Das Mysterium der Peitsche (2)

Schwule Kurzgeschichten

2 – Gesucht und gefunden

Ich fühle mich ausgesprochen eigenartig. Seit Jahren hatte ich davon geträumt, dass mein Arsch von einem in Leder gekleideten Burschen mit starkem Arm einen ledernen Gürtel übergezogen bekommt. Ich hatte nie wirklich erwartet, dass meine Phantasien real werden könnten. Jetzt scheint das möglich zu sein. Habe ich etwas missverstanden? Könnten seine Worte anders gemeint sein? Was soll das merkwürdige Geschwafel über ein Mysterium? Warum hatte er das erst gesagt, sich dann aber aus dem Staub gemacht?

Ich gehe die Straße entlang und bewundere die Details der Ausgrabungen, bis ich das Lupanar, ein antikes Bordell, erreiche und eintrete. Welcher hormongesteuerter Junge würde das nicht tun? Schon im Eingangsbereich bleibe ich erstaunt stehen. Nicht aus dem Gefühl irgendeiner Scham oder Schuld, aber da ist ein Fresco des Priapus mit zwei massiven Phalli. Priapus ist der Gott der Fruchtbarkeit.  Ein sehr passendes Bild für den Eingang eines Puffs. Ich betrachte das Bild vom Nahem und bewundere die kolossale Ausstattung des Gottes, als ich eine Stimme höre.

„Du hättest gerne nur einen einzigen dieser Schwänze an oder in dir, nicht?”

Die Stimme ist sanft, aber ich erstarre. Ich drehe meinen Kopf. Da ist er wieder. So nah, dass ich seinen warmen Atem an meiner Haut fühle. Mein Penis spricht darauf an . Ich muss damit leben und höre sein spöttisches Lachen.

„Du und ich”, säuselt er. „Wir werden uns wieder treffen.”

Den Bruchteil einer Sekunde berührt seine Hand meinen Oberschenkel. Teilweise auf der nackten Haut unter dem Saum meiner Shorts. Das reicht, um einen Aufruhr in meinem Inneren zu bewirken.

„Wo? Wann’ keuche ich sehnlich.

„Das Mysterium muss gelöst werden”, flüstert er obskur und ist plötzlich verschwunden.

Diesmal mache ich keinen Versuch ihm zu folgen. Ich gehe durchs Gebäude und bewundere die erotischen Fresken. Es scheint mir, als hätte man hier Jungen und Mädchen kaufen können. Eine Idee, die mir gefällt. Mein Kopfkino springt an.

Sicher mag ich, wie er aussieht und sich gibt. Ich will den jungen Mann, der mich dominiert und diszipliniert, und ich spüre instinktiv, dass er dazu in der Lage ist.  Die langen, engen Lederhosen, die gebräunte Haut, die gut definierten Muskeln, alles spricht für einen jungen Mann, der auf sich hält und weiß, was er wert ist. Ich stelle mir vor, über diesen lederbekleideten Oberschenkeln zu liegen und seine breite, junge Hand gibt mir harte Schläge auf des nackten Arsch. Jetzt klemmt auch noch mein steif gewordener Schwanz in meinen Shorts. Ich muss von oben herein greifen, um ihn neu zu ordnen, gerade als eine sehr vornehme, englische Frauenstimme sich meldet.

„Really! Boys like him should be locked up. – Wirklich! Solche Jungs sollte man einsperren.”

Mit rotem Kopf drehe ich mich um. Ich sehe eine Frau um die sechzig. Sie und ihr Mann sehen sehr erbost aus. Ich hatte die Hand in meinen Shorts und habe sie nicht eintreten sehen. Ich will mich gerade entschuldigen, als ein älterer Kerl mit einem riesigen Schnurrbart und einer roten Säufernase von der anderen Seite kommt und mich wütend anstarrt.

„Wenn ich hier zu sagen hätte, würde ich ihm für dieses Betragen die Peitsche geben.”

Ich denke, die Tatsache, dass er sich eingemischt hatte lässt mich die Entschuldigung für die Lady vergessen.

„Waren Sie nie jung?” frage ich den alten Sack frech.

„Warum, du grüner Junge? Wie kannst du es wagen!”

„Okay, Alter. Wenn du auf diese sexuellen Bilder starren kannst, ohne dass sich etwas in deiner Hose tut, dann bist du es, der ein Problem hat.”, duze ich ihn rüde.

Er stürzt sich auf mich, mit erhobenem Arm. Ich verdrücke mich und zeige ihm den Stinkefinger als Gruß. Hinter mir erschüttert sein ‚Ich werde dich peitschen’ die Grundmauern des antiken Hauses. Auf der Straße laufe ich dem jungen Ledermann direkt in die Arme. Er packt mich am Arm und zieht mich um die Ecke in ein Haus.

„Es scheint so, als wäre die Anziehungskraft beiderseitig”, stellt er fest, während ich mir den Arm reibe. „Vor wem versteckst du dich?”

Ich erkläre ihm die Sache mit der Lady und dem alten Mann.

„…und ein sadistischer alter Knacker droht mir damit, mich zu peitschen”, beende ich wütend meinen Wortschwall.

Und du wolltest das Risiko nicht eingehen?” lächelt er.

„Nicht von ihm”, behaupte ich.

„Ich frage mich…”

„Was?”

Er kommt hinter mich. Seine Genitalien pressen sich gegen meinen  Arsch. Ich kann seine harte Erektion fühlen. Er legt sein Gesicht an meins, und ich fühle die Stoppeln seines Dreitagebarts. Sein Atem ist animalisch heiß. Die Welt hört auf, sich zu drehen. Die Zeit steht still. Absolute Ruhe. Ich spüre nur noch eins, seine starke, männliche Präsenz. Eine Kraft, die ich kaum im Zaum halten kann, die bereit ist, mich mit einer Handbewegung fort zu wischen.

Er nimmt meine Hand und führt sie zu seinem Gürtel. Ich fühle das stabile Leder an meinen Fingern, und mein Penis schreit nach Beachtung.

„Ich bin Diego”, sagt er. „Was weißt du über Leder, Junge?”

„Es sieht wunderbar an dir aus”, antworte ich atemlos. „Ich heiße Theo.”

„Ist schon mal ein Ledergürtel an dir benutzt worden, Theo?”

„Natürlich nicht!”

Ich hätte mir auf die Zunge beißen können. Ich will genau das doch erleben, am liebsten mit ihm, nicht ihn abschrecken. Diego starrt mir lange in die Augen. Erkennt er darin, was ich wirklich will?

„Wie alt bist du, Junge?”

„Neunzehn.”

„Und dein Arsch ist nie geledert worden? Typisch deutscher Junge! Kein Wunder, dass du dich bei der Lady so schlecht benommen hast.”

Ich drehe mich herum und sehe ihn an. Wir stehen nur ein  paar Zentimeter auseinander und starren uns in die Augen. Ein Zauberspruch sexueller Anziehungskraft hält uns lange Minuten bewegungslos. Dann, im Super-Zeitlupen-Tempo, nähert sich sein Gesicht meinem.

Plötzlich weiß ich, was geschehen wird. Kein Mann hat mich bisher geküsst. Die Angst vor etwas Unbekannten und das dringende Verlangen etwas Neues zu erfahren, schwirren in meinem Kopf herum. Aber mein Schwanz regiert die Situation und wartet auf den Moment, bis sein Mund meinen berührt. Der Moment des Kontakts sendet ein anregendes Prickeln von Kopf bis Fuß durch meinen Körper. Ich zittere wie Espenlaub und öffne meine Lippen einen schmalen Spalt.

Der Kuss ist langsam, zärtlich aber doch eindringlich. Als ich mich entspannen kann und Diegos Lippen akzeptiere, wandert eine seiner Hände zu meiner Taille und die andere hinter meinen Kopf. Das kleine, dunkle Haus, in dem wir stehen, schwebt von dannen und öffnet hinter sich eine neue Welt sinnenfreudigen, bisher ungeahnten Entzückens, wie ein Garten mit edlen Rosen, die sich alle im gleichen Moment öffnen.

Ich gebe mich seinen Lippen und seiner Zunge hin. Eine ganze Ewigkeit lang schweben wir frei wie der Wind über unbekannte, mit Sternen übersäte Pfade, bevor wir atemlos und schweigend wieder auf den Boden der Tatsachen kommen. Dann stehen wir noch einige Minuten nur da, halten uns und sehen uns an, bis Diego das Schweigen bricht:

„Ich hole dich vor diesen Eingang hier um fünf Uhr heute Nachmittag ab und nehme dich mit zu mir nach Hause. Wir müssen uns besser kennen lernen, bevor ich etwas mit dir anfange. Verstehst du?”

„Ja”, murmele ich ohne einen Zweifel.

Seine Lippen streichen über mein Ohr und formen einen sanften Kuss auf dem Ohrläppchen, bevor Diego sich förmlich aus dem Haus schleicht. Da stehe ich nun und verharre stumm in gedrückter Stimmung, aber  in Ehrfurcht vor Diegos  Macht über mich.

Schließlich kehre ich doch zurück zu meiner Besichtigung von Pompeii und verbringe den Rest meiner Zeit damit, die Straßen, Häuser, Tempel und öffentlichen Gebäude zu betrachten. Hin und wieder blicke ich auf zu dem Gipfel des Vesuvs, der ruhig und irgendwie fröhlich vor dem tiefen Blau des Himmels steht. Es ist an der Zeit. Ich verlasse Pompeii und warte in einer Mischung aus Nervosität und Erregung vor dem Eingang.

 

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