Clownhouse – 1

Schwule Kurzgeschichten

„Verdammt Chris, ich will jetzt endlich nach Hause!“ Nicki bockte mal wieder und schaute mich genervt an. Na ja, ich konnte es ja verstehen. Immerhin hielten wir uns auf diesem Rummelplatz schon über 7 Stunden auf. Und eigentlich wollten wir ja auch schon gehen, als Sahin noch eine Attraktion gesehen hatte.
„Komm Schatz, nur noch dieses eine Mal“, sagte ich ruhig, obwohl ich genau wusste das der Zug bereits abgefahren war. Denn auch die Freundin von Sahin schüttelte den Kopf.
„Ich hab keinen Bock mehr. Lass uns gehen Nicki.“ Belgin packte meine Nicki am Arm und begann bereits sie wegzuziehen.

Sahin und ich guckten uns an und zuckten mit den Schultern. Wir waren zu angetrunken als das wir uns jetzt einfach so den Mädchen fügen würden.
„Ok, ihr geht schon mal nach Hause und treffen uns dann später um noch tanzen zu gehen. Ja?“ fragte Sahin schon fast zu freundlich. Die beiden Mädels drehten sich um streckten beide die Zunge raus und verschwanden im Gewühle des Jahrmarktes.
Da wird wohl heute nichts mehr laufen, dachte ich schon etwas angepisst. Aber was soll’s. Sahin hatte wirklich etwas Cooles gesehen.
„Nun sind sie weg. Also los. Lass uns das Ding näher ansehen“ lallte mein türkischer Freund.
Er hatte beim Weg zum Ausgang nämlich eine ungewöhnliche Schaubude gesehen. Sie hieß „Clownhouse“ und lag ganz abseits hinter den anderen Attraktionen. Fast versteckt und im Dunkeln. Er hatte es auch wirklich nur zufällig entdeckt Das Häuschen glich beim Aufbau dem einer Geisterbahn nur das an den Wänden überall ziemlich verrückt aussehende Clowns aufgemalt waren. Da wir beide auf Horrorfilme standen und solche Streifen mit Killerclowns immer wieder unheimlich fanden, schrie diese Attraktion förmlich nach uns.
Wir ließen den Trubel der Besucher hinter uns und folgten einen kleinen, etwas verschmutzten Pfad zum „Clownhouse“.
„Schon komisch oder?“
„Was meinst du?“ fragte Sahin.
„Wieso ist diese Bude soweit ab vom Schuss?“ ich guckte mich um. „Außer uns scheint sich niemand dafür zu interessieren.“
Wir konnten tatsächlich niemand in unserer Umgebung sehen. Nur noch entfernt klangen Musik, lachen und schreien an mein Ohr.

Sahin zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ist gar nicht offen. Oder Eltern haben sich über die Zeichnungen beschwert weil die Kinder Angst bekommen hatten.“
Das war gar nicht soweit hergeholt. Jetzt, wo wir direkt vor der Clowngeisterbahn standen, sahen die Malereien wirklich gruselig aus. Verschieden geschminkte Clowns zogen Grimassen, erschreckten Männer und Frauen und auch sonst wirkte alles sehr düster. Aber auch verlassen.
Der Eingang lag etwas schräg. Der Wind wehte umliegende Blätter auf und obwohl über dem Eingang ein fahles Licht brannte, schien hier niemand ein Ticket anbieten zu wollen. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir auch dass es schon weit nach 21 Uhr war.
„Tja, da war der Streit mit den Mädels wohl umsonst. Denke das Ding ist zu.“
Sahin machte noch einen Schritt auf den Eingang zu, aber nickte dann auch. „Hast vermutlich Recht. Vielleicht erwischen wir die beiden noch.“

Wir drehten uns um, um wieder den Rückweg anzutreten als hinter uns plötzlich jemand stand. Wir beide schreckten zurück, als die Person eine Taschenlampe anknipste. Es war ein Clown. Und was für einer. Der Typ war bestimmt fast 2 Meter groß. Die Schminke im Gesicht sah nicht fröhlich, sondern eher verstört schräg aus. Sein Oberkörper war frei und selbst im dunklen konnte man die großen Muskeln sehen. Die Hose dagegen war weit und plüschig und wirkte irgendwie unpassend.
Wo kommt der denn her, dachte ich noch als er mit einer sanften Stimme begann zu sprechen.
„Hallo Jungs. Seid ihr bereit für den Trip eures Lebens?“
Sahin und ich guckten uns an. Erschreckt hatte er uns, aber glaubte er wirklich das er uns beiden noch etwas bieten konnte, was wir noch nicht gesehen hatten. Ich glaubte eher nicht.
„Was würde uns denn erwarten, Krusty?“ fragte Sahin mit seiner typischen Art wenn er kurz davor war jemanden auf die Fresse zu hauen.
„Ich bin Leiko und lade euch ein zu einer Reise, die Unheimlich aber voller vergnügen sein wird und vielleicht euer Leben ändert.“ Die Stimme des kräftigen Clowns passte überhaupt nicht zu seinem äußerlichen Bild. Sie war extrem schmeichelnd und hätte er mir eine Versicherung angeboten, hätte die wohl gekauft.

„Bekommen wir unser Geld zurück wenn es nicht so ist?“ wollte der Türke neben mir wissen.
Leiko lachte. „Wenn es euch nicht gefällt was ihr da drinnen erlebt, braucht ihr beim Ausgang nichts bezahlen. Aber wenn ihr wiederkommen möchtet, lasst ihr entweder Geld oder etwas Persönliches da.“
Das klang ziemlich verrückt, aber er war ja auch ein Clown.
„Also Jungs wie sieht es aus? Wenn ihr 18 Jahre seit, tretet ein und erlebt unglaublich Dinge im Clownhouse!“ Erstmals erhob Leiko sie Stimme und dadurch wirkte er gar etwas bedrohlich.
„Keine Sorge wir sind beide über 20. Also gut dann gehen wir mal rein.“ Ich schaute kurz Sahin in die Augen. War da kurz etwas Angst zu sehen? Er folgte mir und so gingen wir die kleinen Stufen zum Eingang hinauf. Mit quietschenden Schritten folgte uns Leiko, überholte uns und öffnete den steifen und verdreckten Vorhang, der von unten noch wie eine Tür ausgesehen hatte.
„Tretet ein und macht euch auf etwas gefasst.“ Er grinste hämisch und seine Brustmuskeln zuckten vor Aufregung.

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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