Bottle Spin

Schwule Kurzgeschichten

Dieses Jahr im Sommer, ein paar Wochen vor den Sommerferien, haben meine Eltern spontan ein Wochenendurlaub gebucht und haben mir noch spontaner überhaupt Bescheid gesagt.

Ich war zwar im Sommer noch 17, jetzt 18 – aber trotzdem bin ich ungerne längere Zeit alleine zu Hause. Das hat viel weniger was damit zu tun, dass ich Angst hätte, sondern vielmehr damit, dass ich einfach gerne Leute um mich rum habe.

Also – sofort Aufruf in der whatsapp-Gruppe von meinen Kumpels gestartet. Yes, drei von vier kommen. Passt mir gut, die Nummer 4 ist mir nämlich am wenigsten sympatisch.

Nach wenigen Minuten bekomme ich eine Nachricht von Tobi. Ich konnte mir eigentlich genau vorstellen, was drin steht: Tobi ist mein bester Kumpel und wenn wir zusammen wohin gehen oder wir hier was feiern, kommt meistens parallel zur Einladung folgende Frage: „Ey, meinst du ich kann danach bei dir pennen? Ich komm‘ ja mim Auto, da kann ich nicht mehr fahren, wenn ich en Bier oder so getrunken hab.“ Und selbstverständlich kommt immer die selbe Antwort: „Yes, kein Problem.“

Mittlerweile haben wir uns auch total dran gewöhnt in meinem Doppelbett zu pennen, welches nur 1,20m Breite misst. Er ist nicht schwul, ich bin nicht schwul, wir wollen beide nur pennen – So lief das immer.
Wir haben erst Vormittag, ich war aber schon seit 8 Uhr wach, weil die Hitze tagsüber wieder so unerträglich werden sollte, und ich es eigentlich lieber etwas kühler habe, so konnte ich wenigstens einmal das Haus durchlüften. Ich mochte die Lichtstimmung in unserem Haus im Sommer. Da die meisten Fenster zur Südseite gerichtet sind, lasse ich die Jalousien meistens beinahe komplett herunter, auch tagsüber. Durch die Schlitze fallen dann die hellen Sonnenstrahlen und es bleibt angenehm kühl. Mein Zimmer betrete ich im Sommer tagsüber überhaupt nicht. Es ist relativ klein, liegt unter’m Dach und ebenfalls auf der Südseite. Ich denke, ich muss nicht erklären, welche Temperaturen da im Sommer herrschen. Ich ging kurz in den Keller und nahm‘ mir ne kalte Coke aus’m Kühlschrank, nahm‘ meine Kopfhörer aus dem Wohnzimmer und meine Sonnenrille und setzte mich auf die Terasse. Ich war unfassbar gut drauf – ich hatte Wochenende und nichts für die Schule zu erledigen, weil das Schuljahr inoffiziell sowieso gelaufen war und die Lehrer offensichtlich noch weniger Bock auf Unterricht hatten, als die Schüler. Dazu ein wirklich sahniges Wetter, keine Eltern im Haus und in ein paar Stunden kommen meine Kumpels und wir Grillen. Ein Sommertag, wie aus dem Bilderbuch.

Ding Dong! – ‚Oha, was war jetzt?‘, dachte ich. Mein Gehirn war wieder schneller wach, als meine Sinnesorgane. Aha – Augen auf: Ich liege immernoch im Liegestuhl, Aha – ich hab wohl gepennt. Auf der Liegestuhlauflage ist ein Sabberfleck, meine Kopfhörer sind aus meinen Ohren gerissen und hängen von der Liege runter. Ich brauchte ein paar Sekunden, um mich wieder zu sortieren – ich war es wirklich nicht gewöhnt tagsüber zu schlafen. Ding Dong! ‚Achja, shit, da war ja was!‘.

Ich stand vom Liegestuhl auf, wischte mir über den Mund und ging durch die Terassentür ins Wohnzimmer. Ich konnte bereits auf die Haustür blicken und sah‘ durch das Milchglas zwei Silhouetten.
„Eyo, Klingel dann doch mal gehört?“ Erik kam die Tür rein, gefolgt von Jan, der lachen musste. „War eingepennt, ist mir noch nie passiert“, sag ich und erschrecke mich selber, wie verpennt ich noch klinge. Scheint dem Rest wohl nicht aufzufallen. „Hast du was zu trinken? Es ist so scheiße heiß draußen, ich verdurste“ meint Jan. „Coke? Bier? Wasser?“ „Coke.“ sagen Erik und Jan fast gleichzeitig. Daraufhin mussten wir wieder lachen, ich ging in den Keller zum Kühlschrank und holte nochmal drei Dosen raus.
Wir lachen allgemein viel. Eigentlich lachen wir allgemein über jeden Müll. Aber man kennt das ja, wenn man sich wirklich gut versteht, teilt sich irgendwann der Humor. Ich bin generell ziemlich stolz auf diese Freundschaften. Tobi ist nur mein bester Kumpel, weil ich ihn schon am längsten kenne, aber eigentlich sind wir alle so dicke miteinander, dass wir uns alle eher wie Geschwister fühlen.

Erik und Jan sind beide erst 17, Tobi ist 18. Wir gehen alle in die selbe Klasse, Tobi und ich haben es nur geschafft in der 8. Klasse erfolgreich sitzen zu bleiben. Als ich wieder aus dem Keller hochkomme, gehe ich wieder den Weg zurück – Kellertreppe, Flur, Wohnzimmer, Terasse. Im Flur bleibe ich kurz stehen, Blick in den Spiegel, Katastrophe. Schnell versucht, die Haare richtig zu legen, keine Chance, drauf geschissen. Erik und Jan ziehen gerade den Grill aus der Garage. Eigentlich sind wir nicht nur Brüder, nein, wir wohnen eigentlich auch zusammen. Zumindest haben wir manchmal das Gefühl.

Als ich auf die Terasse trete, kommen beide hergerannt und stürzen sich auf die Getränkedosen. Es war wirklich unnormal heiß. Selbst im Schatten war es fast schon zu heiß, außerhalb der Markise wollte man sich sowieso nicht aufhalten, war mir also recht, dass Erik und Jan den Grill schon rausgezogen haben.
Ding Dong! – Yea, Tobi kommt für seine Verhältnisse auch mal pünktlich. Terasse, Wohnzimmer, Flur. „Yoyo, alles fit?“. Tobi kam nicht halb so verschwitzt und erschöpft hier an wie Erik und Jan – Noch ein Grund, wieso es wirklich beneidenswert ist, dass er Auto fährt.

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Hi! Ich habe im Moment nicht viel zu sagen. :-)

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