Blind Date

Schwule Kurzgeschichten

Ich hatte mich verliebt, und zwar über beide Ohren. Es war zwar nicht das erste Mal in meinem Leben, dass mir das passiert war, aber zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass es sich um eine hoffnungsvolle Liebe handelte.

Halt… Vielleicht war das jetzt ein zu kitschiger Einstieg für eine Geschichte. Ich sehe schon den einen oder anderen Leser vor lauter Schmalz mit den Augen rollen. Ich muss auch zugeben, die Sache hatte einen dicken Haken. Aber bevor ich euch mehr dazu erzähle, möchte ich mich doch noch kurz vorstellen.

Mein Name ist Jonas, zum Zeitpunkt der Geschichte war ich 18 Jahre alt und Gymnasiast im Heisenberg-Gymnasium in Bruchsal, meiner Heimatstadt. Ich war leidenschaftlicher Fußballer und kickte für die A-Junioren beim 1. FC Bruchsal, war allgemein beliebt, und ich hatte ein Geheimnis. Ich war schwul, und zwar mit den drei ‚U‘: Ungeoutet, unberührt, unglücklich. Obwohl meine Tage mit guten Freunden und Sportkameraden meistens ausgefüllt waren, fühlte ich mich auf eine emotionale Art einsam und unverstanden. Tagsüber und an den Wochenenden war ich der normale und meistens auch lustige Jonas, der einigermaßen attraktiv war und oft belächelt wurde, wenn er eine eindeutige Anmache von einem Mädchen auf ungeschickte Art versemmelte (’so bekommst du nie eine ab‘, hörte ich oft). Abends und Nachts, wenn ich alleine war, durchstöberte ich dagegen das Internet nach allem, was mit dem Thema ’schwul‘ zu tun hatte. Sei es, um meine eigene Identität zu ergründen, oder einfach nur, um mich aufzugeilen.

In diesen Zeiten hatte ich mir auch in einigen Dating-Portalen Profile angelegt, um mich auszutauschen, einen Freund zu finden, oder endlich mein heiß ersehntes Erstes Mal zu verwirklichen. Unter anderem hatte ich mich auch bei einem Portal, das auf junge Schwule als Zielgruppe abzielte, angemeldet. Und hier beginnt meine Geschichte.

Na gut. Jetzt habe ich mich so verplappert, da fange ich am besten noch mal von vorne an: Ich hatte mich also verliebt. Es war zwar nicht das erste Mal in meinem Leben, dass mir das passiert war, aber zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass es sich um eine hoffnungsvolle Liebe handelte. Das Problem war nur, dass die Sache einen Haken hatte. Ich hatte meinen Liebsten bis zu diesem Dienstag, dem 10. Oktober 2017 nämlich noch nie gesehen. Am Donnerstag zuvor war ich in dem oben erwähnten Dating-Portal von ihm angeschrieben worden. Heartbreaker-KA nannte er sich, und seine erste Mail an mich bestand aus dem kreativen Spruch: ‚Na du?‘

Aus dieser blöden Anmache entwickelte sich während der nächsten Tage ein launiges hin und her. Heartbreaker-KA’s Profilangaben waren für mich sehr ansprechend: 18 Jahre, blonde Haare, braune Augen, sportliche Figur. Dazu kam er laut Profil aus derselben Region wie ich. Beim Chatten erfuhr ich, dass dieser Heartbreaker den bürgerlichen Namen Felix trug und aus Mingolsheim kam, keine 10 Kilometer von Bruchsal entfernt, und in Östringen aufs Gymnasium ging.

Ich muss nun zugeben, bei meinen eigenen Angaben flunkerte ich dann ein bisschen. Die Angst, irgendwie zu viel über mich zu verraten und dadurch aufzufliegen, saß mir ständig im Nacken, wenn ich mich in diesen Foren bewegte. Ich nannte Felix zwar meinen richtigen Vornamen, den mein Profilname ‚Jonny99‘ schon andeutete, behauptete aber, ich käme aus dem Nachbardorf Heidelsheim und ginge aufs Schönborn-Gymnasium. Das klingt jetzt sicher schizophren. Aber ihr müsst verstehen, dass ich in einem Umfeld groß geworden war, wo immer eine unterschwellige Homophobie spürbar war, und das hatte mich geprägt. Da war ich lieber doppelt und dreifach vorsichtig.

Zumindest fand ich zu Felix schnell einen fantastischen Draht. Wir quatschten über unsere Sorgen und was uns bedrückte (Felix war genauso ungeoutet und verunsichert wie ich), machten Späße miteinander, erzählten uns unsere sexuellen Träume, und dreimal hatten wir auch ganz schön schmutzig hin und her geschrieben, was wir miteinander machen würden, wenn wir uns mal träfen. Dabei gab es immer den Running-Gag mit den Fotos. Klar wollte jeder wissen, wie der andere aussieht. Aber wir waren beide so gehemmt, dass sich keiner traute, sein Bild zu verschicken. Anfangs war das zwar noch peinlich, aber mit der Zeit machten wir uns einen Spaß daraus und ließen uns immer blödere Ausreden einfallen, warum es mit dem Bild gerade nicht ginge.

So lief das also mit mir und Felix. Freitags, samstags und sonntags saß ich stundenlang an meinem Laptop, um mit Felix zu schreiben. Und als die neue Woche kam, wo wir beide von der Schule her ausgelastet waren, hatten wir beschlossen, uns die App des Forums aufs Smartphone zu laden, um auf diese Weise weiter zu kommunizieren, wenn sich zwischendurch die Zeit ergab. Und auch diese Möglichkeit nutzten wir vor allem am Montag ausführlich. Spätestens an jenem Dienstag, den 10. Oktober, war es soweit, dass ich mich in Felix verliebt hatte, und ich hatte das Gefühl, Felix ging es nicht anders. Es geschah dann in der kleinen Pause um 15:30 Uhr.

Das war sowieso jedes Mal ein witziges Bild. Während in den Pausen morgens die Schüler noch viel miteinander redeten und sich austauschten, sah es mittags ganz anders aus. Sobald die Glocke läutete, wurden die Handys gezückt und wild darauf herum gehämmert. Ich saß da also neben Niclas, meinem besten Freund, an der Schulbank, und wie die meisten unserer Schulkameraden versank jeder von uns in seiner eigenen Welt mit dem Blick auf das Display.

Ich hatte so eine leise Ahnung, dass Niclas mal wieder versuchte, ein Mädchen klar zu machen. Ich selbst wollte gerade über die App an Felix schreiben, da kam mir mein geheimnisvoller Schwarm schon zuvor:

Heartbreaker-KA: Hast du auch Pause?

Jonny99: Ja 🙂

Heartbreaker-KA: Super. Ich möchte dich gerne mal treffen. In echt.

Jonny99: Ich dich auch.

Heartbreaker-KA: Heute noch? 😉

Auf einmal bekam ich richtiges Herzrasen. So weit waren wir noch nie gegangen.

Jonny99: Schlecht. Bei mir geht’s erst so ab 20:30 Uhr.

Heartbreaker-KA: Ist doch perfekt. Früher geht’s bei mir auch nicht. 😉

Mir wurde heiß und kalt.

Jonny99: Na dann :-D. Und wo treffen wir uns?

Heartbreaker-KA: Puh… Mal sehen… Du wohnst in Heidelsheim, ich in Mingolsheim… Wie wärs in der Mitte?

Mir kam eine Idee.

Jonny99: Wir können uns ja in Bruchsal vor dem Memory-Café treffen und dort etwas trinken. Hat eine schöne Atmosphäre.

Heartbreaker-KA: Klingt gut. Und wenn wir dann noch Lust haben, können wir anschließend zu mir gehen, uns vernaschen. Hab nämlich bis nach Mitternacht sturmfrei 😀

Jonny99: Yeah 😀 😀 :-D. Und wie erkennen wir uns?

Heartbreaker-KA: Schick mir doch ein Bild 😉

Ich lachte leise vor mich hin. Er versuchte es schon wieder. Es war zwar schon fast lächerlich, aber ich traute mich immer noch nicht, ein Foto von mir zu versenden.

Jonny99: Ich würde gern ein Selfie für dich machen. Aber auf meiner Cam sitzt ne Fliege…

Heartbreaker-KA: *lol* Depp!!! Im Ernst: Halt einfach Ausschau nach nem blonden unfassbar süßen Kerl direkt neben dem Eingang, der dasteht wie bestellt und nicht abgeholt. Ich schreib dir auch, wenn ich da bin.

Jonny99: Super, passt 🙂

Heartbreaker-KA: Muss dann raus. Bis später, Spätzchen 😉

Jonny99: Freu mich drauf. Bis heute Abend… ähäm… Spätzchen 😀

Im nächsten Moment wurde Felix als Offline angezeigt und meine Gefühlswelt stand auf dem Kopf.

Kurz nach mir steckte auch mein Kumpel Niclas sein Smartphone in die Tasche. Mein Honigkuchenpferd-Grinsen schien ihn anzustecken: „Da ist ja einer gut gelaunt.“

„Vielleicht hab ich mir ja gerade ein Date an Land gezogen. Für heute nach dem Training“, grinste ich ihn an.

„Kenne ich die?“

„Nein. Und bevor du weiter bohrst – ich zeige dir auch kein Bild von ihr. Vorher will ich erst mal Nägel mit Köpfen machen.“

Wir lachten uns beide über meine Reaktion an, so vertraut, wie es nur beste Freunde können. Wie Niclas wohl geschaut hätte, wenn ich ihm gesagt hätte, dass es sich bei meinem Date um einen Jungen handelte? Und am Besten noch den Fakt, dass ein Grund, warum ich in Felix so verschossen war, die Tatsache war, dass er laut seinen Profilangaben Niclas ähnelte. Niclas, der insgeheim bis vor wenigen Tagen meine einzige große Liebe war.

Die letzte Schulstunde zog sich dann noch einmal wie Kaugummi. Wie meistens dienstags und donnerstags, wenn wir bis 16:20 Uhr Schule hatten und um 18 Uhr schon wieder Fußballtraining, gingen Niclas und ich dazwischen gar nicht mehr nach Hause. Wir schlappten in die bruchsaler Fußgängerzone, aßen im Thai-Imbiss einen Happen und schlugen noch ein bisschen die Zeit tot, ehe wir zum Fußball gingen.

Natürlich stichelte Niclas wieder wegen meinem Date, während wir uns in der Fußgängerzone etwas planlos die Füße vertraten: „Willst du mir nicht doch ein bisschen was von deiner Perle erzählen?“

„Nee. Erst mal nicht.“

Beim Gehen zwickte mir Niclas freundschaftlich in den Nacken: „Schon gut… Ähm… Und woher kennst du sie?“

Ich musste lachen, wie er auf seine witzige Art nicht locker ließ: „Ist ’ne Internetbekanntschaft, und wir treffen uns heute zum ersten Mal.“

„Oha. Ein echtes Blind Date. Das klingt ja spannend. Dann lass dir mal von einem erfahrenen Casanova ein paar Tipps geben, wie du gut rüberkommst.“

„Mann, Niclas. Deine Beziehungen halten doch höchstens zwei Wochen. Glaubst du echt, dass mir deine Ratschläge da weiterhelfen, wenn ich etwas langfristiges aufbauen will?“

Niclas lachte sein wundervolles Lachen, in das ich schon seit vier oder fünf Jahren verliebt war, und das schon so viele Mädchenherzen gebrochen hatte: „Das ist ein gutes Argument. Aber eines musst du mir versprechen.“

„Was?“

„Wenn das zwischen euch heute funzt, musst du sie mir vorstellen, und dir meinen Segen abholen.“

„Deinen Segen kannst du dir sonst wo hin stecken“, lachte ich. Aber ich stellte mir in diesem Augenblick ernsthaft die Frage, ob ich Felix und Niclas bekannt machen wollte, wenn es mit Felix klappte. Das Risiko erschien mir zwar groß, dass unsere Freundschaft an diesem Outing zerbrechen könnte, aber auf der anderen Seite hatte ich auch Hoffnung. Denn meine Freundschaft mit Niclas war sehr stark. Außerdem war Niclas der einzige aus meinem Freundeskreis, von dem ich nie mitbekommen hatte, dass er Worte wie ’schwul‘ und ‚Schwuchtel‘ als Beleidigung benutzt hatte.

‚Erst mal abwarten, was der Abend mit sich bringt, und dann sehen wir weiter‘, dachte ich mir.

Während dieser Zeit hörte ich wenig von Felix. Nur kurz bevor wir aus dem Thai-Imbiss gingen, und ich noch auf die Toilette ging, schrieb ich am Waschbecken: ‚Ich freu mich schon auf später‘, was postwendend mit einem ‚Und ich erst‘ beantwortet wurde.

Als wir schon aufs Trainingsgelände gingen, wo sich einige unserer Mannschaftskollegen tummelten, und ich alle paar Meter mein Smartphone zückte, aus Angst, etwas zu verpassen, rempelte mich Niclas an: „Alles in Ordnung bei dir?“

„Ich bin nur nervös wegen dem Date“, gab ich zu.

„Ach was. Das schaffst du schon.“

‚Na hoffentlich‘, dachte ich mir. Langsam flatterten nämlich die Schmetterlinge in meinem Bauch.

Nun war es schon 17:55 Uhr. Niclas und ich standen mit anderen Team-Kameraden auf dem kleinen Betonweg zwischen dem Trainingsplatz und dem bunker-artigen Flachbau der Umkleidekabine. Manche waren schon in den Trainingsanzügen gekommen, andere, wie Niclas und ich, trugen Straßenkleidung. Wir waren mächtig am tratschen und am lästern über unsere ewigen Rivalen, den SV Hambrücken, gegen die wir am nächsten Wochenende spielten, da kam endlich auch Coach Heidmann angeschlappt.

„Maxim, Jonas, Ömer, kommt ihr mal mit und helft mir, ein paar Sachen aufzubauen. Und die anderen bewegen ihren faulen Hintern in die Kabine. Ihr könntet schon längst umgezogen sein.“

Es wurde durcheinander gemurmelt, und die Bitte, die der Coach auf seine unnachahmliche liebenswerte Art gestellt hatte, wurde ausgeführt.

Niclas und die anderen verschwanden in der Umkleide, während ich gemeinsam mit Ömer und Maxim dem Coach zum Geräteschuppen folgten.

Gerade, als wir beim Aufstellen eines Konditions-Parcours waren, und ich dabei war, Pylone zu verteilen, spürte ich den Vibro-Alarm meines Smartphones in der Hosentasche.

Klar war ich neugierig genug, um das Gemotze vom Coach in Kauf zu nehmen, und ich zückte das Handy, während ich einhändig weiter Hütchen aufstellte.

In der Kopfleiste des Displays war wieder das Gay-App-Symbol, und ich rief es mir direkt auf.

Heartbreaker-KA: Das bleibt doch dabei heute Abend. Oder?

Das Tippen war zwar nun etwas ungeschickt, aber im Leben hätte ich Felix nicht warten lassen.

Jonny99: Na klar, Blondie. Kann jetzt aber nicht schreiben. Bin im Fußballtraining.

Der Coach moserte schon: „Mann Jonas, jetzt steck das Ding weg und konzentriere dich auf deine Arbeit.“

„Jaja, Coach“, nörgelte ich, steckte aber mein Smartphone wieder zurück in die Tasche.

„Ihr jungen Leute, und eure Handys…“

Ich spürte zwar noch einmal das vibrieren meines Smartphones in der Tasche, aber dieses Mal ließ ich es stecken. Das Training schien heute hart genug zu werden. Da hatte ich auf Strafrunden keine Lust.

Als wir fertig damit waren, Hütchen, Matten und Hürden über den gesamten Platz zu verteilen und ich mir schon über den Muskelkater des folgenden Tages bewusst war, kamen meine Mannschaftskameraden bereits in Trikots und mit Kickschuhen an den Füßen raus aus der Kabine, während Ömer, Maxim und ich gerade erst hinein gingen. Während wir drei uns sputeten, in unsere Fußballwäsche zu kommen, zückte ich noch einmal das Handy, um Felix‘ verpasste Nachricht zu lesen.

Heartbreaker-KA: Ohaaaa. Ich steh voll auf Fußball-Jungs!

Lachend schlüpfte ich in mein Trikot und verschnürte die Schuhe. Im letzten Moment, als meine beiden Kameraden schon auf dem Sprung waren, konnte ich es doch nicht mehr lassen. Ich holte noch einmal das Smartphone aus der Sporttasche, machte ein Selfie von mir, breit grinsend im 1. FC Bruchsal Trikot und schickte es Felix als Appetithappen zu.

Ömer und Maxim lachten zwar über diese Selfie-Aktion mit einem ‚Was-treibt-der den-da?‘ Grinsen, aber ich ging dann ziemlich zufrieden mit mir selbst raus auf den Platz, um mich gemeinsam mit meinem Kumpels vom Trainer plagen zu lassen.

Das Training war dann wirklich hammerhart, und als wir fast zwei Stunden später wieder zurück in die Kabine gingen, taten mir alle Muskeln weh. Aber egal. Ich war jetzt schon auf Felix‘ Reaktion auf das Foto gespannt. Noch im Sportdress und verschwitzt holte ich wieder das Handy raus. Aber was dann geschah, war schon fast ein Schock… Felix hatte nämlich gar nicht darauf reagiert, und das, obwohl mir das Bild selbst gut gefiel. War ich nicht gut genug für ihn? Aber im nächsten Moment löste sich der Stein von meinem Herzen. Die Nachricht mit der Bilddatei war nämlich als von Felix ungelesen angezeigt. ‚Puh… Bin ich dünnhäutig‘, dachte ich über mich selbst.

Unter der Dusche kam die Vorfreude auf das Date nach dem Bild-Schock dann wieder zurück. Kein Wunder, wenn man sich einen kleinen, durch das Duschwasser aufgeheizten Raum mit 17 knackigen, nackten Jungs teilt. Heute, hoffentlich keine Stunde mehr von meinem Ersten Mal getrennt, war ich besonders geil, und es kostete mich besonders viel Selbstbeherrschung, keinen Harten zu bekommen. Aber auch diese Hürde meisterte ich.

Nun folgte wieder etwas ganz Typisches. Nachdem wir aus der Dusche herausgekommen waren, und bevor wir überhaupt in unsere Kleidung schlüpften, zogen so gut wie alle meiner Mannschaftskameraden wie Junkies ihre Smartphones. Man hätte ja in den letzten zwei Stunden etwas weltbewegendes verpasst haben können.

Natürlich war auch ich wieder bis zum Zerreißen gespannt. Aber immer noch keine Antwort von Felix. Als ich das Gerät gerade wieder in die Hose, die neben mir auf der Bank lag, stecken wollte, summte der Vibro-Alarm doch noch.

‚Na Eeeeeeeendliiiiiiich‘, ging es mir erleichtert durch den Kopf, aber als ich die App öffnete, gefror mir mein Lächeln auf den Lippen ein.

Heartbreaker-KA: Bei mir klappts heute doch nicht. Ich denke, wir passen nicht zu einander. Alles Gute. Felix.

‚Du‘ hatte ich gerade noch eintippen können, da wurde Felix als Offline angezeigt, und ich legte verstört wie noch nie in meinem Leben mein Smartphone zur Seite.

Justin, unser untalentierter, aber ebenso beinharter Linksverteidiger, war der Erste, der meine entglittenen Gesichtszüge bemerkt hatte: „Hey Jonas… Ist alles in Ordnung mit dir?“

Ich versuchte mir ein Lächeln auf die Lippen zu zwingen und schaffte es dabei kaum, meine Tränen zu unterdrücken: „Alles Bestens.“

Nun waren alle Augen auf mich gerichtet, wie ich als kleines Häuflein Elend gerade meine Unterhose hochzog.

„Hab eben gerade einen Korb für ein verabredetes Date bekommen“, schob ich als Erklärung hinterher und erntete ein allgemeines tröstliches Gemurmel.

„Du und dein Pech mit Mädels“, gab mir Ömer plump-mitfühlend mit auf den Weg, und ich nickte ihm verkniffen zu.

Jetzt war auch Niclas zu mir gekommen. Er legte mir einfühlsam einen Arm um die nackte Schulter: „Das tut mir echt leid, Jonas.“

„Danke.“

Ein kurzes Schweigen, dann schlug Niclas vor: „Weißt du was? Wir zwei gehen jetzt zu mir heim und machen uns einen schönen entspannten Jungs-Abend, damit du auf andere Gedanken kommst.“

„Ich weiß nicht. Hab eigentlich keinen Bock drauf“, jammerte ich.

„Pah, keine Widerrede“ – Niclas drückte seinen Griff ein bisschen fester und rang mir damit ein müdes Lächeln ab.

„Na gut. Aber allzu lange werde ich nicht durchhalten.“

So machten wir es auch. Der Weg zu Niclas führte uns knappe 15 Minuten lang durch Bruchsal, und weil das Schicksal einen kranken Humor hatte, auch am Memory-Café vorbei, wo ich mich mit Felix treffen wollte. Mit einer verzweifelten Hoffnung schaute ich zum Eingang und hoffte auf einen blonden, süßen Kerl, der dort stand, wie bestellt und nicht abgeholt. Aber natürlich war da außer einem Rauchergrüppchen niemand.

Den Weg zu Niclas‘ Elternhaus legten wir fast komplett schweigend zurück. Ich war Niclas dankbar, dass er auf blöde Frauenhelden-Weisheiten, die mir nicht weiterhalfen, verzichtete. Denn das Schweigen empfand ich als eher tröstlich.

Im Haus war alles dunkel, als wir ankamen. Obwohl Niclas‘ Eltern nicht zuhause waren, und wir das Haus für uns alleine hatten, führte mich Niclas hoch in sein Zimmer, wo wie immer ein liebenswertes Wohlfühl-Chaos herrschte. Ohne dass er mich aufforderte, setzte ich mich aufs Bett, und Niclas ging vor mir in die Hocke und musterte mich mit seinen charismatischen braunen Augen: „Möchtest du mit mir darüber reden?“

„Ich möchte mich lieber bis ins Koma besaufen.“

Niclas lachte auf seine ansteckende Art: „Das machen wir am Samstag, wenn wir gegen Hambrücken gewonnen haben.“

Ich lachte doch wieder mit, obwohl ich es nicht wollte. Dann atmete ich tief durch: „Weißt du? Ich hatte jetzt zum ersten Mal jemanden gefunden, wo ich das Gefühl hatte, glücklich werden zu können. Die ganzen Tage hatten wir so toll geschrieben, und auf einmal kommt so ein scheiß Satz – ‚Ich denke, wir passen nicht zusammen. Alles Gute‘.“

„Ich kann dich gut verstehen, Jonas.“

„Ach was“, lederte ich, einmal in Fahrt gekommen, los. „Du mit deinem Frauenverschleiß verstehst GAR NICHTS. Du bist doch selber auch so ein Herzensbrecher. Mann Niclas, kannst du mir sagen, was mit mir nicht stimmt? Seh ich vielleicht scheiße aus? Oder komm ich rüber wie ein Idiot?“

Wieder spürte ich, wie sich meine Augen mit Tränen füllten, aber dieses Mal tat es gut, Niclas als Blitzableiter zu haben.

„Du bist kein Idiot, Jonas. Und du siehst gut aus. Glaub’s mir. Warte mal. Ich hole uns jetzt was zu trinken, und dann zeig ich dir etwas.“

„Na da bin ich mal gespannt“, nörgelte ich.

Während Niclas das Zimmer verließ und ich hörte, wie er die Treppen hinunter ging, legte ich mich auf seinem Bett mit hinter dem Kopf verschränkten Armen zurück und versuchte, meine Gedanken zu sortieren. Da vibrierte mein Smartphone in der Tasche. Ich hatte erst gar keine Lust, es überhaupt rauszuholen, tat es dann aber doch. Und wieder war es diese verfluchte App, über die ich benachrichtigt wurde.

Heartbreaker-KA: Ich bin ein Idiot. Kannst du mir verzeihen?

Ich hatte gerade beschlossen, auf diese Anschrift gar nicht zu antworten, da vibrierte das Samsung in meiner Hand schon wieder. Dieses Mal war es eine Bilddatei. Ich erkannte auf dem Selfie das Esszimmer im Hintergrund mit der auffälligen Glasvitrine sofort, schließlich war ich fünf Minuten zuvor selbst durchgegangen. Felix… nein… Niclas schmollte mit mitleiderregendem Dackelblick in die Kamera und hielt in seiner freien Hand ein kariertes Din-A4 Blatt vor die Brust, auf das er sichtbar eilig mit Edding ‚Tschuldigung‘ gekritzelt hatte. Ich war wie vor den Kopf gestoßen und starrte ungläubig das Display an, ehe ich mich zusammenriss und ‚Schlepp deinen verdammten Arsch hier hoch‘ eintippte.

Sekunden später war wieder das Tappen von Füßen auf den Treppenstufen zu hören, kurz bevor Niclas verlegen lächelnd mit einer gewaltigen Portion schlechten Gewissens in die Augen durch die Tür trat. Vorsichtig setzte er sich neben mich aufs Bett und starrte auf den Boden zwischen seinen Füßen.

„Dann hast du mich die ganzen letzten Tage nur verarscht?“, fragte ich bitter. Die einzige logische Erklärung, die sich für mich ergab, war nämlich, dass Niclas irgendwie herausbekommen hatte, dass ich mich in diesem Portal herumtrieb, und das Felix-Profil angelegt hatte, um mich auszuhorchen.

„Ich wollte dich doch nicht verarschen“, antwortete Niclas beschwörend. „Woher hätte ich denn wissen sollen, dass du das bist? Jonas aus Heidelsheim… Vom Schönborn-Gymnasium.“

„Schon gut… Felix aus Mingolsheim.“ Ich atmete tief durch. „Und wieso hättest du dich sonst unter falscher Identität im Schwulenforum herumtreiben sollen?“

„Na warum wohl… Ich schätze, aus demselben Grund wie du.“ Pause. „Ich hab vorhin echt ’ne Panik bekommen, als ich dein Bild bekommen habe. Ich weiß, dass ich mies reagiert habe. Kannst du mir verzeihen?“

Endlich konnte ich wieder lächeln: „Mies ist gar kein Ausdruck. Du hast deinem Nickname alle Ehre gemacht. Aber ich verstehe immer noch nicht, wieso du dich an mich ran gemacht hast. Du bist doch nicht schwul.“

„Doch.“

„Nein. Du bist ein unverbesserlicher Weiberheld!“, fauchte ich ihn an.

„Hast du dir mal überlegt, warum ich so bin?! Wenn ich ab und zu mal ein Mädchen abschleppe, kommt niemand auf die Idee, dass ich schwul sein könnte. Ich zieh die Linie halt durch. Aber Spaß hab ich keinen dran.“

„Das ist ja eine Super-Taktik.“, murmelte ich sarkastisch.

„Naja, besser als aufzufliegen. Und deine Taktik als Liebestollpatsch ist auch nicht viel besser.“

„Ich breche zumindest keine Herzen.“

„Hast ja recht.“

Ein unangenehmes und doch irgendwie reinigendes Schweigen trat ein, bevor ich eher zu mir selbst „Was für ein Reinfall“, murmelte.

„Meinst du?“

Ich schielte mit gerunzelter Stirn zu Niclas: „Du nicht?“

„Hmmm… Jetzt wo wir schon mal hier sind, könnten wir doch mal versuchen…“ – Niclas redete nicht weiter, aber er schaute mich nun mit seinem verschmitzten Lächeln an, das ich an ihm so liebte.

„Nur wenn du mir versprichst, dass du mir nie mehr das Herz brichst.“

„Versprochen. Die Herzensbrecher-Zeiten sind ab heute Geschichte.“

„Ich nehm dich beim Wort.“

Eine seltsame Atmosphäre lag nun in der Luft. Schüchtern wie nie zuvor schauten wir uns nebeneinander sitzend in die Augen, und Niclas begann ungelenk mit seinen Fingerrücken meinen seitlichen Bauch durch das T-Shirt zu streicheln. Die Situation war so unwirklich, dass ich zwar versuchte, mein überraschtes Lachen zu unterdrücken, aber es entwich mir dann doch als unartikuliertes Grunzen. Niclas‘ Lippen begannen durch dieses Geräusch breit zu grinsen und seine Augen drückten ‚Komm, mach mit‘ aus.

Okay. Ich machte mit und streichelte Niclas genauso angespannt und ungelenk, wie er mich, am Bauch. Diese Momente waren viel zu skurril, um irgendwie erotisch zu sein. Und trotzdem waren sie magisch. Sowohl Niclas, als auch ich waren uns bewusst darüber, dass wir soeben eine Rote Linie überschritten hatten, und dass ab sofort nichts mehr sein würde, wie zuvor. So langsam gelang es uns auch, uns fallen zu lassen. Niclas‘ Gesicht näherte sich meinem, und im nächsten Moment lagen die Lippen meiner Träume auf meinen. Wie oft hatte ich mich schon gefragt, wie sich Niclas‘ Lippen wohl anfühlten. Jetzt erfuhr ich die Antwort: Ein klein wenig spröde, aber trotzdem weich und sinnlich. Ich war gerade voll darauf konzentriert, dieses neuen Gefühl zu verarbeiten, da kitzelte Niclas‘ Zunge frech an meinen geschlossenen Lippen. Gemeinsam kicherten wir dumpf an die Lippen des anderen, dann hatte ich Niclas‘ Zunge in meinem Mund. Zärtlich erforschte seine Zungenspitze meine Mundhöhle und spielte mit meiner Zunge. Ich musste dabei an die Sprite denken, die Niclas nach dem Training getrunken hatte, jetzt wo seine Zunge in meinem Mund einen zitronigen Geschmack verbreitete.

Unsere Körper drückten sich jetzt etwas verdreht aneinander. Ich schloss die Augen und wuschelte Niclas durch seine blonden Haare, die sich wegen des Haargels etwas steif anfühlten und an meiner Handfläche kitzelten. Niclas hatte seine Hand in meinen Nacken gelegt, den er zärtlich und wahrscheinlich eher unbewusst knetete. Nach einer gefühlten Ewigkeit beendeten wir unseren Kuss und schauten uns tief in die Augen. Es waren nicht mehr die Blicke von Freunden, sondern die von Liebenden.

Der irreale Moment verflog, und dann sah ich doch wieder den guten alten Niclas vor mir, der mich frech wie eh und je angrinste: „War das dein erster Kuss?“

„Ja.“ – Ich pustete tief durch. „Dich muss ich ja danach nicht fragen“, schob ich unsicher lachend hinterher.

„Zumindest war es mein erster Kuss mit einem Jungen. Und der schönste Kuss meines Lebens.“

„Dann sollten wir das unbedingt noch einmal machen.“

Niclas legte altklug die Stirn in Falten: „Ja. Aber ich finde, im Liegen macht das Küssen mehr Spaß“

„Dann lass es uns probieren“, lachte ich.

Während ich mir die Schuhe von den Füßen streifte, zog sich Niclas schon sein T-Shirt über den Kopf und brachte mich damit schon wieder zum lachen.

„Hey… Geht das jetzt nicht ein bisschen schnell?“, fragte ich.

Niclas tat unschuldig: „Wieso schnell? Unsere Kennenlern-Phase hat jetzt immerhin sieben Jahre gedauert. Langsam wird’s Zeit für die Fummel-Phase.“

„Felix hätte das aber romantischer ausgedrückt“, lachte ich und betrachtete sehnsüchtig Niclas‘ Oberkörper. Seine relativ helle Haut, unter der sich die sportliche Muskulatur sanft abzeichnete. Klar hatte ich diesen Anblick schon oft gesehen. Aber jetzt, zum Greifen nah, sah ich ihn doch mit anderen Augen.

„Pah… Dieser Felix“, moserte Niclas gespielt abwertend, während er sich mein T-Shirt links und rechts unten am Saum griff und es nach oben zog. Ich streckte die Arme in die Höhe, damit Niclas mir mein T-Shirt ausziehen konnte, dann legten wir, noch im sitzen, unsere Körper aneinander. Seine Haut fühlte sich toll an meiner Haut an und es war wundervoll, wie seine Körperwärme in mich überging. Niclas legte eine Hand an meine Wange und drückte mein Gesicht an seines, den anderen Arm legte er mir auf den Rücken. So verlagerte er sein Gewicht auf mich und wir ließen uns langsam nach hinten fallen. Ohne den Körperkontakt zu unterbrechen rückten wir uns so zurecht, dass ich mit dem Rücken auf der Matratze lag und Niclas auf mir drauf. Er hielt meine Arme an den Handgelenken und fixierte sie auf diese Weise zärtlich auf der Matratze, während er mir immer wieder kurze schmatzende Küsse auf die Lippen drückte, die mich auf der einen Seite zum Lachen brachten, und mich gemeinsam mit dem scharfen Hautkontakt so geil machten, dass mein Penis unter meiner Hose und Niclas‘ Gewicht fast schon schmerzhaft eingeklemmt war.

‚Aber alles zu seiner Zeit‘, dachte ich mir. Ich genoss erst einmal das hier und jetzt. Niclas hatte wieder seine Lippen geöffnet, und dieses Mal hatte ich meine Zunge in seinen Mund geschoben und ertastete damit die weiche Haut seiner Wangen-Innenseite, seine Zähne und seinen Gaumen, während Niclas‘ Zunge mich immer wieder neckisch vom Kurs abbringen wollte. Weil wir beide das Küssen mochten, spielten wir solche Spielchen auch sehr lange, ehe Niclas dem ein vorläufiges Ende setzte. Er saugte stattdessen mit den Lippen an der Haut meines Halses und arbeitete sich langsam meinen Körper entlang nach hinten. Dabei hinterließ er eine nass glänzende Speichelspur auf meiner Haut, die sich von meinem Schlüsselbein, direkt über die rechte Brustwarze bis zum Bauchnabel zog.

Weiter hinten angekommen, stand Niclas hinter dem Fußende des Bettes auf und zog sich unter meinen schmachtenden Blicken restlich aus. Betont langsam zog er sich seine Hosen hinunter, schlüpfte aus seinen Socken, und entledigte sich mit einer erotischen Beuge auch noch seiner Retro-Pants.

Was für einen attraktiven Kerl ich mir da geangelt hatte, dachte ich mir selbst, während ich meinen besten Freund nun in voller Pracht betrachtete. Seinen trainierten Sportler-Body, dessen einzige Behaarung aus einem leichten blonden Flaum an den Schienbeinen und der gestutzten dunkelblonden Schambehaarung bestand. Sein Schwanz, den ich trotz unserer jahrelangen Freundschaft tatsächlich noch nie steif gesehen hatte, gefiel mir gut, so wie er nun über mich hinweg deutete. Niclas war zwar ordentlich bestückt, aber ohne dass sein Steifer bedrohlich wirkte. Die Eichel war zur Hälfte mit einem wulstigen Vorhautkragen bedeckt und der Sack war, wie es für uns Fußball-Jungs in unserem Team üblich war, rasiert.

Ich wollte nun auch gleich aufstehen, um mich auszuziehen, aber Niclas hielt mich zurück: „Bleib liegen, Jonas. Heute bekommst du das volle Verwöhnprogramm. Schließlich bin ich dir etwas schuldig… Spätzchen. Hehehe.“

„Nenn mich nicht Spätzchen. Aus deinem Mund klingt das echt komisch“, beschwerte ich mich noch lachend, da hatte sich Niclas schon mein linkes Bein an der Wade genommen, um mir die Socke auszuziehen. Dabei streichelte er zärtlich über meinen Fußrücken, und dasselbe tat er auch an meinem lrechten Fuß. Und dann war endlich die einengende Hose dran. Es war eine Erleichterung, als Niclas mir den Knopf und den Reißverschluss öffnete und sich mein bestes Stück unter den Pants zumindest ein bisschen entfalten konnte. Niclas streichelte mir eher beiläufig über die Beule unter meiner Unterhose, dann stemmte ich mein Becken in die Luft, dass er sie mir hinunterziehen und umständlich über die Füße streifen konnte.

Jetzt, wo auch ich nackt war, setzte sich Niclas neben meine Hüfte, streichelte mich mit der rechten Hand am Oberschenkel, mit der linken am Bauch und kitzelte mich mit der großen Zehe unbewusst an der Wade. Dabei betrachtete er mich verträumt.

„Du bist wunderschön. Weißt du das?“, flüsterte er ohne den typischen Humor in seiner Stimme.

Ich antwortete nicht, sondern ließ die Worte genauso wie die Berührungen auf mich wirken. Niclas‘ Finger kneteten mit der Zeit etwas intensiver, und sein Gesicht näherte sich meinem Körperzentrum.

„Ist das okay für dich?“, fragte Niclas unsicher, als seine Lippen vielleicht noch zehn Zentimeter von meiner Eichel entfernt waren.

„Tu, was du nicht lassen kannst“, scherzte ich gönnerhaft, und Niclas tat, was er nicht lassen konnte. Er schloss seine Lippen um meinen Harten, kitzelte mit der Zunge an meiner Eichel und am Vorhautbändchen und machte mit dem Kopf nickende Bewegungen, die ein leises, feuchtes Schmatzen erzeugten.

Niclas erster Blowjob brachte mich zwar nicht nahe an einen Orgasmus, aber er war angenehm gefühlvoll. Ich schloss die Augen, stöhnte leise, streichelte Niclas durch die Haare und über den Rücken und genoss die feuchte Wärme, mit der Niclas meinen Schwanz verwöhnte.

Nach einer Weile griff ich Niclas zärtlich unter die Achsel und zog ihn in meine Richtung: „Komm wieder zu mir, du geiler Kerl.“

Das tat Niclas auch. Seine Zungenspitze leckte noch einmal über meine Eichel, und im nächsten Moment waren wir wieder eng in einander geschlungen und küssten uns. Dieses Mal wollte ich die Oberhand übernehmen. Erst waren wir seitlich aneinander geschmiegt, aber dann rollte ich mich auf ihn drauf. Nun lagen endlich unsere Schwänze heiß, und nach dem Blowjob auch feucht aneinander und rieben sich mit jeder Körperbewegung gegenseitig geil. Niclas hatte beide Arme um meinen Rücken geschlungen, räkelte sich lasziv unter mir und nach einer Weile schlang er auch seine Beine um meine Hüfte. Unser Stöhnen und Brummen, das dumpf in unseren Mundhöhlen verhallte, wurde immer intensiver.

Unter mir rückte sich nun Niclas ein bisschen zurecht, so dass mein Penis zwischen unseren Körpern heraus flutschte und jetzt an seinem Damm anlag. Er griff umständlich zwischen unseren Unterbäuchen, wo sich durch seine eingerollte Hüfte eine kleine Lücke aufgetan hatte, hindurch, nahm meinen Schwanz in die Faust, drückte die Eichel erst an seinen Damm, dann spannte er die Beinmuskulatur um meine Hüfte fester an, so dass er sich noch mehr einrollte. Seine Fersen drückten nun an die Rückseite meiner Oberschenkel direkt unter den Pobacken. In dieser Stellung sank meine Penisspitze vielleicht einen Millimeter in einem Grübchen ein, das nur Niclas‘ Rosette sein konnte. Ich selbst erhöhte nun auch ein bisschen den Druck. Zwischen unseren Bäuchen und Brüsten entstand ein dezenter Schweißfilm, und Niclas nahm seine Zunge aus meinem Mund. Dafür legte er seine Wange, die sich glühend heiß anfühlte, an meine Wange, und gab leise stöhnende Geräusche von sich, die irgendwo zwischen Wimmern und Ekstase lagen und mit jedem kleinen Stößchen gegen das weiche Fleisch seiner Rosette kurz anschwollen und dann wieder abnahmen.

„Willst du es heute noch?“, flüsterte ich in sein Ohr. Aus unseren Chats wusste ich schon, dass Niclas davon träumte, gefickt zu werden, und als Antwort bekam ich ein seliges „Hmmmmm“.

Dieses Wissen hielt ich nun zwar im Hinterkopf, aber vorerst genoss ich erst einmal den Körperclinch mit meinem besten Freund, seine heiße Wange, die Küsse, die wir anschließend wieder austauschten und deutete das Eindringen weiterhin nur an. Ich löste unsere Umklammerung, als ich Lust darauf bekam, Niclas‘ Traumkörper auch unterhalb des Halses zu erschmecken. Ähnlich wie er es bei mir gemacht hatte, leckte ich über seinen Kehlkopf und seinen Oberkörper, spielte mit der Zunge an seiner festen Brustwarze, und nahm den dezenten salzigen Geschmack von frischem Schweiß in mich auf.

Als ich mich nun auch als Bläser versuchen wollte, kniff mir Niclas in die Schulter: „Schaust du mal in der oberen Nachttisch-Schublade? Ich hab uns Gleitgel besorgt.“

„Okay.“

In der Schublade lag zwischen allem möglichen Kram tatsächlich eine durchsichtige Tube, die als ‚Gefühlsechtes Gleitgel‘ angepriesen war, und ich nahm sie mit aufs Bett. Dann kam der zweite Versuch. Niclas spreizte seine Beine, und ich kniete mich dazwischen. Tief nach vorne gebeugt , leckte ich erst seinen Sack, wo die Stoppel der abrasierten Härchen an meiner Zunge kitzelten, dann seinen Penisstamm entlang, und letztendlich nahm ich auch seinen Schwanz voll in den Mund und tat mein Bestes. Auch ich war mir klar, dass ich mit meiner fehlenden Erfahrung nicht der Meisterbläser sein konnte. Aber Niclas hatte die Augen geschlossen, an seiner Bauchdecke konnte ich erkennen, dass er tief atmete und auf seinem Gesicht lag ein seliger Ausdruck. Während ich mich vom nach der nicht lange zurückliegenden Dusche nur dezenten Eigengeschmack seines Schwanzes betören ließ, legte mir Niclas erst sein linkes, dann auch sein rechtes Bein auf die Schulter.

„Nimmst du das Gleitgel?“, flüsterte er in einem Tonfall, als ob er geistig irgendwo anders wäre, und ich tat ihm den Gefallen. Ohne meinen Blowjob zu unterbrechen, drückte ich ein Tröpfchen des glitschigen Gels aus der Tube und machte es mir auf den Mittelfinger. Dann tastete ich mich an seinem Damm entlang nach hinten, fand das berüchtigte Grübchen und spielte mit meinem schlüpfrigen Mittelfinger darum. Ich merkte, wie Niclas‘ Stöhnen jetzt ein wenig intensiver wurde. Nun ließ ich seinen Schwanz tiefer in meinem Mund rutschen und gleichzeitig krümmte ich meinen Mittelfinger und versenkte die Fingerkuppe in Niclas.

„Ohjaaa“, hauchte er und seine Bauchdecke machte einen kurzen Hüpfer.

Während ich Niclas zärtlich weiter blies, machte ich nun langsame Fickbewegungen mit meinem Finger in seinem Hintern, krümmte den Finger manchmal in ihm drinnen und ließ ihn kreisen, um sein Loch zu dehnen, bis Niclas ein „Ich glaube, ich bin so weit“ von sich gab.

Jetzt wurde es ernst für mein Blondchen. Ich beendete den Blowjob, gab ihm noch einen Kuss auf den Bauchnabel, dann schmierte ich meinen Schwanz dick mit dem Gleitgel ein, was Niclas aus seiner Liegeposition gespannt beobachtete. Ich legte meine Hand an seine hinteren Oberschenkel, drückte seine Beine an seinen Oberkörper und Niclas stemmte seine Füße an meine Schultern. Wir nickten uns noch einmal zu, dann legte ich mich nach vorne. Meinen Penis hielt ich in meiner Faust, als ich ihn an Niclas‘ Anus-Grübchen ansetzte und die Eichel platt drückte.

Das Eindringen überließ ich hauptsächlich Niclas. Mit den Fußflächen an meinen Schultern ließ er mich langsam ab, und mit der Hüfte machte er winzige runde Bewegungen. Ich glaubte nicht richtig daran, das es funktionieren würde. Dafür erschien mir sein Hintertürchen zu eng, aber Niclas blieb am Ball. Er kniff die Augenlider fest zusammen, seine oberen Schneidezähne lagen sichtbar auf seiner Unterlippe und ganz unvermittelt öffnete sich das Türchen einen Spalt und ich rutschte ein Stückchen in ihn hinein.

Niclas stöhnte langgezogen, seine Bauchdecke bebte, und nun ging es langsam immer tiefer in Niclas. Wie eine fest geschlossene Faust umgriff sein Schließmuskel meinen Penisstamm, , aber tiefer lag meine Eichel nun feuchtwarm und wie in Samt gebettet. Jetzt, als ich in ihn eingedrungen war, nahm Niclas seine Füße von meinen Schultern und schlang wieder die Beine um meine Hüften.

Es war dieselbe Stellung wie vorher, bei dem angedeuteten Fick, nur dass ich jetzt tief in meinem Freund steckte. Wieder legten wir unsere Wangen aneinander, die jetzt regelrecht glühten. Ich machte nur kleine Stöße, dafür ließ Niclas unter mir seine Hüfte kreisen und rütteln, was mich vor lauter Geilheit fast wahnsinnig machte. Hemmungslos stöhnten wir beide unsere Lust und unsere Ekstase in die aufgeheizte Raumluft.

„Gefällt es dir?“, flüsterte ich Niclas ins Ohr.

„Das geilste Gefühl ever“, hauchte er stimmlos zurück, dann drehte er seinen Kopf und drückte mir seine Zunge in den Mund. Mit wilden Küssen und geilstem Analverkehr kam ich dem Orgasmus meines Lebens immer näher. Am Ende war es eine Sinnesexplosion, als ich zum Höhepunkt kam. Auch seine Arme um meinen Rücken verkrampften sich, als Niclas erkannte, welche Stunde es geschlagen hatte, und er drückte mich so fest an sich, dass ich kaum noch Luft bekam. Dann spritzte ich mein Sperma in vier Pumpstößen tief in Niclas hinein. Sein Griff lockerte sich, als mein Stöhnen nachließ und ich meine Bewegungen ausklingen ließ, dann sackte ich erschöpft auf Niclas zusammen.

Wir genossen zwar noch diesen Liebesclinch, so lange bis mein Penis in Niclas erschlafft war, dann rollten wir uns auseinander, und legten uns dafür wieder seitlich liegend aneinander.

„Hammer“, hauchte Niclas abgekämpft und streichelte verträumt über meine Hand. „Jetzt bin ich aber kaputt.“ Sein Kopf war rot wie eine Tomate.

Auch ich streichelte sanft Niclas‘ Körper: „Ich glaube, jetzt bist du an der Reihe für ein Verwöhnprogramm.“

„Das klingt gut.“

Ich drehte meinen süßen Blonden auf den Rücken, streichelte, leckte und massierte seinen Körper, ehe ich ihm einen letzten Blowjob gab. Ich bearbeitete seine Eichel mit der Zunge und den Lippen, und nahm auch gleichzeitig die Hand zur Hilfe, um ihn gleichzeitig abzuwichsen. Dabei wuschelte mir Niclas beseelt durch die Haare. Dieses Mal hörte ich nicht auf, bevor sich sein süßlich-würziges Sperma in meinen Mund ergoss, und ich endlich testen konnte, wie sein Boy-Nektar schmeckte.Ohne zu schlucken kuschelte ich mich wieder an Niclas, und beim nun folgenden Zungenkuss vermischten wir sein Sperma und unseren Speichel zu einem delikaten Cocktail, der unserer aufkeimenden Liebe einen Geschmack gab.

Wenig später lagen wir nackt und träumerisch auf Niclas‘ Bett und tauschten sanfte Zärtlichkeiten aus. Ich glaube, erst jetzt realisierten wir so richtig, was während der letzten Stunde überhaupt passiert war.

Niclas schaute mir tief in die Augen: „Weißt du was, Jonas? Ich liebe dich… Ich habe dich schon immer geliebt.“

„Ich möchte nicht wissen, zu wie vielen Mädchen du das schon gesagt hast“, sagte ich lächelnd.

„Nee, das war nie dasselbe. Denkst du, wir können uns gemeinsam etwas aufbauen und zu einander stehen?“

„Wird hart werden. Aber ich glaube, wir können das schaffen.“

Niclas nickte ernst: „Ich glaube es auch.“

Das Ziel, das wir uns an diesem Abend vorgenommen hatten, uns nicht länger verstecken zu wollen, hatten wir in den folgenden Tagen zwar noch vor uns hergeschoben, und dafür erst einmal nur die süßen Seiten des schwulen Lebens genossen, aber wir verloren es nicht aus den Augen. Und lange hatten wir es auch nicht geschafft, unsere Liebe zu verbergen. Meine Vorahnung sollte sich aber bestätigen. Es wurde hart. Das Beben, das während der nächsten Monate durch unser Leben ging, war dann stärker, als wir es erwartet hatten. Wir verloren viele Freunde, die auf einmal nichts mehr mit uns zu tun haben wollten, oder sogar zu offenen Feinden wurden, und wir wurden auch aus dem Fußball-Team gemobbt.

Doch obwohl es sich manchmal angefühlt hatte, als würde es einem den Boden unter den Füßen wegziehen, hielten Niclas und ich als Liebespaar genauso fest zusammen, wie in den Jahren zuvor als Freunde. Und dafür wurden wir belohnt. Auch dank unserer Familien, die immer auf unserer Seite waren, zerbrachen wir an den schwierigsten Zeiten nicht. Stattdessen fanden wir neue Freunde, teils in einem LBG-Jugendzentrum in Karlsruhe, wo Niclas und ich auch heute noch gerne hingehen, aber auch in Leuten aus unserer Schule, mit denen wir bisher gar nichts zu tun hatten. Wir sind auch gerade dabei, Leute für ein schwules Fußball-Team zu suchen. Viele fehlen uns da nicht mehr.

So kann ich heute, Stand 11. März 2018 sagen, dass Niclas und ich jetzt glücklicher sind, als wir es vor diesem 10 Oktober 2017 jemals waren. Und darauf kommt es doch an.

 

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