles, was mit Geschlecht zu tun hat, noch Neuland und muss erforscht werden. Dazu ist natürlich bald einmal der Weg zur Selbstbefriedigung gefunden. Ich kann mir kein männliches Wesen vorstellen, das nicht an seinem Ding zu spielen beginnt, kaum ist es von der kindlichen Kleinheit in die normale, begattungsfähige Grösse gewachsen. Von dieser Spielerei bis zum ersten Ejakulieren, sind es nur wenige Schritte. Dieses Stadium habe ich erst kürzlich durchschritten und stelle fest, dass der Trieb auch noch eine Zweisamkeit fordert. Da ich als etwas scheuer Typ den Zugang zu erwachsenen Mädchen damals noch nicht fand, war der Weg zu Männern doch etwas einfacher.

Die natürliche Hemmung gegenüber dem gleichen Geschlecht war bei mir weniger vorhanden. Ich sagte mir, einiges später, als ich das Jünglingsleben überdenken konnte, dass Männer fast alle das Problem vom Suchen von begattungswilligen Frauen kennen und so sind sie eigentlich alle Leidensgenossen.
Auch die Schwängerungsangst hilft dabei etwas mit, die Türen zum gleichgeschlechtlichen Kontakt zu öffnen. Die Pille war noch nicht auf dem Markt und als Verhütung war nur der Kondom bekannt. Dieser Gummiregenmantel ist aber für Anfänger in Sachen Geschlechtsverkehr noch etwas umständlich.
Wie gesagt bin ich damals sehr mit heftigem Sexualtrieb bestückt gewesen und war nicht abgeneigt, diesen mit allen möglichen Mitteln zu befriedigen. Nach der Entdeckung der Masturbation wurde das Geschlechtliche, mit einem anderen Menschen zu erleben, immer wichtiger. Dass es aber erstmals mit Männern vonstatten ging, hat den Grund, dass ich Liebe und Sex nicht auf den gleichen Nenner brachte. Wie die Erziehung in dieser Zeit auch den Geschlechtsverkehr oft als etwas Schmutziges darstellte, konnte ich diesen noch nicht mit einem Mädchen zusammen bringen. Auch wollte ich damals wissen, was Männer mit jungen Burschen so alles anstellen. Ganz nach dem Motto: Befriedigt ist befriedigt, der Weg dazu spielt nicht so eine Rolle. Von Kollegen und anderen Quellen hörte man so manches über die gleichgeschlechtliche Liebe. Worte wie Schwanzlutscher, Afterstecher, etc. waren mir nicht unbekannt. Irgendwie sind junge Männer neben dem Masturbieren alle doch auch etwas Schwul. Das Selbermachen zu zweit, ist ein einfacher Schritt in die Richtung des partnerschaftlichen Geschlechtsverkehrs. Es vermutet doch jeder, dass der andere auch an seinem Geschlecht reibt, warum nicht gemeinsam spielen. Alles steuert der Trieb, oder nicht? Dies waren so Gedanken die mich damals beschäftigten. Dass man als Mensch wieder zum Tier wird, habe ich erst viel später erkannt. Sexualtriebe sind bei allen grösseren Wesen etwa gleich. Beim Menschen ist dieser Instinkt in jungen Jahren so stark, dass er das Denken manchmal auf die Seite drückt. So muss es auch gewesen sein, als die folgende Geschichte mich steuerte.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit dem gleichen Geschlecht. Ich war damals 18 Jahre alt und in einer Lehre für Kleinmechaniker. Zu dieser Zeit, begann die Industrie von der 48 Stundenwoche langsam abschied zu nehmen. Man hatte zur Kompensation nur noch jeden zweiten Samstagmorgen gearbeitet. Es hat sich eingebürgert, dass meine Lehrkollegen und ich, an dem Freitagabend vor dem arbeitsfreien Samstag sich in einer Gaststätte treffen. Meistens wurde daraus eine Bierschwemme oder ein Kinogang. Es war an einem solchen Freitagabend, gegen zehn Uhr. Nach einem Kinobesuch, den ich alleine bestritt, ging ich in die besagte Bierhalle, mit der Hoffnung, einer meiner Kollegen anzutreffen.
Noch war aber niemand da.

Ich setzte mich trotzdem an einen der Tische, wo wir sonst das Biergespräch abhielten. Nach der Bestellung einer Stange (so heisst bei uns das Bier in einem hohen schlanken Glas) kam ein etwa vierzigjähriger Mann auf meinen Tisch zu und fragte, ob an diesem Tisch noch Platz wäre. Da ich dies bejahte setzte er sich. Er bestellte dann beim Service auch ein Bier. Der Typ war etwas mollig gebaut und hat sicher ein gutes Einkommen, wenn man seine Kleidung beurteilt. Ein hellblaues Hemd, eine Krawatte und ein Kleid aus etwas dunklerem Stoff.

Es war auch die Zeit. in der die Jugend begann nicht mehr immer nur in Hemd und Krawatte auszugehen, sondern etwas die legere, italienische Kleidung bevorzugte. Der Typ schaute mich genau an und begann dann belanglos mit mir zu reden. Ich fand ihn irgendwie nicht unsympathisch und merkte bald, dass er sich mit mir etwas intensiver befasste als sonst und nicht nur auf normale Unterhaltung aus war. Ich erzählte im, dass ich eigentlich mit Kollegen abgemacht habe, diese aber mich versetzt haben. Sein Blick wurde, nach dieser Mitteilung, fast nur noch auf meine Augen gerichtet. Ich hielt seinem Blick lange Stand, doch dann musste ich mich unter geben und drehte die Blickrichtung auf mein Bierglas.
Als mein Bier langsam zur Neige ging, fragte er mich spontan:
„Hast du Lust bei mir zu Hause noch etwas Weiteres zu trinken?“
Also wollte er ein Abenteuer suchen, dachte ich, sonst hätte er nicht von zu Hause gesagt.
„Es ist doch angenehmer, in den eigenen vier Wänden zu plaudern, ohne die anderen Zuhörer“, meinte er noch dazu.
Dass er homosexuelle Gedanken hätte, war mir nicht gleich in den Sinn gekommen. Aus Aerger, dass ich die restliche Zeit bis zum schlafen gehen, ohne meine Kollegen verbringen sollte, hatte ich mich sofort entschieden und ihm, mit:
„Warum eigentlich nicht“ geantwortet.
Ich dachte mir, es könnte ja ein interessanterer Abend werden, als hier noch mal ein Bier zu bestellen.

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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