Das Fleisch ist kalt geworden

Schwule Kurzgeschichten

Ich war müde und ehrlich gesagt ziemlich ungepflegt. Ich hatte am Vortag geduscht und roch mittlerweile stark nach mir: männlich mit so einer scharfen Kante, wie abgeschnittener Bambus. Den ganzen Tag lang hab ich mein graues Hemd und meinen weißen Zara-Pulli getragen, am Morgen haben sie mir noch gefallen, aber nach Sonnenuntergang, der ja schon gegen fünf Uhr nachmittags beginnt, wollte ich nur noch nackt sein.

Meistens ziehe ich schon beim Öffnen meiner Tür meine Mütze und Handschuhe aus, und immer weiter lege ich ein Kleidungsstück ab, bis ich schließlich nackt vor der Badezimmertür stehe und mir kalt ist. Ich genieße die Kälte auf meiner Haut, wie sich meine Härchen aufstellen. Vielleicht sollte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass an diesem Tag Adrian, ein guter Kumpel, der immer einen Spruch drauf hat und egal was immer spitz lächelt, und seine Freundin Jana, die für Mädchen in ihrem Alter (18 Jahre) bereits sehr erwachsen und geil wirkte.
Aber, wie sich dann in der Wohnung, ich bereits halbausgezogen auf dem Flur, herausstellte, war nur Adrian gekommen.

„Jana hat zu tun.“, sagte er während er sich auf seine Unterlippe biss, seinen Oberkörper leicht zur Seite lehnte und seine Hände ineinander legte, als würde er gleich etwas aushandeln wollen. Ich zog mein Tshirt aus und sagte dabei: „Mein Tag war lang und ich will n Film gucken, dann erzähl mir wieso Jana und Du eigentlich vorbeischauen wolltet… Kannst du mir n Stück Fleisch oder so ausm Kühlschrank schnell in der Pfanne machen?“
„Ja, Meister.“, sagte er ironisch und es war klar, dass ich wohl einer der wenigen war, der ihn so anspricht. Sein dunkelbrauner Dreitagesbart schmückte sein Lächeln, das mit dem er sich spaßeshalber „verbeugte“. Ich musterte ihn. Gott musste ihn lieb haben, sein Körper hatte die männliche Schlankheit, aber keineswegs Schlaksigkeit, sodass seine Muskeln noch besser zur Geltung kamen. Er war gute fünf Zentimeter größer als ich (schon immer, als kleine Bengels war das schon so) und damit 1.90. Sein Körper fiel mir vor allem an Tagen wie diesem (lang und stressig) auf, da ich irgendwann Menschen nicht mehr ins Gesicht schaue, da ich meine böse Miene gegen Abend gut genug kenne. Adrians Gesicht war es aber allemal wert angeschaut zu werden. Sein leicht markanter Kiefer und seine niedrige Stirn umrahmten seine meistens leuchtenden braunen Augen, denen Ausdruck von zwei natürlichen und südländischen Augenbrauen verliehen wurde. Deswegen schauten die meisten Menschen, Frauen und auch Männer, errötet zur Seite, wenn er ihnen direkt ins Gesicht schaute, meistens lehnte er sich dabei nach vorne, er war so ein Körperkontaktmensch und hat damit wohl vielen schon falsche Hoffnungen gemacht.
Ich hab nicht wirklich Hoffnungen gemacht, hatte aber immer meine Lust an meinen Fantasien, die ich mir auch unter der Dusche ausmalte, während er an meinem Steak herumbratete.

Ich stelle die Wassertemperatur häufig zu heiß ein, sodass meine Haut anfängt zu jucken und ich mit meinen Händen an meinem nassen Körper entlang schabe und kratze, bis ich von roten Streifen überzogen bin. Das sieht meistens keiner, ich trage ja Klamotten und bin single (seit ich in meiner neuen Wohnung eingezogen bin).
Auch Adrian machte große Augen und ging schnell auf mich zu, als er die langen roten Streifen auf meiner ungewöhnlich weißen Haut sah. (Dank meiner skandinavischen Vorfahren segnete mich eine gesunde Blässe von Kindesbeinen an.)

„Was isn los, Chris? Hast du ne Krankheit oder was?“, mit dem letzten Satz überspielte er seine Sorge geschickt und grinste mich an und trat mir näher.
„Ich bin gesund, mir gehts gut. Das sind Kratzer aus der Dusche.“, antwortete ich.
„Soll ich mal in die Dusche schaun wer dich da so verletzt?“
Dabei legte er seine Hände an meine Oberarme und gab mir einen…. fast mütterlichen Blick. Ich schaute nach unten und sagte: „Essen wir was.“
„Ich hab nur was für dich gemacht.“
„Dann isst du die eine Hälfte.“
Ich ging zum Tisch auf dem mein Essen duftete, nahm ein lange Messer aus dem Holzblock und schnitt das Fleisch in zwei.
„Setz dich, bitte.“
„Gerne.“
Ich nahm einen schlichten Teller aus einem Schrank und stellte ihn vor Adrian. Seine Haare auf Höhe meines Bauchnabels, sein Mund auf Höhe meines Schwanzes, so saß er da und wusste nicht wohin er schauen möchte, auf das Fleisch oder auf das Fleisch?
Ganz so wahr ist das nicht, ich hatte immer noch ein weißes Handtuch um meine Hüfte gewickelt, das sich aber löste als ich mich zum auseinander geschnittenen Fleisch beugte.
„Das macht nichts.“, sagte Adrian ehe ich es wieder zurecht rücken konnte.
„Okay…“, gab ich von mir, bereits ein wenig aufgeregt und erregt, seine Spannung und Lustbesessenheit waren mir nicht entgangen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen